4.6 Ecurie de chevaux

Natascha schien mein sichtliches Gefühlschaos zu belustigen. «Sie sehen aus, als hätten Sie gerade ein Gespenst gesehen. Oder den Fürsten?» Sie lachte. «Vielleicht können wir nach dem Hauptgang dafür sorgen, dass sie wieder etwas mehr Farbe ins Gesicht bekommen. Aber natürlich nur, wenn Sie wollen?» 
 
Elly würdigte mich keines Blickes. Hatte sie mich überhaupt gesehen? Natürlich, sie musste mich gesehen haben. Aber sie war rein auf ihr Gegenüber fixiert, als drehe sich ihr Universum nur um ihn. Na warte, dachte ich. Das kann ich auch!

«Natascha, ich habe noch keine Kenntnis darüber, welche farblichen und anderweitigen Verzierungen Sie denn schon aus dunkelbunten Begegnungen in ihrem Leben davongetragen haben. Ihre Schilderung darüber trägt bestimmt zu meiner Entscheidungsfindung bei!»

Trotzig und mit grösster mentaler Anstrengung hatte ich mich aus dem Sumpf der äusserst unangenehmen Gefühle befreit und hoffte, dass dieser Versuch, wieder Oberwasser zu kriegen, von Erfolg gekrönt sein würde. Natascha aber lehnte sich zurück. Die Hauptspeise wurde gerade serviert und das Glas mit dem edlen Syrah nachgefüllt. «Sie interessiert also die Vergangenheit der devoten Frauen, die Sie treffen? Sie enttäuschen mich. Souveränität würde elegant darüber hinwegsehen und Dominanz wäre selbstbewusst genug, die Zukunft zu formen.»

«Wissen Sie, Natascha, mein Interesse gilt stets der ganzen Person, wenn ich mich tiefer – und das ist durchaus körperlich zu verstehen – mit ihr einlasse. Frechheiten können dabei bis zu einem gewissen Mass durchaus eine scharfe Note erzeugen, doch die Gefahr, dass die Situation kippt und der Herr sein Interesse verliert, ist nicht unbedeutend.»

Verflixt nochmal, diese Frau war attraktiv, aber ich konnte unmöglich mit ihr in einen dieser geheimnisvollen Räume, es konnte, nein, es durfte gar nicht weiter gehen als hier, jetzt, dieses Abendessen. Ich wollte Elly, und meine Eifersucht stach unentwegt zahllose Voodoo-Nadeln in meinen Körper.

«Sie haben jemandem im Herzen, der sie nicht loslässt. Eine Frau in Reitermontur, sie sitzt drei Tische weiter. Erliegen Sie nicht der Illusion, mir sei dies verborgen geblieben.» Natascha nahm den letzten Bissen des ausgezeichneten Hauptganges und verspeiste ihn genüsslich. «Ich bin keine Frau, die von Eifersucht geplagt wird. Aber Sie müssen Klarheit schaffen darüber, was sie wirklich wollen. Hier meine Karte.» Sie legte eine weisse Visitenkarte mit nichts ausser einer Handy-Nummer darauf auf den Tisch, tupfte mit der Serviette ihren Mund ab, erhob sich vom Tisch und verliess grusslos und ohne mich nochmals eines Blickes zu würdigen den Saal. 

Was für eine Schmach! Sie liess mich zurück, und ich war die einzige Person weit und breit, der nun niemand gegenübersass. Das Adrenalin sprudelte erneut, gefühlt literweise. «Ruhig Blut, haste nicht», sagte ich mir, verliess den Tisch ebenfalls und steuerte zu Elly. Ohne Begrüssung nahm ich ihre Hand, zog sie vom Tisch hoch. «Wir zwei haben dringend etwas zu besprechen. Und in Deiner Aufmachung weiss ich auch schon, wo wir das tun werden.»

Fast wie im Konzertsaal, zerrte ich Elly hinter mir her – nur, dass die Aufmerksamkeit diesmal nicht auf uns lag; die anderen Paare waren alle in ihren eigenen Gesprächen vertieft. Der Pferdestall, die «Ecurie de chevaux», war die offensichtliche Destination, auch wenn nichts Genaues über diesen Ort wusste. Schicksal oder vom Fürsten als intrigantes Spiel ausgeheckt war mir egal, und so stiessen wir die Türe auf. Ein angenehm kühler Luftstoss strömte uns entgegen und das unvergleichliche Duftgemisch von Stroh und Pferden drang in unsere Nasen.

Eine riesige, hohe Halle lag vor uns; etwas erhöht blickten wir auf mindestens 40 Pferdeboxen, einige mit Pferden drin, einige, so schien es, leer. Wir nahmen die paar Stufen nach unten. 

Die meisten Abteile, die frei waren, hatten offensichtlich einen ganz eigenen Zweck: Sie dienten, wie die gekachelten Räume aus dem Halbrund vor dem Abendessen, der Ausübung sexueller Praktiken devianter Art. Stroh am Boden, Schränke an der Wand und zahllose Möglichkeiten, nicht tierische, sondern menschliche Lebewesen mit Leder oder Ketten zu befestigen. Peitschen unterschiedlicher Längen, Gerten, Sporen, Zaumzeug mit Trense. Von der hohen Decke hingen jeweils lange Ledergurte mit einer Stange zur Fesselung dran. Alles war bereit… und offenbar in regem Gebrauch: Der Hall von Peitschenknallen und leisem Wimmern klang aus unterschiedlichen Richtungen, vermischt mit dem Klang von Hufen und vereinzeltem Wiehern. 

Was für ein Paradies!

Ich steuerte in eine freie Box. Als Elly meine Absicht bemerkte, holte sie tief Luft, um endlich ihre aufgestaute Empörung loszuwerden: «Was zum Teufel fällt Dir ein? Du ziehst mich weg aus diesem Date, und denkst, Du könntest mich hier einfach so misshandeln?» Ihre Tirade interessierte mich aber nicht die Bohne, woraufhin sie sich körperlich zu wehren begann. «Du Arschloch!», rief sie dabei laut. Doch es war zu viel passiert, zu viel aufgestaut, zu viel Energie in mir, die rausmusste. Jetzt. Ihre kleinen Boxschläge in meine Brust spürte ich nicht mal, so sehr war ich beseelt von meiner klaren Vision, die sich in mir wie automatisch mit immer mehr Details ausschmückte.

Dieses verdammte Weib sollte Rechenschaft ablegen, sollte büssen, und ihrem Versprechen, mich glücklich zu machen, so nachkommen wie noch nie. Nach einem kleinen Ringen hatte ich ihre Hände an der Stange über ihr festgezurrt und zog die Arme am langen Seilzug über die Rolle an der Decke hoch. Mit ihren Beinen unternahm sie letzte, verzweifelte Versuche, nach mir zu treten. Vergeblich.

«So süss, wie Du aussiehst, wenn Du wütend bist», provozierte ich sie, trunken von meinem Triumph. Sie spuckte in meine Richtung, was ihr umgehend eine heftige Ohrfeige einbrachte. «Na, na, na. Gleich so? Dabei interessiert es mich doch brennend, was Du beim Fürsten, oder müssen wir sagen, mit dem Fürsten getan hast? Und wer dieser geleckte Schnösel ist, mit dem Du Dich wie eine läufige Promenadenmischung eingelassen hast!» Elly schnaubte laut wie ein Pferd, was für ein amüsanter Gedanke in diesem Setting! «Ach, und ich habe kein Recht, zu erfahren, wer die blonde Frau war, die Dich so intensiv vereinnahmt hat, dass Du mir nicht den Bruchteil einer Sekunde Aufmerksamkeit geschenkt hast?»

Ich hielt sie mit einem stechenden, energiegeladenen Blick gefangen, um mich ihr langsam und gefahrlos nähern zu können. Dann packte ich ihre Hosen, öffnete sie und riss sie bis zu den Stiefeln runter. Der Slip folgte gleich darauf. So weit waren wir noch nie gegangen; der Ritt auf der Rasierklinge war lanciert. 

«Woher hast Du diese Kleidung? Antworte!»
            «Der Fürst war so freundlich, gegen gewisse Fälligkeiten, mich neu einzukleiden.»

Die Auswahl an Züchtigungswerkzeug an der Wand war ansehnlich. Nach ausgiebigem Mustern nahm ich schliesslich eine Gerte. Mit lautem Zischen liess ich sie auf Ellys Po niedersausen. «Details! Ich will Details!» herrschte ich sie an.

«Ich hatte Stillschweigen zugesichert.», antwortete sie mit gedrückter Stimme. «Du weisst doch, das ist Regel des Hauses!» 

Die Gerte hinterliess ein zweites Zeugnis der Qual auf ihrem Po; das Gewebe gab unter dem Schlag nach. Das dumpfe Geräusch, das einen leichten Hall provozierte, liess mich in meinem Element fühlen; eine tief empfundene Zufriedenheit der Seele. Ellys Gesicht zeigte die wunderschön fürchterliche Fratze intensiven Schmerzempfindens. «Wie verdient!», freute ich mich, und wiederholte meine Frage. Doch diese Brat schwieg eisern. Wie damals, als sie das Geheimnis über die Existenz von Valeska, der lesbischen Freundin, für sich behielt, bis diese personifizierte Eifersucht unsere Beziehung fast zum Einsturz brachte. 

Mit jedem zusätzlichen Hieb dämmerte es mir mehr, dass Elly, egal wie weit ich ginge, nicht sprechen würde; sie nahm die Bestrafung dafür an, doch natürlich war es nicht nur das: Sie hatte die Intensität meiner Handlungen immer mehr herausgefordert, ich hatte sie laufend gesteigert, seit wir uns kannten. Die verräterische, glitzernde Spur ihrer Lust jedenfalls, die sich in Form eines Fadens von ihrer Pussy in den runtergezogenen Slip hinein verlängerte, sie spornte mich zusätzlich an und liess mich immer enthemmter werden, bis ich mich schliesslich in einen veritablen Rausch gespielt hatte. 

Wie viele Schläge waren es, bevor ich merkte, wie Elly abhob? Unzählige mussten es gewesen sein! Und dann, als wäre die Ziellinie eines Marathons überschritten worden, versagten auf einmal sämtliche von Ellys Muskeln ihren Dienst. Wie ein nasser Sack hing sie an der Stange, reduziert zu einem in sich gekehrten Fühlwesen, nicht mehr ansprechbar, der Welt entrückt und überströmt von Tränen, deren letzter Nachschub aus ihren geschlossenen Augen drückte und über ihren wunderschönen Körper benetzte. Wie ein Kunstwerk betete ich innerlich an, was ich geschaffen hatte, und empfand nichts als Liebe für Elly. Mit meinem ganzen Körper umfasste ich sich sie, stellte sie, als sie stark genug dafür war, wieder auf ihre Beine und liess sie langsam ankommen. «Sssschhh… ich bin da!»

Nach langen Minuten begannen wir, die Welt um uns wieder wahrzunehmen. Darunter war auch ein Hufklappern, das näher kam. Elly und ich hielten unsere Blicke auf den breiten Mittelgang gerichtet und warteten neugierig, welch edles Pferd wohl vorbeikommen würde. Und siehe da, es war ein wunderschön glänzender Araber, und er hielt genau vor unserer Box. Auf ihm sass, ohne Sattel und nur mit Zaumzeug in der Hand, eine blond gelockte Frau mit Cowboy-Hut. Sie war bis auf diesen und schwarze Lack-Stiefeletten nackt.

Ich erkannte diese Schuhe sofort. Natascha!


Das Buch von Elly ist gedruckt Stand heute, 31. Juli 2022, noch in 11 Exemplaren verfügbar, oder als E-Book. Hier gibt es alle relevanten Informationen

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