Entschleunigung

von m. brody


Es ist früher Abend, ich habe Blumen dabei, die mich stolz machen. Herbst in schönsten Farben. Ein alter Gärtnermeister, der sich zur Rente etwas dazu verdient und der sein Handwerk versteht, hat sie mir an seiner Straßenbude verkauft. Meist verquatsche ich mich mit ihm, wenn ich bei ihm einkaufe, hin und wieder fragt er sogar, für wen die Blumen sind, während er fast blind in diverse Häufchen mit Schmuckgrün greift und Stängel für Stängel dem Strauß hinzufügt. Wir kennen uns schon lange, er macht das wirklich sehr hübsch. Und du hast jetzt noch geschätzte 25 Sekunden Zeit, selbst auch alles hübsch zu machen, vom Summen des Türöffners an, denn ich warte nicht auf den Fahrstuhl, laufe lieber gleich die Treppen hoch bis zu Dir. An der Wohnungstür funktioniert es aber noch nicht. Wir küssen uns, tauschen liebe Worte aus, du freust dich über die Blumen, als ich etwas Vereinbartes von dir will, geht es dennoch nicht. Du schüttelst kaum merklich den Kopf, es ist dir unangenehm. Ich lächle mild und trete ganz nahe an dich heran, fast schon berühren meine Lippen dein Haar. „Bitte, tu es. Es ist wichtig.“ Wir schauen uns in die Augen. Ich gehe nicht von ab, eher bleibe ich nur für einen Kaffee und verschwinde wieder. Und so setzt sich ein Prozess in Gang, während wir uns im Flur noch gegenüber stehen, ich sehe dir das deutlich an. Nach für mich spannenden Sekunden gehst du zögerlich nach unten, kniest endlich, sodass ich deinen Kopf an meinen Bauch drücken kann und sanft über dein Haar streichle. Ich spüre, wie deine Anspannung sich allmählich auflöst, deine Hand sucht meine und drückt sie fest. 

Wir kommen gerade beide an und halten das aus, bis ich dich wieder zu mir hochhole und du mir von dem Kuchen erzählst, den du extra für diesen Nachmittag gebacken hast. Ich esse zwei Stücke, genieße den Kaffee dazu, deine leisen Worte, deine Berührungen mit dem Fuß an meinem Bein. Du fragst, ob es mich stört, wenn du den Blumenstrauß teilst, er gäbe das her, meinst du und ich habe nichts dagegen, freue mich, deinen Geschmack getroffen zu haben. Seltsamerweise muss ich jetzt an ein altes Lied denken, wobei mir wie ziemlich oft genau die passende Zeile des Textes in den Sinn kommt. „Wenn ich deine Nähe spür, dann fällt die Zeit wie Laub von mir …“ Ich behalte es für mich und nehme deine Hand, um sie zwischen meine Hände zu legen. Der Moment ist wundervoll und so leicht. Wir ziehen auf dein Sofa um, das heißt, du nimmst zu meinen Füßen Platz. Jetzt gelingt uns alles, du folgst ohne zu zögern, als ich möchte, dass du den Rock ausziehst, die Yogahose darunter aber anbehältst. Es dauert ein wenig, bis wir es uns passend zueinander bequem gemacht haben. Mal liegst du und ich setze meine Füße auf dir ab, dann mag ich dich näher bei mir haben und ich lasse dich am Boden sitzend, dicht an mich heran rutschen, damit ich mit deinem Haar spielen kann, während wir uns unterhalten. Wir reden über alles Mögliche, doch ich denke immer wieder darüber nach, wie mich dieser schöne Moment gerade berührt. Irgendwann machst Du einen weiteren Kaffee, wir haben Zeit für alles. Endlos lange spielen wir sanft aneinander herum und ich stecke dir meine Finger in den Mund, damit du daran saugst. Es ist reines Fühlen.

Später dann, mittendrin, sprichst du die Kabelbinder an. Natürlich habe ich welche dabei, nur schon länger nicht mehr benutzt. Alles spricht dafür, besonders du weckst in mir das Wollen und ich tue es. Wir gehen in dein Schlafzimmer, haben sofort eine andere Stimmung und ich fessele dich auf dem Bett mit den Industrieverschlussbändern, nur noch mit BH und Yogahose bekleidet, die ich aber nicht an ihrem Platz lasse, weit herunter ziehe für die Dinge, die ich mit dir sonst noch tun will. Die Kabelbinder sind unerbittliche Verbindungen; Handgelenke vorne, Füße über Kreuz, Beine an mehreren Stellen und ich mache auch noch eine unzerreißbare Fixierung zwischen deinen Händen und der gefesselten Stelle knapp oberhalb der Knie. Irgend etwas machen die Dinger mit mir. Ich drehe dich schon jetzt zurecht, denke nach, schiebe die Schalen deines BH`s hoch, berühre alles, was ich seit Tagen nicht mehr in den Händen hatte und ich liebe das Bild, das du abgibst. „Hey, mein Kleines, was hat dieser üble Einbrecher mit dir nur gemacht. Wirklich grob …“ Es ist der Teil, der vielleicht noch als Spiel durch geht. Ich spreche leise, du sagst seit Minuten nichts mehr. Einmal um das Bett herumgegangen, nehme ich mir den besonderen Anblick, der dir sicherlich momentan noch unangenehm ist. Dein Hintern, deine unverdeckte Scham, der zarte Glanz. „Oh, und wie heiß es diesen Kerl nur machen muss.“ Ich weiß zumindest, wie es mich gerade erregt. Doch es ist noch Zeit. Ich suche und ich weiß sogleich etwas, um dich für eine Weile ruhig zu halten. Dafür geht der Rock, der noch auf dem Sofa liegt. Ich lege ihn über deinen Kopf und gebe dir Gelegenheit, erst noch für dich zu bleiben und die Fixierung zu spüren. Mir reicht sogar die Sicht aus der Ferne auf dich als sexualisiertes Kabelbinderopfer, durch den Flur hindurch aus dem Wohnzimmer, in das ich zeitweise zurückkehre. Ich bin leise, auch als ich das Bücherregal inspiziere, mich fast mit jedem Buch beschäftige.

Es ist ein starker Genussmoment gerade, weil Wichtiges erledigt ist und ich nun nach Lust und Laune von dir kosten kann. Einige weitere unnütze Beschäftigungen später bin ich wieder bei dir und nehme den Rock von deinem Kopf und hebe die Dunkelheit für dich auf. Du öffnest die Augen, siehst dass ich bereits ein Kondom in der Hand halte. Ich mache mich wortlos mit dem Gummi besamungsbereit, wie wir das seit einiger Zeit so nennen und ich es jetzt auch nicht anders verstehen mag, auch wenn das gute Zeug nicht wirklich in dich gelangen wird. Irgendwann mal. In meiner Lieblingsposition für dich, in der Seitenlage, in der ich dich ohnehin belassen habe, berühre ich von hinten mit der Hand deine Möse, reibe mit zwei Fingern in dem Feuchtgewebe und bin noch sanft dabei, tue Gutes, um dich bereit zu machen. Es versetzt mich in Schwingungen, da die Berührungen an deinem Kitzler dich in Schwierigkeiten bringen. Ich koste jede Sekunde aus, deine Reaktionen in ihrer Dezenz bewirken, dass sich in mir ein kribbelnder Schauer ausbreitet. Meine Gefühlsmitte ist jetzt da unten, während ich mich an dir liegend, um Langsamkeit bemüht, in deine enge Röhre hineinpresse und am Anschlag erst einmal nicht weiter bewege. Mein Körper klebt regelrecht an deinem und mein Schwanz lässt wie ein Fühler in deinem Innern es mich als Inbesitznahme empfinden. Es ist der Moment, an dem mich die Machtfülle sehr aufgeilt, ich aber zu gerne auch eine Ahnung von deinem Gefühl hätte, ob es in dir nach Benutzung klingt, weil ich das nämlich bis in meine hintersten Winkel hinein zu meiner Überzeugung mache. „Halt still, du kleines Fickstück“, sage ich, während ich mit beiden Händen nach deinem Hals greife, mit passender Kraft zudrücke und mit härter werdenden Fickstößen deine körperliche Nutzbarkeit für mich erfahre. 

Ich bin berauscht, als bekäme ich mein persönliches Gelée Royal auf die Zunge getropft, dich durchzuvögeln und gleichzeitig die Gnade des Atmenlassens erteilen zu können. Die Geräusche, die das schnelle Reinraus meines Schwanzes aus dem Mösenkanal treibt und das körperliche Aufbegehren gegen mein wiederholtes Hinauszögern der Luftgaben triggern mich unbeschreiblich. Die ganze Zeit über hole ich fremdartig zynisches Gefühl aus mir hervor, während ich dich wie meinen Schatz an mich gepresst halte, schwungvolle Rammstöße in dich hinein führe, bis es soweit ist. Fast schon zu spät reiße ich mir das Kondom herunter und komme auf die Knie hoch, muss gar nicht richtig mehr wichsen, denn nichts hält das Abspritzen jetzt noch auf. Ich schaue nicht einmal wirklich hin, treffe dich gut, obwohl ich gerade zu überschwemmen drohe, als die puren, warmen Energieströme von unten kommend in meinem Kopf landen. Ich erwische dich hoch bis in dein Haar und es ist viel zu schnell vorbei, das, was sich längst wie Beutemachen angefühlt hat. Jeden Spritzer meines Spermas lasse ich Ausdruck dafür sein, dass du mir gehörst, in diesem Augenblick und für später ist es mir noch keinen Gedanken wert.

Ich setze mich auf die Bettkante, bin dicht bei dir. Deine Augen sind geschlossen und du fühlst dich warm an, als ich meine Hand an deine Schulter lege. Im Grunde denke ich an nichts, auch nicht als ich selbst kurz die Augen schließe und meine Atmung sich langsam beruhigt. Ich wünschte, ich würde jetzt schon eines besonderen Gefühls habhaft werden. Ist wohl noch zu früh. Du siehst schön aus, als ich dich betrachte. Auch die schwarzen Kabelbinder gefallen mir noch immer an dir und ein wenig fasziniert mich ein kompakter Spermaspritzer, der sich von deiner Flanke auf den Weg macht, nach unten zu laufen und dabei über deine kleine Tätowierung rinnt. Ich lege mich noch einmal an dich heran, stelle soviel Hautkontakt her wie möglich und du lässt mich spüren, wie sehr du diese liebevolle Berührung magst.

m.brody
2018

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