Palio Di Siena

von Oliver G. Wolff


Die stolzen, hohen Häuser von Siena geleiten uns in Richtung Zentrum. Nicht ganz stabil sind sie, an einem der Gebäude nach der Porta San Marco ist die Feuerwehr gerade daran, Steine abzumeisseln, die in der Folge auf den Boden regnen…  wohl, damit sie nicht später unkontrolliert auf die Strasse fallen und jemanden versehentlich zu erschlagen. Eva, die mit besorgtem Blick die Szene beobachtet, hält meine Hand fest. Ich versuche, ihre Gedanken zu lesen. «Es gehört wohl zum Toskanischen Risiko, eines unnatürlichen Fassadentodes zu sterben.» Eva kennt meinen Humor und reagiert mit einem wunderbar süssen Blick, der alles gleichzeitig sagt: «Das meinst Du nicht wirklich», «das ist doch gefährlich» und «ich liebe Dich». Doch natürlich kann sie meine Bemerkung nicht ganz so stehenlassen. «Die Uniform der Feuerwehr hier, die hat was!» provoziert sie mich mit schelmisch-prüfendem Augenaufschlag. Umgehend pariere ich mit Sarkasmus: «Atemreduktion durch Schutzmasken und lecken von Kampfstiefeln? Dabei sind die Italiener doch solche Muttersöhnchen. Eva, das passt doch so gar nicht zu Deinem Doppelleben als Sub, oder hab ich da was verpasst?»

Ein wunder Punkt; Eva hadert noch immer mit der Diskrepanz zwischen ihrem strengen Auftritt im Alltag und der Devotion, die sie nur mir gegenüber zeigt. Sie schmollt eine oder zwei Minuten vor sich hin, weil ihr keine geeignete Entgegnung einfällt; doch ihre Aufmerksamkeit wird von der Umgebung gleich wieder abgelenkt. Weiter oben in der Strasse sind viele Bänke und Tische aufgestellt, die Vorbereitungen im Gange: Es ist Juli, und der erste Palio des Jahres findet statt. Wir sind im Quartier der Schnecke (Contrada della Chiocciola), was ich hinsichtlich dessen, was ich für uns geplant habe, äusserst passend finde. Doch noch behalte ich mein süsses Geheimnis für mich. 

Immer mehr Schneckenfahnen säumen unseren Weg; durch ein offenes Tor sieht man in eine grossen Küche hinein, wo etwa ein halbes Duzend kurvige Italienerinnen Gemüse raffeln und Speisen zubereiten, so, wie man es in einem Bilderbuch erwarten würde. Fasziniert bleiben wir einen Moment stehen, bevor wir weiter in Richtung Zentrum vorstossen. Es ist heiss – sicher 36 Grad, und wir schwitzen beide bei der leichten Anhöhe, die wir zu bewältigen haben. 

«Was ist der Plan?» fragt mich Eva unvermittelt. Sie kennt ihren Herrn gut genug, als dass dies einfach ein rein touristischer Ausflug sein könnte. «Du weisst doch,» antworte ich, «ich gehöre nicht zu den Doms, die gerne weit im Voraus planen – Spontaneität ist ein zentrales Element meines Wesens.» Dabei zwinkere ich, um sie im Ungewissen zu lassen, wie ernst ich das nun gemeint haben könnte. Doch wir sind ohnehin gleich am Ziel. 

Nach einem flachen Stück biegen wir rechts in die Via Stalloreggi ein und gehen zwischen den dunklen Gebäuden aus rotbraunen Steinen weiter hoch. Kurz vor der Kuppe der Strasse steuere ich auf ein Tor eines der Gebäude zu unserer Rechten zu, sehr zu Evas Verwunderung. Auf dem alten Holz steht «Passo Carrabile» – es ist also eigentlich eine Einfahrt in eine Parkgarage. Die beiden grossen Ringe in den Mündern der Löwen-Türknaufe quietschen, dann knarrt das Holz und das Tor gibt den Blick in das Innere frei. Sofort strömt uns Duft von altem Gemäuer entgegen, wie aus einem Keller. Angenehm kalt, aber auch beängstigend – zumindest für Eva, wie ich merke. Durch das Betätigen eines alten Drehschalters lasse ich die im Boden eingelassene Beleuchtung einen langen Gang erhellen. Wie eine Flugpiste, in regelmässigem Abstand zueinander, zeigen sie uns einen fadengeraden, leicht abschüssigen Weg, der bei einem weiteren Tor in der Ferne zu enden scheint. «Willkommen in Siena!» freue ich mich wie ein Zirkusdirektor, der soeben die Manege betreten hat.

Wieder drückt Eva ihre Gefühle nur über ihre Mimik und Gestik aus. Es ist wie immer, wenn ich etwas Ausserordentliches vorgesehen habe: Sie weiss, es wird passieren – doch in der Sekunde, in welcher die Realität aus dem harmlosen Alltag in unsere dunkle Welt des BDSM verzweigt, kommt alles dann doch irgendwie überraschend. Es ist der Moment, in welchem sich diese Umgebung öffnet, der Auftakt zu unserem Spiel – und er verändert die Stimmung und Gefühlslage von uns beiden: Wir mutieren vom verliebt aussehenden Paar auf der Strasse zu dem, was wir im tiefsten Innern sind: Sie meine angebetete Sub, ich ihr geliebter Dom.

Wir treten ein und ich verriegle das Tor hinter uns. Dann führe ich sie an der Hand diesen Flur entlang. Er ist karg, kalt und lässt unsere Schritte überdimensional laut hallen. Eva hat ihre sonst so vereinnahmende, durchaus mit einer gewissen Dominanz unterlegte Ladyhafte eingetauscht gegen das Mädchen, welches durch das laute Geräusch verunsichert wirkt und sich nicht so recht zwischen Faszination und Furcht zu entscheiden vermag. 

Endlich erreichen wir das innere Tor. Diesmal ist es eine Schiebetüre aus Metall, bedeckt von Grünspan, und angeschrieben mit: «Museo della tortura». Eva versteht sofort, hebt fragend an, wird aber durch ein Geräusch unterbrochen, welches stumpf durch die Wände dringt. Sie horcht. Es ist ein Trommelmarsch, gespielt wohl von einem Duzend Tambouren.

«Keine Sorge, meine Liebste!» beruhige ich sie in einem Ton, von dem sie genau weiss, dass eher das Gegenteil davon angebracht wäre. Mit einem alten Schlüssel entsperre ich den Zugang und öffne mit einem Ruck den Raum, der dahinter liegt. Er ist ausserordentlich gross, sicher 80 m2 oder mehr, spärlich beleuchtet durch Tageslicht, welches durch schmutzige Kellerfenster dringt. Wir sind unterhalb Strassenniveau. Das Trommeln ist nun deutlicher zu hören, es muss von einem weiteren Raum neben oder über uns kommen.

Eva versucht, sich zu orientieren. Der Raum scheint leer zu sein, lediglich einen alten Eimer erkennt sie. «Zieh Dich aus!» lautet mein Befehl, wobei das Echo der Leere dessen Wirkung akzentuiert. 

Sichtlich verunsichert bleibt Eva einen Moment regungslos. Was hat das zu bedeuten? Ein Foltermuseum ohne Foltergeräte? Die unheimliche Geräuschkulisse. Mein Befehl. Doch es ist ihr bewusst, dass alles einem Plan folgt, auch wenn er für sie in diesem Moment nicht erkennbar ist. Endlich löst sie die Schnallen ihrer Sandalen und stellt sie sorgsam neben ihre Füsse, die wegen der Kälte des Steinbodens süss tänzeln. Sie blickt in meine Augen, um sich zu versichern, aber sie signalisieren nicht anderes als das, was ich eben artikuliert hatte. So öffnet sie ihr Sommerkleid und legt es, ebenso fein säuberlich, neben ihre Sandalen. Slip hat sie keinen an. Den BH öffne aber ich und schmeisse ihn wie ein lästiges Insekt in eine Ecke. Splitterfasernackt ist sie. «Geh in Position! Hände hinter Deinen Kopf, senke Deinen Blick!»

Sie gehorcht, mein devotes Mädchen, und ich nehme mir Zeit, sie von allen Seiten zu betrachten und genau zu inspizieren. Einmal greife ich ihr dabei in ihren Schritt, der – kein Wunder – bereits so feucht ist, dass meine Bewegungen darin ein lautes Schmatzgeräusch erzeugen. «Kleines Biest, kannst es wohl nicht erwarten? Na dann!» Am einen Ende des Raumes befindet sich eine doppelflügelige Türe. Inzwischen muss auch ihr klar geworden sein, dass dahinter der Ort ist, aus welchem das Trommeln zu uns dringt.

«Es ist Palio, Eva. Die Jungs üben doch nur!» Doch meine Sub zeigt Schweissperlen, verteilt auf ihrem ganzen Körper. Würde ich sie nun wirklich den Trommlern ausliefern, sie quasi zum Frass vorwerfen?

Es sind nur wenige Schritte, die ich zu gehen habe; Schwungvoll öffne ich beide Türflügel gleichzeitig, welche gegen den Anschlag im anderen Raum knallen. Eva bleibt mit gesenktem Blick stehen, wie ich es von ihr verlangt habe. Sehen kann sie nicht, was sich im anderen Raum befindet, doch die Lautstärke verrät, dass sich das akustische Höllenspektakel tatsächlich dort abspielt. Ich instruiere die Männer, ihre Musik zu beenden und in unseren Raum hineinzukommen.

Die Italiener treten, mitsamt Trommeln und in den Ledergurt eingesteckten Schlägeln in den Raum hinein und bilden einen grossen Ring um Eva und mich herum. Eva weiss, dass sie weiterhin ihren Blick auf den Boden gerichtet halten muss, aber ihre Augenbewegungen zeigen mir, dass sie trotz ihrer Position versucht, möglichst viel von dem, was uns gerade umgibt, zu erhaschen.

«Offensichtlich ist es Zeit für die Augenbinde!» Innert Sekunden habe ich sie ihrer Sehfähigkeit beraubt und ziehe anschliessend meinen Gürtel aus der Hose. «Avanti!» rufe ich den Musikern zu, und diese beginnen langsam und leise, einen Wirbel zu spielen. Ich begebe mich in Position, nehme meinen Gürtel und exakt als das Trommeln den Höhepunkt erreicht hat, trifft das schwere Leder den Po meiner Sub. Die Tambouren sind praktisch in der nächsten Sekunde still, also gerade rechtzeitig, so dass das Wehklagen meiner Sex-Sklavin für alle laut und klar hörbar wird. Eva schnaubt, denn ganz offensichtlich kommt Wut in ihr auf. Wut darüber, dass ich sie so blossstelle, nicht nur körperlich, sondern auch in ihrer Reaktion, vor einem Dutzend fremder Männer. Wunderbar, freue ich mich.

Mittels Handzeichen lasse ich das Spektakel wiederholen. Crescendo des Trommelwirbels, bis ich meinen Gürtel wieder in Position habe und auf meine Sub niedersausen lasse. Der Hall ihres Klagelauts im Raum. Ich zähle die Durchgänge nicht, vielleicht sind es sieben oder acht? Es ist rein mein Gefühl und die Erkenntnis, dass sie den Tränen nah ist, der Genuss ihres Lustschmerzes auf dem Höhepunkt, welches mich dazu bewegen, die nächste Stufe meiner Tortur zu zünden. Ich nehme Eva die Augenbinde ab, instruierte sie aber, sich sogleich auf den schmutzigen Boden zu legen. «Ab auf den Bauch!»

Eva folgt, dann rufe ich den Trommlern zu: «Ora puoi vedere una chiocciola davvero bagnata» («Jetzt könnt ihr eine richtig feuchte Schnecke sehen!»), und weise Eva an, ihre Beine zu öffnen und mit ihren Händen hinter dem Rücken ihre Pussy für alle sichtbar zu öffnen. Eva hat offenbar irgendwie verstanden, um was es geht, und widersetzt sich meinem Befehl. Väterlich rede ich ihr zu: «Eva, es ist die Contrade der Schnecke. Die Herren wollen doch mal eine echte Schnecke sehen!»

Eva weigert sich aber weiterhin und beginnt lauthals, zu schimpfen. «Du verdammtes Arschloch! Das kannst Du nicht mit mir tun. Ich liege hier schon gedemütigt auf dem alles andere als gemütlichen, schmutzigen Fussboden, versohlt und verhöhnt. Wie kannst Du so etwas von mir erwarten???»

Ich übersetze den emotionalen Ausbruch für die Zuschauer auf Italienisch, mit dem kleinen Hinweis, dass sie im Unterschied zum Inhalt des Gesagten die Situation zweifellos als höchst erregend empfindet. Schallendes Gelächter füllt den Raum, mit mir als Major der Tambouren in der Mitte. 

«Wie Du willst!» gebe ich vordergründig nach und schickte die Herren zurück an den Ort, aus welchem sie gekommen sind, und schliesse die Türe hinter ihnen.

Nun hole ich den Metalleimer aus der einen Ecke des Raumes. Er ist gefüllt mit kaltem Wasser, welches ich nun über die noch immer am Boden liegende Eva giesse. «Du Schwein!» empört sie sich lauthals, doch ich lasse mich nicht weiter beeindrucken. «Glaubst Du, meine Teure, dass ich, nur weil ich auf Sauberkeit achte und Dich reinige und etwas runterkühle, ein Schwein bin? Los, auf alle Viere!» Eva weiss genau, was das zu bedeuten hat und sieht von einer Entgegnung ab. Minuten später landet mein marmorweisser Lustbeweis in ihr. Ihre Renitenz, gepaart mit dem Wissen um ihren Zustand und der nicht zu unterdrückenden Sehnsucht, mir zu dienen und zu gefallen – all das erregt mich unglaublich, jedes Mal, immer.

Eva bettelt nach einem Kuss von mir, doch ich verweigere ihn ihr. «Für die Liebe haben wir später noch Zeit. Es ist Palio. Und die Herren im Raum nebenan warten noch auf Deine Präsentation!»

In diesem Moment wird mir richtig bewusst, dass die Härte, die ich ihr gerade angedeihen lasse, für sie ausserordentlich sein muss. Und es wird sie zweifelsohne noch deutlich mehr Überwindung kosten, jetzt ihre verschmierte, vor Flüssigkeiten tropfende Pussy zu zeigen als vorhin, als ich es von ihr verlangt hatte, sie, lediglich auf dem Boden liegend.

«Das, nein, nicht wirklich!?» fragt sie schockiert. In der Hocke, direkt vor ihrem Kopf, blicke ich tief in ihre Augen. «Aber sicher. Du Miststück hast die Gelegenheit vorher verpasst. Und Du hättest doch so gerne einen Kuss von mir, nicht wahr?» Wieder aufgerichtet, öffne ich den Nebenraum wieder. Schön aufgereiht warten dort die Trommler auf die Belohnung, die ich ihnen für ihre heutige Extra-Einlage versprochen hatte.

Sie blickt zu mir hoch und was sie in meinem Gesicht sieht, ist an Entschlossenheit nicht zu überbieten: Ich werde unter keinen Umständen von meiner Anweisung ablassen. Also richtet sie sich auf, nass und an ihren Knien und Händen nach wie vor schmutzig. Sie versucht eilends, wenigstens etwas vom Dreck abzustreifen, macht dann einen Schritt auf die Türe zu und tritt vor die Gruppe. Stehend, gespreizt, öffnet sie ihre Pussy, schliesst dabei aber die Augen, um nicht mitzubekommen, welche Reaktion das auslöst. Ich geniesse diese Demütigung und lasse sie etwas in der Position. Erst nach fünf Minuten erlöse ich sie mit einem «Genug!» und hole sie zurück in den Raum des Geschehens; ich verabschiede mich von den Trommlern und schliesse die Türe.

«Wusste ich doch, dass Du ein braves Mädchen sein kannst!» lobe ich sie mit der mir eigenen Ironie. Dann küsse ich sie.

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