3. Champs-Elysées

Im Badezimmer, wo Elly sich von der schmutzigen Episode tief im Metrotunnel zu reinigen begann, dehnte sich der Dampf des heissen Wassers aus und tauchte den Luxus unseres Refugiums in eine noch traumhaftere Bildsprache. Das Faszinosum dieses unwiderstehlichen, weiblichen Körpers mit seinen sanften Rundungen und den weichen, beinahe schwerelosen Bewegungen ihrer Hände – diese Komposition hatte die Macht, mich nur noch empfinden zu lassen. Kein Gedanke strömte mehr durch meine Hirnwindungen, beinahe wie bei einem Orgasmus, nur nicht so stürmisch. In einem schwer definierbaren, abwesenden Halbzustand hing ich im Sessel. Ich war aufgegangen in einer Symbiose zwischen Tagtraum und Realität, bis ich realisierte, dass Elly schon an der Hotelzimmertüre stand und mich fragend ansah. «Wollen wir nicht gehen?»

Die Zeit kehrte zurück, aber die sinnliche Wahrnehmung der frisch geduschten Elly fand ich so bezaubernd, dass ich eigentlich lieber über sie hergefallen wäre, als die langweiligen Champs-Elysées rauf- und runterzulaufen. Aber wir konnten ja nicht dauernd Sex haben, auch wenn die gemeinsame Zeit, jede Sekunde, kostbarer als alle Diamanten der Welt war. Ich tröstete mich damit, dass das nächste Ereignis, von dem Elly natürlich nichts ahnte, unsere Zeit in der Stadt der Liebe bombastischer krönen würde als alles bisher Dagewesene.

Wir hatten noch nie gemeinsam eine Shopping-Tour unternommen, wobei wir auch gar nichts erwarben ausser diebischem Vergnügen durch allerlei Neckereien, lachend wie Teenager, verspielt wie Kinder, und verliebt wie ein Paar auf Hochzeitsreise. Nach dem Besuch der Galeries Lafayette genossen wir ein Mittagessen in der Sonne und nahmen anschliessend ein Taxi zum Tour Koechlin, wie ich den Eiffelturm korrekterweise nenne. Zu dessen Füssen genossen wir einen Café Crème und mit ein paar Schritten durch den Champ de Mars Arm in Arm rundeten den Nachmittag ab, so vertraut und innig, als wären wir gar nicht in dieser speziellen Konstellation, schon gar nicht in einer von Dominanz und Submission. Nur einmal, als wir Spaziergänger mit Vierbeinern kreuzten, unterbrach ich die blumige Romantik: «Hundeleine ist was für Anfänger!» spottete ich. Wir lachten herzhaft über dieses kleine Aufblitzen der dunklen Magie, die uns mehr verband als es die stärkste Stahlkette je könnte. 

Wenig später fanden wir uns etwas erschöpft wieder im Hotel und tankten in der üppigen Gemütlichkeit unserer Suite Kraft für das Abendprogramm, für welches ich wieder eine wunderbare, diesmal nachtschwarze Abendrobe bestellt hatte. Sie passte perfekt. 

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