Switch Bitch

«Zeitenwende» dachte ich, als ich auf meinem Weg nach Hause dem Waldrand entlanglief und meinen Blick über die Stadt streifen liess, über deren Dächer zu wohnen ich das Privileg hatte. Was sich wohl in all den Häusern gerade abspielen mochte? Sicher nicht das, was mir soeben widerfahren war. «Ich glaube, es wird ganz viel auf tiefem Niveau rumgevögelt» war die Einschätzung eines guten Freundes von mir, und seine Erkenntnis ist bei mir haften geblieben wie alle Bonmots, die meinen kunterbunten Lebensweg pflastern. Doch für das heutige, überraschende Ereignis, dafür gab es keines.

Vereinbart war ein Treffen mit zwei weiblichen Wesen, vielmehr, echten Frauen mitsamt ihrer devoten Sehnsucht nach der Lava menschlicher Abgründe, einer Klaviatur in Moll, die ich ganz gut beherrschte. Eva, die reifere Sub meines Herzens, und Noëmi, die deutlich jüngere Flugbegleiterin, waren schon einige Zeit ein perfekt reguliertes Gesamtkunstwerk der schwarzen Erotik; schwarz in allen Farben.

Doch der Abend in unserem privaten Kerker verlief etwas unerwartet. Angefangen hatte es damit, dass Noëmi nicht mit den klassischen Stiefeln mit hohen Absätzen aufkreuzte, sondern mit Gothic-Style Thigh Highs. «Sündhaft teuer! Von Fernando!» unterstrich sie den Wunsch nach Aufmerksamkeit. Ich war überrascht, für diese zierliche Person war das einerseits ganz schön mutig, aber vor allem eines, und das mir gegenüber: Frech. Eva lachte verschmitzt, wusste sie doch um meine Vorliebe für das klassisch Weibliche. Lara Croft hatte für mich schon immer den Sex-Appeal eines verschwitzten Bauleiters.

«Mit diesem Leder kannst Du bei einem Gamer oder Nerd auftauchen, aber nicht mit mir!» massregelte ich sie, doch Noëmi lächelte nur süffisant; ihre Augenbrauen formten ihre Mimik in eine des überheblichen Mitleids, als wollte sie sagen «Ach, Du kleiner süsser, leicht reizbarer Dom.»

Unmöglich konnte ich das auf mir sitzen lassen, und das wusste sie nicht nur, es war Teil ihres Kalküls. Brat! Doch so einfach liess ich mich nicht zur Marionette ihrer Lust machen. Meine Gedanken begannen zu kreisen und sannen nach einer neuen Form von Rache; meine Retourkutsche musste unerwartet sein, durfte ihr der Provokation zugrunde liegendes Verlangen nicht bedienen. Und siehe da: Spontan erinnerte ich mich an eine für meine Zwecke dienliche Unterhaltung, die wir zu Dritt bei einem Glas Weisswein hatten, nach einer der ersten gemeinsamen Sessions.

Die Bedienung des kleinen Lokals mitten in der Zürcher Altstadt wollte uns unbedingt einen Sitzplatz zuweisen, doch wir blieben an einem Stehtisch und reduzierten, sehr zum Ärger des vorbeifliessenden Stroms an Ausgehenden, den Durchsatz dieser Gasse. Doch weder die Bar, noch die Passanten konnten wissen, warum Sitzen in diesem Moment keine Option war.

«Ein Switcher? Das wäre das Schlimmste! Nie könnte ich einem Dom dienen, würde ich ihn auch nur eine Sekunde vor einer Frau knien sehen; noch nicht mal den Müll rausbringend dürfte er. Geheiligt sei die männliche Dominanz!» 

Noëmis Äusserung war so laut, dass beinahe das ganze Niederdorf sie mitbekam. Mein «Pssst!» in der Absicht, die Situation etwas zu entschärfen, war allerdings fast so laut, was mir ein brüllendes Lachen von Eva eintrug. Mit um 69% der Dezibel reduzierten Lautstärke fuhr ich fort: «Was ist an Switchern denn so schlimm? Man hat das mit einer angeblich verstecken Devotion an mir mal in jungen Jahren ausprobiert und es bedurfte keines weiteren Beweises, dass meine Lust daran unter dem Gefrierpunkt liegt. Aber warum man jetzt jemandem deswegen die Männlichkeit absprechen würde, das will sich mir partout nicht erschliessen.»

Noëmi fühlte sich sichtlich provoziert: «Du hast ja keine Ahnung!» Indem sie temperamentvoll mit dem Fuss laut aufstampfte, wollte sie ihre Rechthaberei untermalen, was ihr jedoch gründlich misslang; gleich darauf verzog sie ihr Gesicht wie nach dem Biss in eine Zitrone, denn durch diese Aktion brachte sie gewisse Körperteile in Schwingung und damit die sprichwörtlichen Nachwehen der Session zuvor zurück in ihr Bewusstsein. Damit hatte sich die Diskussion auch irgendwie erledigt. Aber jetzt kam die Erinnerung gerade recht, liess mich den Plan schmieden, den ich dringend benötigte. Als sich alles in meinem Kopf perfekt zusammenfügt hatte, jubilierte ich innerlich. 

Nach dem traditionellen Gläschen Sekt zur Eröffnung unserer Session versanken wir sehr bald in einem wilden Geknutsche. Drei Zungenspitzen, die wirbelnd und nur vom Moment getrieben umeinander Werben, sechs Hände, deren variantenreichen Berührungen unsere Sinne in ein Nirvana katapultieren: Was für ein wohliges, intensives Erlebnis! Mit zunehmendem Genuss passierte automatisch das, was immer ab einem gewissen Punkt geschieht: Der Hebel wird umgelegt; der Hebel, der die dunkle Seite in mir weckt. Vergleichbar mit der Wirkung des Bisses in eine Chilischote, herrscht zunächst das würzige und lieblichem Aroma in perfekter Harmonie vor; doch urplötzlich breitet sich eine Schärfe, eine ungestüme Macht im Körper aus, einem unlöschbaren Feuer gleich, welches alles weibliche zu verschlingen droht, das sich in der Gefahrenzone aufhält. Das Zentrum für romantische Gefühle ist ausser Gefecht. Was dann folgt, sind eindringliche Ultimaten und Handgreiflichkeiten der dunkeldreisten Art.

Harte Szenen waren es, die folgten. Eva mit Zwangsjacke auf dem Boden, während meines Fistings durch den Mundschlitz ihrer Latexmaske die kauernde Noëmi an ihren klatschnassen, wohlduftenden Labien und der Perle leckend; ein Deepthroat-Reigen mit zwei auf Knien aufgereihten, darum bettelnden Subs vor mir – jede wollte die erste sein und neidete der anderen jede Träne, jedes Würgen; das Einreiben der Brüste von Noëmi mit einem Cocktail aus bunten Reissnägeln; Wachs, viel Wachs, auf beiden Körpern und dort den empfindsamsten Zentren der Lust; die sausende Gerte, deren enge Musterung auf Evas Arsch durch die späteren Spuren des Rohrstocks ergänzt wurden.

Beide litten sie auf wohlige Weise, die beiden Flittchen, lediglich unterbrochen durch kurze Einlagen ihrer Bi-Leidenschaft, um den Herrn noch etwas mehr zu triezen. Was für ein höchst exklusives Spektakel, eines, das wie seidenfeines Öl ganz tief in mich hinein floss und mir gab, was nichts und niemand sonst konnte.

Für Noëmis Auspeitschung hatte ich ihre Handgelenke an der Stange und dem Seilzug befestigt, der zur Decke führte und sie nur noch halb auf ihren Fussballen stehen liess. Nackt und frei für mich, bis auf ihr unflätiges Schuhwerk. Die Bullwhip tanzte auf ihrem Po, während Eva an Noëmis Nippeln zog und sie dabei intensiv küsste; die effektivste Schalldämpfung für die Laute ihres Lustschmerzes. 

Kurz vor dem Ende war der Moment gekommen, der Situation einen anderen Dreh zu geben und meine Boshaftigkeit auf ganz andere Weise zu zeigen. Die Instrumente zur Seite gelegt, begann ich das, was Noëmi bislang nie erlebt hatte, ja, etwas, was sie vielleicht sogar fürchtete: Rimming durch den Dom. Ich zerrte ihre Pobacken auseinander und versank tief in der Furche, dort, wo sie mich noch nie zuvor gespürt hatte. Oh, wie unpassend Noëmi das fand! In einem verzweifelten Akt, durch Zuckungen ihres Körpers, bemühte sie sich, sich zu befreien und zu wehren, aber aufgrund ihrer Hängeposition war das Unterfangen schlicht aussichtslos. Eva, die unterdessen auf einem Thron aus Samt und Goldornamenten Platz genommen hatte, beobachtete die angewiderten Gesichtsausdrücke von Noëmi mit diebischem Vergnügen. 

Ich führte das Spiel mit Noëmis Rosette noch einen Moment lang weiter, welches sie unfreiwillig mit Lauten der Ablehnung dekorierte. Doch das war noch nicht alles. Bald darauf widmete ich mich den Stiefeln von Eva. Sie kannte mich und sie konnte meine Absichten lesen wie kaum eine andere Sub vor ihr; entsprechend war die Rolle, die ihr zugedacht hatte, auch ohne Worte klar. Theatralisch sank ich vor ihrem Thron auf die Knie und begann, das glatte Leder zu küssen, immer schön im Blickfeld von Noëmi. Von Schaft bis Knöchel überzog ich die Objekte meiner Begierde, meines Fetisch, mit Zuneigung und Streicheleinheiten.

Der entsetzte Blick der Flugbegleiterin war schon da unbezahlbar, steigerte sich aber noch weiter in einen beinahe komatösen Zustand, als ich die beiden Reissverschlüsse langsam öffnete, um die Mixtur aus Leder- und Fussduft der angebeteten Sub zu inhalieren. «Du… Du…!!!» spie Noëmi wie eine Hexe auf dem Scheiterhaufen, währenddem ich innerlich meinen Triumph, meine Rache feierte. Dann liess die Stiefel fallen, küsste Eva leidenschaftlich lange und wandte mich danach Noëmi zu, mit ernstem Blick. 

«Du wolltest sagen, ich sei ein Switcher, richtig?» Sie, unfähig, irgendetwas Interpretierbares zu artikulieren, nickte leicht. Meine Ohrfeige folgte rasch und sass. «Die hier, die ist für Dein Denken in Schubladen.» Dann fasste ich in ihren nach wie vor nassen Schritt und bohrte zwei Finger tief sie hinein, so grob, dass sie aufmuckte. «Und das, meine Liebe, ist dafür, dass Du mich mit Deinen Combat Stiefeln provozieren wolltest.» 

Meine Reibung zwischen ihren Beinen war druckvoll und am Rande des Schmerzes. Doch die Vulva schmatzte laut, bis Noëmi, kurz vor ihrem Ziel, mit dem Squirten begann und wimmerte: «Darf ich…?» Doch exakt in diesem kurzen Moment, bevor sie wirklich kam, zog ich meine Hand aus ihr, verweigerte ihr den Höhepunkt und liess sie zurück, mit den Tropfen ihrer Flüssigkeiten auf ihren Beinen und sündhaft teuren Stiefeln. «Du darfst wieder kommen, wenn Du anständig gekleidet bist. Du weisst, was ich meine.»

Mit ausgestreckter Hand hob ich Eva aus ihrem Sessel und führte sie auf das bereitstehende Bett, gemacht für die innigste Liebe, die wir uns geben konnten; alles unter den Augen unserer neidischen, gedemütigten Gespielin. Leidenschaftlich, wie auf Mass füreinander erschaffen, verschmolzen unsere Körper in allen möglichen Positionen; geweitet war sie, bereit, gefiel sich in der Rolle der begehrten Frau, die dem jungen Ding zeigen kann, wie sehr sie geliebt wird. Offen wie eine ausgebreitete Landkarte, deren Verläufe und Sehenswürdigkeiten ich schon so gut kannte, genoss ich die kostbaren Minuten. Tief in ihren Augen versank ich, tief in ihr versenkte ich, was ich ihr geben konnte.

Ohne Zweifel, es war ein Frust für Noëmi, eine Form des Sadismus, mit der sie nicht gerechnet hatte. Und gleichzeitig empfand sie eine tiefe Befriedigung, weil sie genau das, diese schlechte Behandlung brauchte. Und, wie sich bald herausstellte, noch mehr. Es machte sie glücklich – viel glücklicher, als sie sich gegenüber je hätte zugeben wollen. Doch zwei Stunden später, geduscht, wieder hergerichtet und bereit für den Abschied, verriet sie es, schüchtern und schamerfüllt: «Würdest Du das mit Stiefeln auch bei mir mal tun…? Und das Rimming auch nochmals? Ich fand es irgendwie… geil.» 

«Aber ja, Herrin! Fickst Du mich dann auch in meinen Dom-Arsch, kleine Switch Bitch?» antwortete ich mit ironischem Unterton, gefolgt von einer Lachsalve, der zuerst Eva, am Ende aber auch Noëmi einstimmte.

Der Wald lag hinter mir, bald war ich Zuhause und schloss meine Gedanken. Nein, Switcher, das bin ich definitiv nicht. Aber die Möglichkeit, mit den Klischees und Schubladen zu spielen, Fetische und Vorlieben von ausserhalb mit einzubauen, die war nun eröffnet.

Zeitenwende. Auf einmal war der Setzkasten der Möglichkeiten um viele Elemente reicher.

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