2. Metropolitain

Das Dröhnen der Metro von weit unten, es entwickelte sich mit zunehmender Dauer zu einem akustischen Tornado, der durch das alte Gemäuer verstärkt und für meine Ohren fast unerträglich wurde. Beinahe verlor ich in dieser Katakombe mein Gleichgewicht und verfluchte den Maler Auguste für seinen Tipp bezüglich dieses verstecken Zugangs. Aber, fairerweise musste ich feststellen: Ich hatte nach so einem geheimen Ort gefragt.

Ich fasste an die feuchte Wand, um mich der Stabilität meines Standes zu vergewissern. Fühlte ich wirklich nur den Lärm und die Vibration, verursacht von einem durchfahrenden Zug, oder war ich eher etwas benommen von meiner plötzlichen Angst, ich könnte Elly tatsächlich so rasch und so unmittelbar verlieren, hier, mitten in Paris? Zurück zu gehen wäre gegen meine Prinzipien, Entschlossenheit die einzige Option. Dennoch, der Moment dehnte sich in eine schier unendliche Länge und machte mich zum Opfer meines eigenen Verbrechens.

Das Getöse hielt mich noch immer im Zustand der Verwirrung gehüllt, als plötzlich eine Hand auf meine Schulter gelegt wurde. Ich erschrak ich beinahe zu Tode. Beschäftigt mit mir und der Situation hatte ich nicht bemerkt, dass Elly auf einmal hinter mir stand.

Der Lärm war auf einmal weg, stattdessen bekam ich das schallende Lachen meiner Sub zu hören. Es schüttelte sie förmlich, auch sie musste sich an der Wand halten, im Unterschied zu mir aber wegen ihrem Bauch, den sie wegen der sich vor lauter Amüsement verkrampfenden Muskeln fassen musste.

«Verdammte Scheisse Elly!» schrie ich erbost, wobei mein Ärger noch eher mir und meiner Unbeholfenheit galt, als ihrem spottenden Gelächter. «Selbstironie» prustete sie zwischen ihren Lachsalven hervor, «war noch nie Deine Stärke, Dom G.». Unfähig, eine zivilisierte Zurechtweisung zu formulieren, nahm ich Ellys Hand und zog sie hinter mir die Treppe hinunter, in den Schlund des Metro-Tunnels der Linie 12, irgendwo zwischen Abbesses und Lamarck-Caulaincourt.

Endlich fand ich meine Stimme wieder. «Du wirst für Dein unangemessenes Verhalten büssen!» drohte ich, als wir die Metalltüre zu den Geleisen erreicht hatten. «Mont-Martre, der Name kommt von «martyriser», das französische Wort für Martern – der Berg der Tortur.» Elly schwieg zu meinem Dozieren und mimte die unbeeindruckte Studentin. Noch. Denn als wir im Tunnel drin waren, in der Nische einer Seitenwand, fiel die Türe hinter uns mit lautem Knall ins Schloss. Elly wandte sie sich erschrocken um und realisierte, dass der Eingang diesseits des Tunnels weder Klinke noch Knauf aufwies.

Es gab keinen Weg zurück.

«Ohne, dass ich meine Lust befriedigt bekomme, wirst Du nicht entkommen.» Ich griff ihre Hüfte und drehte ihren Körper mit dem Gesicht zur Wand. Mit je einem Kabelbinder befestigte ich ihre Hände an den dicken Stromleitungen, die sich der Wand entlangschlängelten. «Was tust Du?» fragte sie mich, halb verunsichert, halb beleidigt.

«Dieses Tunnelspiel, meine liebe Elly, ist ein echtes, denn es findet wirklich im Tunnel statt.» Dann richtete ich ihren Kopf zur Seite, so dass sie die alte Technik der Infrastruktur und herankommende Züge sehen konnte. «Sogar einen SOS-Knopf haben sie für Dich installiert. Nur leider, leider… ist er unerreichbar für Dich. So, wie es sich gehört.»

Ich öffnete ihre Jeans und riss sie bis zu den Knöcheln runter, ihr Slip folgte den gleichen Weg. «Diese vorbeifahrende Öffentlichkeit wird kaum was von uns mitkriegen» spottete sie in einem letzten Aufbäumen, «falls das Dein Ziel ist.» Doch ich liess mich nicht beirren, umfasse ihren Brustkorb fest, fuhr unter Jacke und Bluse, quetschte ihre Brustwarzen heftig und zog sie schmerzhaft nach unten. «Schweig, Du Biest!»

Elly jammerte und stöhnte zugleich so laut, dass es mich verwunderte. Irgendwie hatte sie ja so etwas wie hier erwarten müssen, und ihre Reaktion war der Beweis, dass sie sich ausreichend sicher fühlte, trotz der Gewissheit, dass es hier vor Ratten nur so wimmeln musste. Aber in der Tat, sie liess das, was ich ihr antat, diese unmögliche Situation, nicht nur über sichergehen, sondern sie begann offenbar sogar, es als sinnlichen Moment unseres BDSM zu empfinden.

Fast wie mein Tagtraum mit Lisa fühlte sich die Situation für mich an, auch in einer Stadt, nur jetzt im Untergrund und mit der Frau, die das Zentrum meiner Gefühlswelt darstellte. Mein süsses Opfer wimmerte schon fast, als ich ihre Pobacken mit Kraft voneinander zog. Als ich ihre Feuchte spürte, gab es kein Halten mehr für mich… für ihn. Bald war ich in ihr drin, ich fickte sie als hätte ich seit Wochen in Enthaltsamkeit gelebt. Sie musste raus aus mir, diese Kraft, die auf einmal wieder über mich gekommen war; wie ein Feuer, das auf Benzin trifft und alles verschlingt. Sie, das Benzin, meine Triebfeder. Ihr Körper klatschte wiederholt gegen die schmutzige Wand, als ich mich an ihr abreagierte, doch es machte ihr nichts aus. Eine Metro fuhr auf dem weiter von uns entfernten Gleis vorbei, doch in meinem Rausch war es für mich nicht mehr wie billige Musik aus einem fernen Radio, es interessierte mich schlicht nicht: Zu beeseelt war ich von diesem Job, den ich zu erledigen hatte, und zwar hier und jetzt. «Mein Herr, ich… ich bitte.. bitte lassen Sie mich kommen…» flehte Elly im Delirium unserer Liebe, so tief wie der Untergrund von Paris.

Ich hielt sofort inne und zog meinen Schwanz aus ihr raus. 

«Du hast es nicht verdient. Ich behandle Dich viel zu nachsichtig.» Ein Schritt in Richtung der Geleise, und ich rieb mich ein wenig; am Ende ergossen sich die wertvollen Samen auf die morschen Holzschwellen unter mir. «Nichts bekommst Du, selbst dieses verrottende Stück Holz hier hat meine Zuwendung mehr verdient als Du. Es hält täglich mehr aus, es ist auf dem absoluten Tiefpunkt hier, wird von tausenden Menschen missbraucht auf ihrem Weg ins Glück oder Verderben und trotzdem dient es untertänigst. Ganz im Gegensatz zu Dir.»

Ellys Frust brauch aus ihr heraus, theatralisch und wütend: «Der Philosoph hat gesprochen.»

Ich ignorierte ihre Impertinenz, schloss meinen Hosenstall und machte mich zu Fuss auf in Richtung Abbesses, und pfiff dabei das Kinderlied «Alouette, gentille Alouette». «Mein Herr, das können Sie nicht tun!» rief Elly hinter mir her. Klang da etwas Verzweiflung mit? Kurz blieb ich stehen. «Elly, ich kann Dich nicht verstehen, die nächste Metro rollt bereits an!»

Und in der Tat, der nächste Zug näherte sich, doch im Unterschied zur Gegenrichtung war diese Komposition viel langsamer unterwegs und näherte sich uns nur in Schritttempo. Auguste hatte recht gehabt: Ein Gleisbruch weiter vorne zwang den in diese Richtung fahrenden Kurs dazu, seine Geschwindigkeit massiv zu drosseln; mit dem hübschen Nebeneffekt, dass die Fahrgäste der vollen Waggons eine perfekte Sicht auf Elly hatten, die wie ein frisch missbrauchtes Vergewaltigungsopfer ihren neugierigen sensationshungrigen Blicken ausgeliefert war.

Was für eine Genugtuung. «Nie. Nie, Elly» murmelte ich vor mich hin, unhörbar für sie, «Unterschätze mich nie.»

Als der Zug die heikle Stelle passiert hatte, wir waren wieder alleine. «Wirst Du Dich benehmen, wie es Dein Herr, ja, wie es jeder Herr von einer würdigen Sub erwartet?»

Elly schnaubte vor Wut, wie so oft, wenn sie aus der Rolle fiel und sich ungerecht behandelt fühlte. «Gegen einen Orgasmus!» forderte sie, das Maximum an Entgegenkommen, das sie in ihrer Situation zeigen konnte. Erlittener Scham und unbefriedigte Lust, wie sehr sie das gerade piesacken musste.

«Rien ne va plus!» lachte ich und schickte mich an, meinen Weg weiter zu gehen, erneut laut pfeifend. «Mein Herr!» flehte sie nun plötzlich. «Ich bete Sie an. Seien Sie nicht so hart zu mir. Ich liebe Sie. Sie lieben mich. Lassen Sie mich nicht leiden, bitte!»

«Also doch, geht ja!» Mit breitem Grinsen auf meinem Gesicht kehrte ich zurück zu ihr. Ohne auch nur eine Minute verstreichen zu lasen, griff ich ihr in den Schritt, in das weiche, feuchte Fleisch, teilte es mit meinen Fingern, die sich darin spreizten… und dann begann ich, sie an der Klit zu reiben und so mit beiden Händen zu stimulieren. Grob war ich, und doch, oder gerade deswegen war der Steigerungslauf ihrer Lust rasch auf dem Höhepunkt angekommen. Wie sie squirtete! Die herbe Flüssigkeit spitzte auf ihren Slip, ihre Jeans, Schuhe und an die Wand vor ihr, literweise! Sie schüttelten sie durch, die Wellen des Orgasmus, Elly zitterte am ganzen Leib; die Erlösung hatte sie in einer Heftigkeit erfasst, als hätten die Leitungen, an denen ihre Handgelenke befestigt waren, sie mit Millionen von Stromstössen überzogen. 

Zufrieden betrachtete ich mein Werk und liess sie zu Luft kommen. Dann kramte ich mein Taschenmesser aus meiner Jackentasche. «Komm, Elly» flüsterte ich übertrieben liebevoll in ihr Ohr, als ich die Kabelbinder durchschnitt, und ergänzte laut und in väterlichem Ton: «Mit diesem feuchten Höschen kannst Du unmöglich auf die Champs-Elysées. Stell Dir vor, wie Dein Herr sich schämen würde! Aber das Glück ist Dir hold: Da vorne wartet eine Metro, die bringt Dich zum Hotel.»

Ihr «Du-Mistkerl»-Blick war unbezahlbar.

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