4.2 Orchestre des perversions

Die Männer des kleinen Orchesters waren, was nicht minder ungewöhnlich erschien, in Lederchaps und Lederhandschuhen gekleidet, die muskulösen und im Licht glänzenden Oberkörper frei. Das Haupt der Musiker war entweder komplett kahlgeschoren oder von mindestens schulterlangen Haaren bedeckt – etwas dazwischen gab es nicht. Wie eigenartig!

Elly beäugte die Herren ausgiebig und mit grossem Erstaunen, denn diese Lederkluft verband sie klischeehaft mit Gay-Clubs. Im Gegensatz zu nackten Schönheiten, die man mit Klassik in Verbindung bringen konnte, war dies sicher nicht die erwartete Kleidung für einen Abend einer gehobenen Gesellschaft, noch dazu an einem solch gediegenen Ort. Meine neugierige und trotzdem immer wieder dem Konservativen anheimfallende Sub schien dieser speziellen Erotik allerdings zu erliegen. Auch die Sklavinnen musterte sie genau. Ob sie Gefahr sah für sich, mit dieser vielfältigen, nackten und jungen Konkurrenz in Pumps, wo sie doch mich und meine Vorlieben so gut kannte? Triggerte sie der Anblick ihre Bi-Ader? Oder hätte sie sich gerne den Männern hingegeben? Die Musik drang gar nicht richtig zu mir durch, so sehr beschäftigten mich die Gedanken an das, was in Elly wohl gerade vor sich ging.

Mitten in den letzten Takten des Adagio, völlig unerwartet, legte ein Cellist sein Instrument zur Seite und erhob sich vom Stuhl. Flink tauschte er den Bogen gegen eine leuchtend rote Single Tail, die mir bislang verborgen geblieben war. Mit ihr, fest im Griff seiner Lederhand, begab er sich federnden Schrittes zu derjenigen Geigerin, die dem Bühnenrand am nächsten sass, und legte seine andere Hand auf ihre nackte Schulter. Dieses Zeichen war offenbar der vereinbarte Befehl, ebenfalls mit dem Musizieren aufzuhören. Geige und Bogen legte sie weg, erhob sich ebenfalls und schob ihren Stuhl zur Seite, soweit es ihr mit ihrem eingeschränkten Aktionsradius möglich war. Wie eine mechanische Puppe hielt sie anschliessend ihre Hände hinter ihrem Kopf und gab ihren Körper frei. Frei, für was immer nun folgen würde. 

Es begann, was zu erwarten war, und doch reichlich bizarr wirkte: Zu den treibenden, fordernden, virtuosen Tonleitern, Akkordbrechungen und Tonrepetitionen des Presto erfolgte die Auspeitschung der Geigerin, die sich unter den zahlreichen Züchtigungen windete, bedrohlich wankte, aber nicht fiel. Innert kürzester Zeit verzierten rote Striemen den zuvor makellosen, weiblichen Körper der jungen Sklavin. Doch das reichte dem Sadisten offenbar nicht: Als der Sommer durch war, hörte das Orchester zwar auf zu spielen, aber er liess nicht vor ihr ab. Wie im Rausch liess er das Opfer Hieb um Hieb, mehr und mehr, leiden. Das Knallen der Peitsche, das Stöhnen, das Wimmern und Klagen der Geigerin, jetzt nicht mehr von der Musik überdeckt, übernahm nun die akustische Vorherrschaft im Raum. 

Elly war fasziniert, und entgegen meiner Befürchtung, dass sie die Handlungen vielleicht als zu heftig betrachten würde, legte sie ihre Hand auf mein Gemächt, welches angesichts der speziellen Erotik vor uns bereits angeschwollen war. 

Erst einige Minuten später endete die Auspeitschung. Das Cello befahl die Geige durch weiteres Antippen der Schulter auf die Knie und öffnete den Lederverschluss des Chaps, um seinem erst halb erigierten Glied Freiheit zu gewähren. Die Geigerin begann zu blasen, mit einem durch die hervorragende Akustik des Raumes begünstigt lauten Schmatzen. Welch Ironie, fand ich; bestimmt hätten die beiden sogar die Musik übertönt. Irgendetwas schien aber nicht ganz zu funktionieren in diesem Spiel. Die erwartete Steigerung seiner Lust konnte die Geigerin nicht erzeugen. War sie dermassen unerfahren?

Dann geschah etwas, womit wohl niemand gerechnet hatte. Ein zweiter Cellist legte sein Instrument zur Seite, verliess ebenfalls seinen Platz und stellte sich hinter den ersten Musiker, der von der jungen Geigerin noch immer verzweifelt oral bearbeitet wurde, ohne jegliche Erfolgsaussicht. Der zweite Mann öffnete ebenfalls seine Hose, befreite den Arsch des Sadisten vor ihm, spuckte in die Hände, speichelte seinen Schwanz ein und fing an, den Anus vor ihm zu penetrieren. Der erste Cellist genoss das Gefühl offenbar, denn er liess umgehend seine Peitsche zu Boden fallen. Er versank im Fluss der Wonne der doppelten Behandlung, was dazu führte, dass auch die Bemühungen der Geigerin endlich von Erfolg gekrönt wurden; die unüberhörbaren Laute verrieten, dass er hart genug geworden war, um mit dem Deepthroating zu beginnen.

So ein junges Ding, so ein riesiges Teil, so tief im Hals. Ich war fasziniert. 

Das beinahe synchrone Männergestöhne zeugte schliesslich davon, wie die beiden Männer fast gleichzeitig kamen – in den jeweiligen Öffnungen der Person vor ihnen. Elly begann zu verstehen, welche Demütigung der Geigerin gerade zuteilwurde. Die Erektion, das Sperma… alles nur dank eines zweiten Mannes und nicht, weil sie ihre Aufgabe gut gemeistert hätte. Ausgepeitscht, ihr Mund zu einem Auffangbehältnis für schwules Sperma degradiert: So kniete sie mit halb gesenktem Kopf, Tränen in ihren Augen, und das vor allen Leuten, die im Bann des Ganzen mucksmäuschenstill geblieben waren. 

«Fast wie in Venedig!» flüsterte ich zu Elly, deren Brustkorb, wie ich nun feststellte, sich heftig auf und ab bewegte. Doch nicht nur das: Erregt vom Anblick der Demütigung und körperlicher Misshandlung einer fremden Frau in aller Öffentlichkeit hatte sie inzwischen ihre andere Hand in ihren Schritt gelegt und sich zu reiben begonnen. 

Was zum Teufel…? 

Das war definitiv zu viel der Eigenmächtigkeit! Nachdem ich das Legen ihrer rechten Hand auf meine Mitte kulanterweise noch toleriert hatte, brach nun mein Ärger über die sich anbahnende Selbstbefriedigung wie eine plötzliche Eruption aus mir heraus. «Unartiges Miststück! Es ist unnötig zu erwähnen, dass eine solche Handlung meiner Erlaubnis bedarf. Und diese hast Du weder erhalten, noch wirst Du das!» 

Elly grinste frech, nicht im Ansatz schuldbewusst, sondern sich im emanzipierten Recht wähnend, und trieb damit eine Eskalation an, die sich wie Vivaldis Sommergewitter zusammenbraute. Immer mehr rieb sie sich, schaute mir dabei tief in die Augen und drehte damit an der Spirale eines ausgewachsenen Tornados, dessen Stärke und Ende sie unmöglich abschätzen konnte. Sie fühlte sich definitiv zu sicher. 

Genug!

Unvermittelt und in einer Hektik, als wäre ich von einer Tarantel gestochen, zuckte ich auf, riss Elly aus ihrem Stuhl und zerrte sie so heftig hinter mir her, dass sie sogleich einen ihrer Pumps verlor. Aber das war mir egal. Sollte sie doch hinken und dadurch gleich büssen für ihre Frechheit. Meine Destination: Die Bühne. 

Das Raunen, die auf uns gezogene Aufmerksamkeit der anderen – irgendwie isolierte mich mein Adrenalin davon, in diesem Augenblick war mir die Zuschauerschaft schlicht scheissegal. Oben angekommen, schräg mit einem Schuh auf der Bühne, stand Elly der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Meine cholerische Spitze, die umgehende Reaktion – sie waren meine schärfsten Waffen, um sie in ihren immer wiederkehrenden Brat-Momenten unverzüglich gefügig zu machen. 

Ausser mir vor lauter Hormonschüben pochte mein Herz wie wild. Und doch begann ich auf einmal zu realisieren, dass ich ja genau so im Scheinwerferlicht stand wie meine Sub. Heilige Kacke, wie sehr ich die 100 Augenpaare, die gerade auf uns gerichtet waren, verwünschte! Denn was nun folgte, war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen, beileibe nicht, sondern erst für die Zeit nach dem Fallen des Vorhangs. Doch meine innere Stimme, die übergeordnete Führung in mir sagte mir, dass genau jetzt, genau hier der Moment gekommen war, eine neue Phase unserer Erotik einzuleiten. Ein Moment, mit scharfen Dornen versehen, in Form der Öffentlichkeit, die nun Zeuge davon werden sollte. 

Der Schalter in mir war umgelegt – ab sofort war ich nicht mehr der romantische Liebhaber, den ich den ganzen Nachmittag lang gemimt hatte. Jetzt war ich zu elfundneunzig Prozent Dom.


Das erste Buch von Elly und Dom G. ist noch immer erhältlich!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s