Ellys Stiefel

«Wie findest Du sie?» fragte sie mich mit ihren wachen, neugierigen Augen, und streckte mir ihr linkes Bein hin. «Ich hab sie die ganze Woche getragen!» vermeldete sie stolz und richtete ihren Pupillen auf das schwarze Leder ihrer neuen Stiefel. Ich grinste zufrieden, aber schwieg; sie wusste haargenau von meiner Vorliebe, und es war für sie eine diebische Freude, mich damit zu triezen.

Sie legte ihren Mantel ab, ihre Mütze, und setzte sich auf den Stuhl neben dem Gestell, um ganz langsam und mit festem, frechem Blick zu mir den Reissverschluss zu öffnen – so graduell, dass man jedes einzelne Metallglied klicken hören konnte. In Zeitlupe, langsamer, als meine Mitte anschwoll, schälte sie ihr bestrumpftes Bein aus dem dunkelvioletten Inneren ihrer Neuerwerbung und gab den Blick frei auf die roten Zehennägel, die durch ihren Halterlosen durchschimmerten, und den Abdrücken ihres Fusses auf der Innensohle. Wie ich diesen Anblick liebte, der zusammen mit dem olfaktorischen Chef d’Oevre aus Leder, dem Duft ihres Parfüms und dem ihres Körpers eine unausweichlich pheromonische Wirkung in mir auslöste. Wie ein Bann der Faszination, der einen regungslos werden lässt.

«Süsser, pawlowscher Wau-wau! Kannst es wohl kaum erwarten!» lachte Elly wie man über einen kurz vor dem Verdurstenden tut, der das rettende Glas Wasser vor Aufregung verschüttet und nichts davon kosten kann. Sie wusste haargenau, wie sehr ich es hasste, wenn sie zur Selbstüberhöhung schritt, und wie unerträglich es zuweilen für mich war, in ihrem erotischen Gravitationsfeld zu schlingern, ich, der Dom, der sie stets unter Kontrolle haben wollte. Kontrolle, die ich sonst immer behielt. 

Naja. Fast. 

«Ach, armer Dom G., ausgeliefert seinem Fetisch.» neckte sie mich leise, als sie den zweiten Stiefel ebenso theatralisch, aber etwas schwungvoller auszog und ihn mir reichen wollte. Genug der Beleidigungen dieses Satansbratens! Was hatte sie sich nur gedacht damit? Nur knapp gelang es mir, meine cholerische Neigung, die meinen Sadismus anzustacheln begann, im Zaum halten. 

Ihr Plan durfte keinesfalls aufgehen, egal, wie er lautete.

«Bist Du sooo bedürftig?» beantwortete ich ihre Provokation kühl. Das Zeichen, das sie mit ihren kleinen und grösseren Aufmüpfigkeiten gab, es diente der Selbstvergewisserung und der Beruhigung ihres Stolzes. Der Wunsch, mir zu dienen und ihrer aufgestauten Lust freien Lauf zu lassen, war eine Qual für ihre von Scham gezeichnete, vornehm-konservative Erziehung. Sich völlig zu ergeben im Spiel, das war zwar, was sie wollte; aber sie wollte gleichzeitig die innere Bestätigung dafür, die Macht eben doch nicht ganz abgegeben zu haben.

«Nicht so, wie Du!» antwortete sie schnippisch. «Na dann, die Türe ist noch unverschlossen.» raunte ich gleichgültig und drehte ihr den Rücken zu, um mich ins Wohnzimmer zu begeben. 

«Sieh an, der grosse Herr kann es nur treiben, wenn ihm das Weib zu Füssen liegt und um Sex bettelt?» rief sie spottend hinter mir her. 

Doch ich reagierte nicht. Machtspiele? Nicht mit mir. Meine unter Verschluss gehaltene Wut, die sich mit dem urzeitlichen Trieb meines Wesens vermischte, strömte in meine Gliedmassen und fühlte sich in meinem Kopf an wie Fieber. Nach einigen Sekunden der Stille hörte ich, wie Elly die Stiefel wieder anzog. Wollte sie tatsächlich gehen?

Mein Blut rauschte durch die Ohren, der Fluss des roten Lebenssaftes klang wie ein Überdruckventil, das gerade angesprungen war. Ich rannte zurück zu ihr und überraschte Elly mit meiner heftigen Reaktion. Ich riss ihr den Mantel, den sie gerade im Begriff war, wieder anzuziehen, aus der Hand und warf ihn zu Boden, wie eine böse Giftschlange, die zu töten galt. Anschliessend zerrte ich sie aus dem Windfang in den Wohnbereich und drückte sie vor mir auf die Knie.

«Gehorche!» herrschte ich sie an. Doch Elly drehte weiter an der Spirale ihres Spiels. «Mein Herr, Sie haben mir doch gar keine Instruktionen geben?» antwortete sie mit der Mine des naiven Mädchens, das sie in keiner Sekunde je gewesen war. 

«Dein Schandmaul gehört gestopft!» Von unten griff ich ihr ans Kinn und drückte ihre Backen so stark, dass ihr Mund sich öffnete. Kurz darauf war mein Prügel in ihrem Rachen, und ich begann, heftig zuzustossen. Es war kein Vergnügen für sie, wenigstens kein offensichtliches. Bald kullerten Tränen ihre Wangen hinunter. «Ist es das, wonach es Dich denn so dürstet, Schlampe?» 

Dieses unvergleichliche Hochgefühl, diese scharfe Mischung aus Macht, Erregung und Genugtuung dehnte sich in mir aus. Zwei Minuten später spritzte ich ab, in ihrem Rachen, wobei sie sich heftig verschluckte. Das teuflische Lachen, welches ich in solchen Momenten nie unter Kontrolle bringe, es brach aus mir heraus. Elly hustete spuckte, ihr Gesicht lief rot an, der Tränenfluss steigerte sich. Nur langsam erholte sie sich.

Ein Häufchen Elend sass sie auf dem Parkett. Sie sah schon jetzt, nach diesen wenigen Minuten unseres Zusammentreffens, aus wie nach einer vierstündigen Behandlung. Mit brüchiger Stimme krächzte sie: «Hat der angebliche Herr bereits vergessen… », sie rang kurz nach Luft, «welche Vorrichtung des weiblichen Körpers für seinen weissen Schleim eigentlich gedacht ist?»

Scheisse, dachte ich. Das wird heute heftiger als geplant.

Fortsetzung folgt.

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