Unter ihrer süssen Nasenspitze lag es, dieses warme Lächeln, das zu ihren Augen passte. Ein Strassencafé. Dezember. Kalt. Aber diese Augen!
Was ich denn gerne zu trinken hätte, fragte sie mich.
Ausgerechnet! Dabei war ich doch schon fast ertrunken, in ihren Augen, von heller Kaleidoskop-Farbe wie Seifenblasen, wach und begierig. Oder war die Begierde, die ich in ihr sah, nur ein Interpretationsstreich meiner ungestillten Libido? Ein Strudel hatte mich im Nu erfasst. Einer von der Sorte, dass man nicht mehr um Hilfe rufen kann, geschweige denn eine Bestellung für ein Getränk aufgeben, so stark war der Sog.
Ein Getränk, dämmerte es mir, sie hatte mich nach meinen Wunsch gefragt, aber ich war unfähig, zu antworten. Wie könnte denn ein Ertrinkender an sowas denken, empörte ich mich.
Bruchteile von Sekunden hatten gereicht, um sie, dieses zauberhafte Wesen, einzusetzen wie das zentrale eine Puzzle-Teil meiner Gedankenwelt, wo ich sie sehe, wo alles auf sie wartet, nur auf sie. Sie, nach dem Genuss des Getränks, einem Sekt, der ihr die Nervosität genommen hat von der Schärfe, der Strenge, des Maliziösen, das auf sie – sorgsam gesichert – wartet. Ich, nüchtern und doch trunken vor Liebe, hinter ihr, ja, ich hole aus…
Was ich trinken möchte? insistierte sie. „Sie“, hätte ich fast geantwortet, doch ich dachte an die Nüchternheit, die es erforderte, um Contenance zu wahren. Mit äusserster Kraftanstrengung war es mir gerade noch gelungen, mich aus dem Wirbel soweit zu befreien, dass ich mein Augenmerk auf ihr Namenstäfelchen richten konnte. „Eine Cola Zero bitte, Gianna!“ antwortete ich, halblaut. Sie notierte, schaute durch die Pupillen im Zentrum ihrer gefährlichen, hellen Kugeln nochmals in mich hinein. Wie sie mich nackt machte, mit ihrer Frage, oder ihrem Blick, oder beidem – trotz der vielen Lagen von Textil, die ich gerade trug, an diesem eiskalten Tag, draussen. Aber ich spürte nur die Hitze einer Glut, die erst seit zwei Sekunden einen Namen hatte.
Doch dann machte sie kehrt, wandte sich ab von mir. Bringen, das wusste ich, würde meine Bestellung jemand anders. Sie liess mich zurück, in einem Zauber, so zerbrechlich wie eine Seifenblase. Und genau so faszinierend.
Die Musik verstummte abrupt. Leons Stimme drang in Lindas Ohren. „Nimm eins der Spielzeuge aus der Vakuumverpackung und zeig mir, wie scharf du bist. Scharf auf mich. Scharf auf Benutzung.“
Allein das Wort „Benutzung“ hatte diese Kraft, diese Magie, die in ihr diese tiefe Sehnsucht auslöste, die alles überstrahlte. Blind ging sie in die Hocke, die Ketten rasselten, aber sie waren gerade noch lang genug, dass sie die Sextoys ertasten und die Verpackung aufreissen konnte. «Mist», dachte sie, sie hatte deren Grössen und Formen der gar nicht taxiert, bevor sie die Augenbinde umlegen musste. Jetzt erst realisierte sie ihre Dimensionen.
«Der grosse Dildo ist angemessen!», legte Leon ihr mit dieser leicht arroganten, aber so elektrisierenden Stimme nahe. Sie tappte danach und fand ihn. Was für ein Monster! Vorsichtig setzte sie an ihre Muschi an. «Wie lange willst du uns noch warten lassen?»
Uns! Für einen kurzen Moment lief Gänsehaut über ihren Rücken, ein kurzer Reflex der Vernunft, die sie schon verloren geglaubt hatte. Aber, so überlegte sie kurz, war es nicht auch die Vernunft, die erkannt hatte, dass ihr gar keine Wahl blieb? Dass sie sich freiwillig in diese Situation gebracht hatte und ihr ganzer Zustand nichts anderes signalisierte als ein «Ja, Ja, Jaaa!»?
Mit erstaunlicher Leichtigkeit glitt das Silikon in sie. Statt „klatschnass“ nannte Leon diesen Zustand, für den sie sich noch immer regelmässig schämte, jeweils scherzhaft „Matschu Pitschu“. Mit jedem Millimeter zusätzlicher Tiefe wurden ihre Scheidenwände auf zunehmende, fast schmerzhafte Weise gedehnt. Wie sehr sie das genoss!
«3 Minuten 52 bis zu deinem ersten Orgasmus. Das ist die Vorgabe.» Kaum hatte sie diese Anweisung innerlich verarbeitet, erklang «She Bob» von Cyndi Lauper in ihren Ohrhörern, der Masturbations-Skandalsong aus de 80ern. So ein Frechdachs, dachte sich Linda, aber sie wollte ihren Herrn keinesfalls enttäuschen: Mit langsamem Rein-Raus-Bewegungen liess sie die Show, die von Leon verlangt worden war, beginnen. Dabei bemühte sie sich sogar, ihr Becken nach vorne zu drücken, um ihm, Leon, all das zu zeigen, was ihn interessierte. Was ihn hoffentlich erregte.
Immer geschmeidiger bewegte sich das Toy in ihr. Durch den glücklichen Umstand, dass die Ketten sie nicht so sehr einschränkten, konnte sie sich gleichzeitig an ihrer Klit zu schaffen machen. Von einem aufkommenden Flow geriet sie immer weiter in einen Tunnel aus Empfindungen. Wie geil! Die erste Minute war schnell vorbei, aber es würde für sie ein Leichtes sein, das Ziel zu erreichen.
Doch dann passierte es: Der Bauaufzug, in dem sie immer noch stand, setzte sich in plötzlich in Bewegung. Nach unten. Panisch griff Linda nach einem Seitengitter, um ihren Halt nicht zu verlieren. Der Dildo flutschte aus ihr heraus, sein Aufprall auf dem Gitterboden verursachte ein lautes Scheppern, was sie zusätzlich erschreckte. Was hatte Leon vor? Kurz darauf, vielleicht, höchstens zwei Stockwerke tiefer, stoppte der Bauaufzug wieder.
Wie lange dauerte das Lied noch? Verdammt, es läuft schon der Mittelteil! dachte sie. Sie ging wieder in die Hocke, um nach dem verlorenen Dildo zu tasten, aber bevor sie ihn greifen konnte, wurde sie von jemandem – oder waren es zwei Personen? – unter ihren Achseln hochgezogen. Wer zum Teufel war das? Sie traute sich nicht, nach diesen Händen zu greifen. Dann geschah das Gegenteil: Linda begrapscht. Vier Hände! Mindestens! An den Brüsten, am Hals, an den Schenkeln, am Rücken, überall – nur nicht ihrer Scham. Die wurde gekonnt ausgelassen.
Das Lied näherte sich seinem Ende. Keine Zeit zum Nachdenken, hektisch griff sie sich in den Schritt und spielte an ihrem Unterleib, um doch noch irgendwie das Ziel zu erreichen. Die fremden Hände liessen sofort ab von ihr.
Verflucht, diese Unterbrechung hatte wertvolle Zeit gekostet! Mit der Verve ihrer Lust stimulierte sie sich selbst, so heftig, wie sie es allein sonst nie tun würde. Aber kurz vor dem Orgasmus fühlte sie sich wie in einer innerlichen Endlosschleife gefangen, die sie einfach nicht zum Höhepunkt kommen liess. Ihr Körper verweigerte ihr das Überwinden der letzten Hürde, das Abdriften in die rauschenden Wellen des Höhepunkts.
Das Lied war zu Ende.
Linda liess ihre Arme hängen. War überhaupt noch jemand da? Ohne Augen und Ohren, enttäuscht über ihr Versagen, fühlte sie sich nutzlos und verloren. War sie allein? Oder stand sie vor einer Gruppe von unbekannten Menschen, die sie gar höhnisch betrachteten?
«Leon!», rief sie laut in ihrer Aussichtslosigkeit. Aber nichts geschah.
Eine Ewigkeit verging. Irgendwie hatte sie nun auch das Zeitgefühl verlassen, Linda fühlte sich zu einem verlassenen Nervenbündel degradiert, ein entführtes kleines Mädchen, das sich nach ihrem Papa sehnte. «Leon!!!», schrie sie wieder.
Plötzlich wurden ihre Fesseln von jemandem gelöst und mit einem kräftigen Ruck ihr ihre Stiefeletten von den Füssen gerissen. Nun stand sie völlig nackt auf diesem pieksenden Gitter. Endlich, Leons nächste Anweisung: «Reintreten, immer geradeaus!» Unsicher, die Arme voran und in kleinen Schritten, um nicht versehentlich gegen ein Hindernis zu stossen, verliess sie den Bauaufzug und spürte bald den kalten, mit kleinen Kieselsteinen und sonstigem Bauschmutz bedeckten Betonboden.
«Stopp!» Kaum war das Wort in ihrem Ohr verhallt, nahm ihr jemand die Ohrhörer ab. Jetzt hörte sie zum ersten Mal die Geräusche der Stadt aus der Ferne und dann… ein Stimmengewirr, in ihrer unmittelbaren Nähe. Es umgab sie förmlich. Männerstimmen. Frauenstimmen. Gelächter. Ein wildes Durcheinander, bis plötzlich Leons Stimme blechern wie aus einem Lautsprecher ertönte. «Liebe Gemeinde! Linda ist hier. Und sie muss für ihr Versagen büssen. Schärft eure Sinne, denn bald wird sie euch gehören!»
„Ihr Ziel befindet sich nach 200 Metern auf der linken Seite.“ tönte es durch die Ohrhörer. „Eine Baustelle?“ fragte sich Linda, die ihren Wagen unsicher wie eine Ortsfremde lenkte, laut. Sie war aufgeregt. Nein, das war eine Untertreibung: Sie fragte sich, ob in ihrem Adrenalin überhaupt noch Blut schwimmt.
Es war die Stimme, die ihr Nervenkostüm nahe an den Abgrund geführt hatte. Die Stimme, es war nicht die des Navigationssystems, nein: Es war die eines Mannes, der sie bei den bisherigen Begegnungen fast um den Verstand gebracht hatte. Und genau um diesen Verstand fürchtete sie jetzt wieder. Einen Zahn zugelegt, würde keine Therapie sie vor der Klapsmühle retten können.
Was zum Teufel machte sie da bloss?
Der Mann, der keinen Namen hatte, war die Erfüllung ihrer Träume. Träume, die ihr die Schamröte ins Gesicht trieben, wenn sie nur daran dachte. Doch etwas in ihr war stärker als ihr Verstand und liess sie genau das tun, was er von ihr verlangte. Sie, die starke Frau, von der jeder in ihrem Freundeskreis eidesstattlich versichert hätte, sie sei der Inbegriff einer Person, die jeder Versuchung widersteht. Eher distanziert, die Realität mit Logik im Griff – so sahen ihre Kolleginnen sie. „Pha!“, sagte sie laut vor sich hin, als sie daran dachte, obwohl sie in diesem Moment niemand hören konnte. Niemand ausser ihm, durch die integrierten Mikrofone.
Der Mann im Ohr brachte Linda an die Grenzen ihrer Erotik und vielleicht bald darüber hinaus. Irgendwie hatte sie sich dieser Gefahr bereits ergeben. Vernunft ade! Obwohl er das Innerste, nicht nur das Intimste von ihr kannte, wusste sie nach Monaten noch immer nicht, wer er eigentlich war. „Nenn mich Leon. Leon von Löwe, von wegen stark.“ Das war alles. Er blieb geheimnisvoll, er war für die Zeit da, die sie miteinander verbrachten. Aber ausserhalb? Fehlanzeige. „Wir sind Teil desselben Universums. Ich bin immer da, auch wenn deine Sinne mich nicht wahrnehmen können. Meine Energie wird dich nicht mehr loslassen.“ hatte er gesagt. Die Erinnerung an diese Sätze liess ihre Gänsehaut Amok laufen. Nichts auf der Welt konnte sie jetzt noch beruhigen.
Sie sah den Rohbau des Gebäudes, mit einem Baulift an der Aussenseite und einer Bretterwand, die an Werktagen Neugierige davon abhielt, den Bauarbeitern zu genau auf die Finger zu schauen. Zum Glück, dachte Linda, war heute Sonntag und niemand auf der Baustelle.
Oder doch?
„Wenn du das Auto geparkt hast, drückst Du das dritte Holzbrett von links. Es ist lose und lässt Dich eintreten in unsere Baustelle.“
Irgendwie war es ein wohliges Gefühl. „Unsere Baustelle“. Aber warum denn dieser Ort, wenn es doch nur um Zweisamkeit ging?
Ging es denn nur um Zweisamkeit? Plötzlich kam ihr der Verdacht, dass der Plural sie gar nicht einschloss. „Scheisse!“, stiess sie panisch aus, dann verdrängte sie den Gedanken mit dem Rest an Kraft, der ihr noch verblieben war. Und das war nicht viel: Sie folgte ihm, wann immer er es von ihr verlangte. Allein die Ahnung, dass er sich melden könnte – und die völlig unvorhersehbaren Momente – trieben ihre Lust an, liessen ihre Vulva anschwellen und ihr Höschen zu einem Teich werden. Ja, es war eine Frage ihres Verstandes, sie schämte sich ihrer Geilheit, ihres Wunsches, ihm zu gefallen, sich dem hinzugeben, was er sich wieder einmal ausgedacht hatte. Aber tief in ihrem Kopf flüsterte sie sich zu. „Aber es ist geil.“
Mit der Bretterwand im Rücken orientierte sie sich an diesem verlassenen Ort. Der kalte Geruch von Beton stieg ihr in die Nase, ein Luftzug liess sie kurz frösteln. Unter ihren spitzen Stiefeletten knirschte der Kies so laut, als wolle er an diesem leblosen Ort die Toten wecken, die ein mörderischer Vorarbeiter im Auftrag der Mafia verschwinden liess.
„Steig in den Bauaufzug. Fahre nach oben, auf die Höhe des fünften Stockwerks. Dort hältst Du an, öffnest den Fahrkorb und bleibst drinnen.“
„Wirst Du dort sein?“ fragte Linda schüchtern. Doch Leon antwortete nur mit einem festen „Geh!“.
Linda kletterte auf das Gitterviereck, das sie nach oben bringen sollte, und entdeckte darin etwas, womit sie nicht gerechnet hatte: einen Vakuumbeutel mit verschiedenen Sexspielzeugen. Daneben: Eine Augenbinde.
Sie schloss das Gitter, drückte auf den Knopf und der Aufzug setzte sich ratternd in Bewegung. Bald hatte sie einen Blick auf die niedrigeren Häuser rings um die Baustelle, in die Weite, aber auch auf die Nachbargebäude, in denen sich bestimmt Menschen befanden…?
„Die Augenbinde“, befahl Leon, als der Aufzug in der gewünschten Höhe hielt.
Linda wollte erst nachsehen, ob noch jemand in der Nähe war, aber Leon wies sie sofort zurecht: „Jetzt!“, brüllte er. Linda erschrak und folgte dem Befehl. Genau in dem Moment, als sie nichts mehr sehen konnte, dröhnte ein lauter, stampfender Beat durch ihre Ohrhörer. Zwar wusste sie, wo sie war, aber von nun an fehlten ihr zwei Sinne.
Plötzlich spürte sie einen harten Griff um ihr linkes Handgelenk. War es Leon? Der Geruch des Mannes – es musste eindeutig ein Mann sein – liess sie dann aber fast in Ohnmacht fallen: Es konnte sich unmöglich um Leon handeln! „Unsere Baustelle“ – das Rätsel war gelöst, und nicht in ihrem Sinne. Verfluchte Situation! Verdammte Scheisse! Wie konnte dieser Mistkerl nur so etwas wagen! Für eine halbe Sekunde verfluchte sie alles, was gerade geschah – und merkte gleichzeitig, wie ihr Körper mit einer ihr fremden Euphorie darauf reagierte.
Eine Mischung aus Verzweiflung über die Reaktion ihres Körpers und über die Ausweglosigkeit der Situation machte sich in ihr breit.
Sie fragte sich: Bin ich ein Flittchen? Um Himmels willen! Sie kannte sich selbst nicht mehr, so stark war ihr Stolz. Aber er schien keineswegs im Widerspruch zu stehen zu dem sich explosionsartig ausbreitenden Drang, alles zu wollen, was einen Schwanz trug. Fremde Männer? Egal!
Nur noch ein letztes Entsetzen, ein letztes Aufbäumen ihrer gutbürgerlichen Erziehung unterbrach sie: Nein! Habe ich das jetzt wirklich gedacht? Doch dann war dieser ungleiche Kampf auch schon entschieden.
Der unbekannte Mann fesselte Linda mit losen Ketten. Dann riss er ihr mit einem Ruck das Höschen an den Beinen herunter – und plötzlich war es weg. Zerrissen? Sie hatte keine Ahnung, hörte nur den stampfenden Beat. Mit je einem Tritt gegen ihre Füsse wurde ihr bedeutet, die Beine zu spreizen. Und ehe sie richtig begriff, was geschah, waren auch Rock, Bluse und BH weg. War es eine Schere? Es war ihr egal. Der Moment erregte sie zu sehr, als dass es jetzt noch eine Rolle spielen würde. Sie war nackt bis auf die Stiefeletten, ausgestellt über der Stadt in einem Bauaufzug, in der Gewalt mindestens eines fremden Mannes, gefesselt, ohne Sicht und ohne akustische Orientierungsmöglichkeit. Ein unbeschreiblicher Rausch überfiel sie, ein Delirium, das sie von allem isolierte, was nicht dieser unkontrollierbaren Lust diente.
Linda hat es geschafft – der dritte und letzte Teil der Episode ist nun online. Viel Spass dabei!
14. Juni 2024
Lange habe ich gehadert – die Situation im Pissoir, ich habe sie erlebt. Nun hab ich darüber berichtet: Unsichtbar
28. Mai 2024
Ein One-Off: Elly & Dom G. treffen sich wieder nach dem Ende im letzten Buch – ich mag die beiden einfach. Für mehr reicht es im Moment nicht, aber immerhin eine kleine Episode ist daraus geworden, aus einer spontanen Laune heraus: Amarone
„Was, lieber Forschungsleiter, ist denn das gewünschte oder besser erhoffte Ergebnis der laufenden Studie mit – oder besser an mir?“
„Würde ich das Ziel vorgeben, wäre ich befangen – das Ergebnis muss offen bleiben“, antwortete ich kühl. „Aber eines ist sicher: Die Krümmung deiner Raumzeit hat bereits gut funktioniert. Du bist jetzt hier, bei mir.“
26. Dezember 2023
Aktenzeichen BDSM… ungelöst
Ab heute ist der Dreiteiler „Aktenzeichen BDSM…ungelöst“ hier zu lesen. Eine brandneue Geschichte, in der nichts so ist, wie es scheint. Viel Spass dabei!
Preisanpassungen 2024: In gewissen Situationen wird man auf dem linken Bein erwischt: Kaum sind die beiden Print-Versionen der Bücher von Elly im Handel bestellbar, hat Tolino Media angekündigt, aufgrund von Preisanpassungen ihrer Lieferanten diese Kosten ab Januar teilweise an die Autoren weitergeben zu müssen. Diese haben wiederum die Möglichkeit, ab Januar die Preise zu erhöhen (beträgt das Autoren-Honorar 0 Euro, werden die Bücher aus dem Angebot gestrichen). Heisst: Die Bücher werden je um 1 Euro teurer per 1. Januar. Wer von den aktuellen Preisen noch profitieren möchte, sollte das also jetzt tun. Da die Bücher „On Demand“ gedruckt werden, dauert die Auslieferung auch 1 bis 2 Wochen. Für die Weihnachtszeit wird es also langsam knapp 😉 Bestellen kann man z.B. bei Thalia.de / at / ch, Orellfüssli, Weltbild oder Amazon.
FanPix: Es gibt natürlich nichts Schöneres für einen Autor, wenn er auf seine Werke positive Rückmeldungen bekommt. Immer wieder habe ich Fotos von Fans erhalten, die ich mit deren Erlaubnis hier gerne veröffentliche. Und natürlich freue ich mich, wenn es weitere Zusendungen gibt – einfach das Kontaktformularverwenden.
Restposten Erstauflage von 2016: Aus der ersten Auflage von „Elly – Dunkle Geheimnisse“ gibt es bei mir noch drei Exemplare, die ich innerhalb der Schweiz gerne versende oder übergebe (der Versand in EU-Länder ist absurd kompliziert und teuer). Die alte Auflage ist vom Format her kleiner und von der neuen Ausgabe deutlich zu unterscheiden; ist also etwas für Nostalgikerinnen 🙂 Und der Preis ist auch noch tiefer – wir bleiben bei 10 CHF (ohne Versand). Interessiert? Kontaktformular!
Ich muss ein bisschen schmunzeln, wenn ich das jetzt erzähle. Gleichzeitig ist es ein Erlebnis, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Eine Geschichte, die ganz typisch mit dem Satz beginnt: „Eigentlich fing alles ganz harmlos an.“
Nun: Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Ich hatte zunächst nicht den leisesten Verdacht, dass ich an Bedeutung verlieren könnte, nicht für sie, diese wunderbare Frau, die sich nach nichts mehr sehnte als nach mir, meiner weichen Haut und meinen Händen, diesen grossen Händen, von denen sie immer schwärmte. Sie waren nicht nur gross, sie waren auch ausgesprochen böse. Aber ich schweife ab: Alles mündete in eine ungeheuerliche Erkenntnis, die sich an einem Pissoir mit automatischer Spülung in meinem Kopf wie ein bösartiges Krebsgeschwür auszubreiten begann.
Aber von Anfang an. Okey, das ist gelogen. Nicht von Anfang an, ich beginne etwa in der Mitte.
Nichts hatte Franziska für mich so aufregend gemacht wie ihr schlagfertiger Witz, mit dem sie den immer wieder auftauchenden Klippen des Alltags Paroli bot. Dumme Anmachsprüche von sich dominant haltenden Herrchen, die auch doch gerne mal gefickt hätten, und die sie stets mit einer simplen Antwort vernichtete: „Die Spiele, auf die ICH stehe, sind nichts für kleine Jungs!“
Dieses Privileg, mit ihr zu spielen, das war einzig meins. Und beileibe nicht das einzige.
Natürlich gab es noch ein paar andere Dinge, die Franziska aufregend machten. Der Anblick, als sie völlig hilflos vor mir auf dem Rücken lag, die Arme unter den bestrumpften Beinen gefesselt, schwarze Pumps daran, ihre Augen verbunden. Nicht nur ihr Hintern war gerötet, sondern auch ihre Rosette, die noch leicht geweitet ein kleines schwarzes Loch formte, wie dunkle Materie, der niemand ausweichen konnte; jedenfalls ich nicht. Ihr einzigartiger Gesichtsausdruck, als ich ihr danach das Bild davon zeigte, war unbezahlbar: eine unglaublich faszinierende Frau, schockiert von sich selbst und dem, was ich ihr angetan hatte. Von dem, was sie genossen hatte.
Nachdem wir hemmungslos die Spielarten unserer Lust ausgekostet hatten, heftig zwischen den Extremen unendlicher, tief empfundener Zärtlichkeit und nicht minder profunder, bösartiger Perversion hin und her gependelt waren, erzählten wir uns jeweils von unserem Leben. Gemeinsam lachten wir über das, was uns jeweils widerfahren war, und darüber, dass niemand vom illustren Kreis der Menschen um uns herum vermuten würde, dass wir taten, was wir taten. Wie wir es taten. Und mit wem.
Ich springe vorwärts zu jenem Abend, der alles zwischen uns veränderte.
Das Abendessen war schon lange verabredet gewesen, es fand an diesem besonderen Ort statt, der mit seiner rauen Eleganz und seinem industriellen Charme für mich die Quelle vieler dunkelbunter Inspirationen war und noch immer ist – am Rande der Stadt.
Bei einem Glas Rotwein und einem Filetto Di Manzo erzählte mir Franziska von ihren Wünschen und stellte mir Fragen über die Zukunft, die von einer allgemeinen und abstrakten Ebene immer tiefer und anspruchsvoller wurden und mich immer ratloser machten.
„Wie wird das mit uns enden?“, fragte sie. „Keine Ahnung“, murmelte ich, vielleicht etwas undeutlich, aber bestimmt hörbar. Franziska aber schien mich nicht gehört zu haben. „Meinst du nicht, ein Ende wäre besser?“
Was meinte sie damit? Eine plötzliche Angst überfiel mich, unerwartet wie ein Donner ohne Blitz aus heiterem Himmel.
„Franziska, was faselst du da?“ fragte ich sie, irritiert von ihren heftigen Worten. „Hörst Du mir denn nicht zu?“, klagte sie. „Franziska – wir hatten bisher immer so eine schöne Zeit zusammen, eigentlich…“
Ich kam nicht dazu, den Satz zu beenden.
„Warum antwortest du nicht?“ fuhr sie mich mit stechenden Augen an. „Kannst du meine Agonie denn nicht erkennen? Dass ich versuche, dir klar zu machen, dass mir das alles hier zu wenig ist? Unsere Teilzeit-Universen, die sind nichts für schwache Nerven, und meine sind ziemlich am Ende. Oliver! Warum sagst du nichts dazu?“
Zu wenig? Womit denn? Hatte sie mich nicht verstanden, war meine Aussprache so undeutlich geworden? Hatte sie meine Sätze gar nicht gehört? Oder wollte sie mich nur abservieren, an diesem dunklen Abend am Rande der anonymen Grossstadt?
„Du bist blass, mein Lieber. Dein nebelgrauer Anzug hilft da auch wirklich nicht. Wo ist deine Dominanz, dein Engagement? Was hat dich so aus deiner Rolle geworfen, dass du nur noch ein Hauch deiner selbst bist?“
Bleich? Ich? Gefühlt war mein Kopf leuchtend rot vor Wut des Unverstandenen. Dennoch wankte mein Selbstbewusstsein auf einmal bedrohlich. Um mich zu vergewissern, dass ich noch ganz bei Verstand war, erhob ich mich unvermittelt vom Tisch und eilte zur Toilette. Vor dem Pissoir stehend, entleerte ich meine Blase.
Ein Näherungssensor in der Wand würde die automatische Spülung auslösen, sobald ich mich entfernte. Doch als ich danach zum Waschbecken nebenan ging, hörte ich sie nicht. Ob sie wohl kaputt war? Die Eingangstür öffnete sich, ein anderer Gast betrat die Toilette und stellte sich vor dasselbe Becken, an dem ich mich eben erleichtert hatte. Aber als er den Reissverschluss wieder geschlossen hatte und sich entfernte, funktionierte die Spülung.
Seltsam. Als hätte die Automatik mich nicht erkannt. Nicht erkannt und nicht gehört, wie Franziska fast den ganzen Abend lang. Kalter Schweiss quoll mir aus allen Poren. Lächerlich, ich weiss, aber die Situation liess mir keine Ruhe. Als der andere Gast gegangen war, stellte ich mich probehalber noch einmal ans Pissoir, um zu testen, ob mein wiederholtes Weggehen die Spülung diesmal auslösen würde.
Nichts geschah. Ich war unsichtbar.
Erst jetzt realisierte ich, dass der andere Gast mich nicht gegrüsst, nicht einmal eines Blickes gewürdigt hatte. Erschrocken eilte ich zurück zum Waschbecken, um mich im Spiegel zu betrachten. Da war ich doch! Ich sah mich, wie ich mich immer gesehen hatte. Fast. Ich bemerkte lediglich, dass einige meiner Altersflecken im Gesicht fehlten, ich sah jugendlich aus. „Gutes Licht!“, lobte ich laut die Einrichtung des Restaurants, um mich selbst zu hören; ich wusch mir die Hände, ausgiebig, und starrte dabei in den Spiegel, in meine Augen.
Wenig später war ich zurück am Tisch. Aber unser Tisch war frisch gedeckt und Franziska weg! Was zum Teufel…?
Nervös blickte ich mich um und stellte fest, dass sich niemand zu mir umdrehte oder mich sonst irgendwie beachtete. Nicht einmal der Kellner, der uns den ganzen Abend bedient hatte, nahm Notiz von mir. Panisch rannte ich durch die Eingangstür hinaus in die Dunkelheit. Jetzt gab es nur noch eine Möglichkeit herauszufinden, ob es mich noch gab. Ich blieb mitten auf der Strasse stehen. Bald sah ich zwei Autoscheinwerfer auf mich zukommen. Das Motorengeräusch wurde immer lauter, ein 8-Zylinder, fragte ich mich noch, unfähig, mich zu bewegen, geschweige denn in Sicherheit zu bringen. Kein Bremsenquietschen, kein Kreischen, nur ein dumpfer Knall.
Eine grosse Dunkelheit raubte mir die Sinne.
—
„Oliver, Oliver!“ Gleissendes Licht fiel durch den winzigen Spalt zwischen den Augenlidern, als ich sie zu öffnen versuchte. Franziskas Stimme! Alles war weiss, nur ihr Gesicht konnte ich schemenhaft erkennen.
„Gott sei Dank, du kommst zu dir! Oliver, was ist passiert?“, wollte sie wissen. Doch ich konnte ihre Frage nicht beantworten, denn ich wusste weder, wo ich war, noch welchen Tag und welche Uhrzeit wir hatten. Gar nichts.
„Franzi, ich… wo?“ stammelte ich über meine Lippen, die sich anfühlten, als wären sie mit Blei aufgespritzt.
„Du wurdest bewusstlos auf der Toilette gefunden!“
Die Situation ergab keinen Sinn. Nichts ergab einen Sinn! Nur sehr mühsam und im Schneckentempo kehrten Fetzen der Erinnerung zurück. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde mir klar, dass ich in einem Krankenhausbett lag und mir gerade irgendwelche Flüssigkeiten durch den Tropf verabreicht wurden. „Wurde ich überfahren?“
Ihr herzhaftes Lachen! Nichts machte mich wacher als das. „Oliver, auf der Toilette ist kein Platz für ein Auto, das gross genug ist, um dich zu überfahren!“
Minute um Minute kam ich mehr zu mir. Aber ich konnte mir die Situation noch nicht erklären. Jedenfalls brummte mein Schädel und langsam spürte ich einen Verband, den man mir offenbar um diesen gewickelt hatte.
„Die Spülung, war sie…“ fing ich an, aber bog dann zu einer verständlicheren Frage ab: „Bin ich ohnmächtig geworden?“
„Sieht ganz so aus, mein lieber böser Mann“, antwortete Franziska. „Wir waren doch mitten in einem guten Gespräch, aus dem du dich plötzlich zurückgezogen hast.“
Es dämmerte mir immer mehr. „Du… willst mich verlassen.“ kam es bruchstückhaft aus meinem Mund. „Oliver, Du spinnst! Ich hatte Dir gesagt, dass die Teilzeitwelten nichts mehr für mich sind und wir endlich den Schritt wagen sollten. Den grossen.“
„Den grossen… was bitte?“ fragte ich. Kopfschüttelnd und mit einem süssen Lächeln im Gesicht erhob sie sich aus dem Besucherstuhl.
„Erhol Dich gut, jetzt wo Du wieder da bist. Und wenn Dein Kopf wieder ausgewickelt ist, wickle ICH Dich wieder…um meinen Finger.“ Dann drückte sie mir einen sanften Kuss auf die Stirn und machte sich auf, das Zimmer zu verlassen.
„Ja, das tust Du. Bestimmt.“ stammelte ich, kurz bevor die Türe hinter ihr ins Schloss fiel.
Zu den beiden Romane von Elly & Dom G. gibt es mehr Informationen hier und hier. Beide sind sowohl als e-Book wie auch als Printausgabe erhältlich.
Elly schaute mich mit einer Mischung aus Erstaunen und Ungläubigkeit an, und ich nahm an, sie verdächtigte den stolzen Alkoholgehalt des Amarone als Ursache für das, was ich gerade vorgeschlagen hatte.
War das noch der Dom G., den sie gekannt kannte? Der Mann, der immer sagte, ein Leben mit ihm sei ein Leben allein? Der Unberechenbare, mit dem sie so viele geheimnisvolle und im Nachhinein unwahrscheinliche Erlebnisse geteilt hatte? Wenn sie ihren Freundinnen davon erzählte, hielten es alle für wilde Fantasien, fern jeglicher Realität. Niemand glaubte ihr, und insgeheim genoss sie diese Tatsache. Noch nicht mal ihr Mann, von dem sie inzwischen getrennt lebte, nahm Elly deswegen für voll. Nun war sie es, die jemanden nicht mehr für voll nahm: Ihren ehemaligen Dom.
Was war passiert?
„Weisst du“, fuhr ich fort, „irgendwann kommt der Punkt, an dem man aufhört, einfach nur die Möglichkeiten zu nutzen, die sich einem bieten.“
Verwirrt antwortete Elly: „Ich hoffe, ich war nicht nur eine Möglichkeit?“
Ich lächelte, obwohl ich eigentlich hätte wütend sein müssen. Wie konnte sie so etwas denken, nach all den bücherfüllenden Geschehnissen, die uns so geprägt hatten? Hatte die Zeit, in der es das „wir“ nicht mehr gegeben hatte, ihre Erinnerung so getrübt? Oder war die jetzige Situation, das Wiedersehen nach Jahren trotz dieses neutralen Ortes – ein Restaurant ohne Bezug zu unserer Geschichte – einfach zu viel für sie?
„Es gab keine Frau, deren ganzen Körper ich so auf meiner Zunge haben wollte wie dich.“
Elly errötete.
„Es gibt keinen Grund, deine Gesichtsfarbe zu verändern. Das weisst du ganz genau. Als ich dich nach der Episode mit der Feuerwehr zu deinem Mann geschickt habe, damit die Heimlichkeiten aufhören, habe ich es aus Liebe getan. Liebe zu dir und zu mir. Und ja, ich wusste, dass es das Ende für uns bedeuten würde. Aber was sind diese Momente wert, diese Inseln des Glücks, wenn sie nur kleine, trockene Orte in einem fernen und ständig aufbrausenden Meer sind, nicht einmal ein ganzer Kontinent? Wir wären daran zerbrochen.“
„Aber du wusstest, dass du ohne sie jämmerlich ersaufen würdest, in den Weiten unendlicher Belanglosigkeit und Tristesse.“ antwortete Elly. Ich nickte.
„Warum denn, mein Herr vergangener Zeiten, hast du keine andere Lösung gesucht? Liebe – auch in der sehr aussergewöhnlichen Form, wie wir sie pflegten – ist noch immer besser als das Ertrinken im Trübsal, oder?“
„Ich erwähnte Möglichkeiten, du erinnerst dich?“
„Ach so. Du wolltest mich loswerden, um die Schlange interessierter, devoter Fick-und-Hau-Tussis auszuprobieren?“ Aufkommender Groll liess ihre Stimme rau wie Stahlwolle werden. Ich jubelte innerlich, denn ich wusste, dass dieser Groll nur dem Stachel der Eifersucht entsprungen sein konnte. Und genau das wollte ich über ihren Gemütszustand herausfinden. Meine Klaviatur der folgenden Dialoge war darauf vorbereitet.
„Na ja, ein, zwei…“, provozierte ich mit verträumtem Blick an die Decke, aber Elly fuhr mir über den Mund: „Mach dir keine Mühe. Es interessiert mich nicht. Komisch, wie schnell Wein zu Essig wird, nicht wahr?“ Sie legte demonstrativ ihre Serviette auf den Tisch, stand auf und lief durch das gut gefüllte Restaurant zu den Toiletten am anderen Ende. Links und rechts verliebten sich die Männer spontan in sie, ihre Erscheinung hatte in all den Jahren nichts von ihrer Erotik eingebüsst.
Als sie ausser Sichtweite war, verliess auch ich den Tisch und liess nichts zurück. Es war, als könnte ich blind ihrer wunderbaren Duftspur folgen; bei der Herrentoilette verliess ich aber ihren Pfad und schloss mich dort ein. Irgendwie hatte die Situation eine Ähnlichkeit mit unserem allerersten Aufeinandertreffen, dachte ich und lächelte vor mich hin. Dann wartete ich mit dem Handy auf ihre Nachricht. Wenige Minuten später kam das erwartete „Wo bist du?“
„Ein gepflegtes Gespräch ist mit dir offensichtlich nicht möglich, deshalb habe ich mich entfernt“, antwortete ich. „Vielleicht bietet der Abend ja noch die Möglichkeit, woanders eine – wie du so schön sagst – „Fick-und-Hau-Tussi“ zu finden?“
„Dom G., du bist ein Arschloch, und das weisst du auch“, kam zurück. Oh, wie ich sie hörte, als ich ihre Zeilen las. Aber ich liess sie zappeln und sah von einer Replik ab. „Komm zurück und zeig deine Grösse. Oder hast Du etwa Angst, süsser kleiner Dom, der sich nur mit Peitsche und gefesselten Frauen gross fühlt?“ Elly war durch eine harte Schule gegangen mit mir, und sie hatte gelernt, wie sie mich kriegen konnte. Nie hätte ich zugegeben, wer die Hosen wirklich anhatte. Die Hosen oberhalb ihrer Wildlederpumps.
Nach einigen Minuten kehrte ich dann doch an den Tisch zurück; Elly war sichtlich bemüht, wieder freundlich zu wirken, um einen Abbruch des Abends zu verhindern. Ich half ihr dabei.
„Ich habe dich vermisst, Elly. Es gibt diese Momente beim Sex, wo man spürt: Es passt einfach. Ich habe viel Sex mit unterschiedlichen Frauen gehabt, aber wenn ich zurückblicke, gab es nur eine Frau, bei der ich das Gefühl hatte: Jetzt stimmt es. Dieser tief zufriedene Ausdruck auf deinem Gesicht, die Augen geschlossen. Gelöst, angekommen. Mein Sadismus war der Brandbeschleuniger, der uns in diese Räume führte, die so vielen Menschen verborgen bleiben und all das ermöglichte.“
Elly hörte mir aufmerksam zu.
Mit forderndem Blick spitzte ich meinen Monolog zu: „Ich weiss, dass du in der Zwischenzeit auch einen anderen Mann hattest oder ihn noch hast. Nichtsdestotrotz: Mein Vorschlag, der dich vor ein paar Minuten so ungläubig und sprachlos gemacht hat, war ernst gemeint. Vanilla oder nicht, das ist höchstens eine Frage für das Dessert. Die einzige Frage, die uns betrifft, lautet: Wann? Denn eines weiss ich jetzt schon: Dass du ihn annimmst, ist ausser Frage.“
Elly stampfte laut mit dem Fuss auf das Parkett und knickte dabei fast den Absatz ihres erotischen Schuhs. „Verdammter Mistkerl!“
Elly & Dom G. haben schon viel erlebt. Zu den beiden Romane von Elly & Dom G. gibt es mehr Informationen hier und hier. Beide sind sowohl als e-Book wie auch als Printausgabe erhältlich.
Manche Phänomene sind wie ein schwarzes Loch. Sie haben ein Gravitationsfeld, dem man nicht entkommen kann. Elly und Dom G. geht es gleich. Kommen sie wieder zusammen?
Marie stiess einen kurzen, lauten Schockschrei aus, und ich brach in schallendes Gelächter aus. Die Passantin hatte den blinden Spiegel genau an der Stelle, an der Marie sich angelehnt hatte, benutzt, um ihre Haare und ihre Kleidung etwas zurechtzurücken. Was für ein wunderbarer Zufall – besser hätte ich es nicht inszenieren können.
Meine unterwürfige Physikerin fand das überhaupt nicht lustig und richtete sich ein wenig auf. Bevor sie sich von der Scheibe lösen konnte, befahl ich ihr: „Bleib genau so!“ Mit etwas Spucke rieb ich meinen Luststab ein und fing an, sie von hinten zu ficken. Die Becher, die an ihren Brüsten befestigt waren, hingen nun in der Luft, waren aber fast leer. Die einzige Zugkraft wurde von den Schwingungen meiner Stösse erzeugt. Doch kurz darauf hörte ich zu ihrem Missfallen auf: „Das“, sagte ich, „war die Nullmessung. Und da du deine Flüssigkeiten offensichtlich nicht unter Kontrolle hast, werde ich dir helfen.“
Es dauerte eine Weile, bis meine Härte genug nachgelassen hatte, aber dann füllte ich die beiden Becher zu je einem Drittel mit meinem Natursekt. Den Rest liess ich in eine PET-Flasche fliessen, um daraus später die Pegelhöhe wieder anpassen zu können, sollte dies erforderlich sein. Die Gravitation an ihren Brustwarzen blieb nicht ohne Wirkung. „Mein Herr, Sie sind ein perverser Sadist! Aber…“ schob sie in einem Akt vorauseilender Unterwerfung und Bitte um Gnade nach, „ein liebenswerter Sadist“.
„Keine Milde für Dich, denn Du bist keine Heilige: Du kannst nicht über Wasser gehen, nur über Natursekt.“
Marie ertrug mein Urteil nur mit Murren, schwieg aber.
„Nun kommen wir zum Experiment: Wie gut schaffst Du es, die Flüssigkeiten in den Bechern zu halten? Für jeden Verlust bekommst Du die doppelte Menge nachgefüllt. Und damit Du alles im Blick hast, lege ich Dir noch einen Spiegel auf den Boden, zwischen Deinen Füssen und der Glaswand“.
Gesagt, getan. Marie schnaubte kurz, unterdrückte aber weiteren Protest mit grösster Anstrengung. Es war ihr wohl klar, dass er sowieso nichts gebracht hätte.
Der Anblick der ganzen Situation erregte mich sehr. Ich kehrte zu Maries Hintern zurück und sties erneut in ihre Muschi. Sie versuchte, so gut es ging, Haltung zu bewahren, meine Stösse zu dämpfen und auf diese Weise so wenig wie möglich vom flüssigen Gold zu verlieren.
Nach einem langsamen Start fickte ich sie aber immer heftiger, was ihre Verzweiflung im Gleichschritt steigerte, bis das Nass schliesslich fast vollständig aus den Bechern geschwappt war. Die Katastrophe auf dem Spiegel unter ihr zeugte von einem kompletten Versagen.
„Aber, aber, Marie!“ fuhr ich sie an und füllte die Becher wieder, diesmal aber ganz.
„Mein Herr, sie sagten das Doppelte“, keuchte sie mit schmerzerfülltem, aber doch etwas irritiertem Unterton, „aber jetzt ist es mehr als das Dreifache!“
„Genau beobachtet, Frau Exakt von und zu Wissenschaft. Du wirst auch dreimal so hart gefickt wie sonst, und das in einem Drittel der Zeit. Ein echtes Sonderangebot in diesem Geschäft hier! Sag mal, wie steht es eigentlich um deinen Hintereingang?“
„Mein Herr, in Anbetracht der Kürze der Zeit konnte ich heute früh leider nicht …“
„Mach Dein Problem nicht zu meinem!“, unterbrach ich sie barsch. Mit viel Spucke begann ich ihre Rosette zu massieren. „Du wirst es aushalten müssen, mein kleines Luder.“ Dann zog ich einen metallenen Plug aus meiner Tasche und drückte ihn langsam in ihren Hintereingang. „Pass auf, dass er drin bleibt, denn wenn er auf den Spiegel fällt, gibt es Scherben und mächtig Ärger mit dem Ladenbesitzer!“
Marie stöhnte, halb vor Schmerz, halb vor Lust. Dann verschmolz mein Fleisch wieder mit ihrem. Die Heftigkeit meiner Stösse steigerte sich wie ein Erdbeben. Je heftiger alles wurde, desto mehr Flüssigkeit spritze aus den Bechern und verursachte einen gelben Tsunami auf dem Spiegel. Immer mehr versetzte die Erleichterung über das verlorene Gewicht an ihren Brustwarzen, gepaart mit meinen heftigen Bewegungen in ihr, Marie in einen Zustand rauschender Ekstase. Zu sehen, wie sie in ihre eigene Sphäre abhob, und mein gefühltes Wachstum in ihr zeigten mir, dass mein Werk kurz vor der Vollendung stand. Ich schloss meine Augen und kam mit einem lauten „Ahhh“ in ihr. Fast im selben Moment liess ein Squirting-Sturzbach den Spiegel vollständig überfluten.
Einen Moment lang noch hielt ich mich an ihren Hüften fest; dann löste ich die beiden Nippelklemmen mit einer Umarmung ihres noch gebückten und am Glas abgestützten Oberkörpers. Sie klagte nur leise, und dabei spürte ich, wie ihre Kräfte immer mehr schwanden. Nach den letzten Zuckungen ihres Orgasmus kippte sie langsam an der Scheibe entlang zur Seite und setzte sich mit dem nackten Rücken an das Glaselement daneben, rechts vom nassen Spiegel, auf den dort noch trockenen Boden.
Ich stützte mich mit meinen Armen noch einen Moment auf meine Oberschenkel, so lange, bis sich mein innerer Wirbelsturm soweit gelegt hatte, dass ich wieder sicher stehen und gehen konnte. Dann zog ich meine Hose hoch, knöpfte sie zu und lief zur Tür. Marie, immer noch mit den letzten Ausläufern ihrer Gefühls-Okklusion beschäftigt, nahm das alles wohl gar nicht wahr. Ich trat hinaus zu den Passanten und ging an der verspiegelten Aussenwand entlang zu diesem Glaselement, das kein blinder Spiegel war, und auf dessen Innenseite Marie sass.
Einen letzten Spiegel hatte Marie bisher nicht bemerkt: Er befand sich an der gegenüberliegenden Wand des Ladeninneren. Es dauerte nicht lange, bis Marie wieder zu sich gekommen war, den Kopf hob und… ihn entdeckte. Sie sah darin ihr Spiegelbild, dann mich, draussen, der sie über diese Spiegelung frech angrinste.
Ihr Schreck war gross, als sie realisierte, dass ich sie tatsächlich von Aussen sehen konnte und sie nur hinter einer ganz normalen Laden-Glaswand sass. Sofort hechtete sie zur rechten Seite, in den blickgeschützten Bereich. Ob mein Lachen draussen so laut war wie die Laute ihrer Panik drinnen?
Ich eilte zurück in den Laden und nahm Marie, die immer noch tapfer gegen das Chaos ihrer unterschiedlichen Gefühle ankämpfte, in meine Arme. Bevor sie schimpfen konnte, küsste ich sie. Endlich der Kuss, den sie sich so sehr gewünscht hatte. Lange, so lange, bis alles, was gewesen war, all ihre Empörung und ihr Durcheinander, in der Symphonie unserer Liebe aufgegangen war.
„Das Experiment ist geglückt“, gratulierte ich ihr, als wir sich unsere Lippen wieder trennten.
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Wohin führst Du mich?“ fragte Marie etwas klagend, immer schön drei Schritte hinter mir, doch ich hatte nicht die Absicht, sie aufzuklären. Die Antwort würde sich sehr bald ohnehin ergeben, denn wenig später öffnete ich die Eingangstüre eines Ladengeschäfts, das sich im Umbau befand. Etwas unsicher blieb Marie stehen und ahnte wohl, dass im Bereich hinter der Türe nichts Romantisches lauerte.
Wie recht sie damit hatte.
„Komm rein“, bedeutete ich ihr mit dem Zeigefinger. Eine wirkliche Alternative gab es nicht, sie hatte nur einen ihrer Pumps in der Hand. Und so betrat sie diesen Laden, der sich mit ein paar Werkzeugen, Holzbänken und verpacktem Baumaterial im Rohbau befand. Licht fiel durch die Glasfront, auf deren anderen Seite die Besucher des Einkaufszentrums vorbeischlenderten. Immer noch zögerlich näherte sich Marie mir, der sich in der Mitte des Raumes postiert hatte.
„Bekomme ich wenigstens einen Kuss?“ fragte sie mit einem Tonfall, der mir verriet, dass sie das als eine Art Gegenleistung dafür erwartete, dass sie mir brav in diesen unwirtlichen Raum gefolgt war.
„Deine Wünsche haben sich meinen unterzuordnen – das weisst Du genau.“
Nach einem langen Ausatmen fuhr ich fort: „Du wirst jetzt dein Oberteil und deinen BH ausziehen. Ich war einkaufen!“ In diebischer Vorfreude zeigte ich ihr zwei grosse Krokodilklemmen.
„Die Klemmen machen mir nichts. Aber schau durch die Glaswände!“ Sie zeigte vorwurfsvoll auf die Öffentlichkeit draussen. Ich lachte. „Das sind blinde Spiegel. Niemand kann uns hier drinnen sehen.“ Etwas skeptisch näherte sich Marie dem Glas. „Es könnte ja sein,“ mutmasste sie, „dass die Leute einfach auch nicht reinschauen, weil es hier drinnen nicht beleuchtet ist!“
„Du kannst gerne noch einmal mit einem Schuh rausgehen und die Situation eingehend analysieren. Vielleicht gibt es ja alternative Fakten. Bei Euch Physikerinnen ist ja ohnehin immer alles relativ.“
Ihr beleidigter Blick war köstlich. Ich wusste, sie würde es nicht tun und sich schliesslich dem Unausweichlichen – meiner List – Schritt für Schritt ergeben. Nicht ohne immer wieder nach draussen zu schauen, zog sie ihr Oberteil und dann ihren BH aus. Etwas schüchtern lächelte sie mich an, mit dieser unglaublich aufregenden Mischung aus Ergebenheit, Pflichterfüllung und Scham. Immer wieder fragte ich mich, wie viel von diesem Blick von ihr bewusst gesteuert war, als hinterhältige Schlampe und Venusfalle für den Opfer-Dom, und wie viel einfach ihrer tiefsten Natur entsprang – ohne Strategie, ohne Überlegung. Nur eines war klar: Ich liebte diese Momente; Sekunden, in denen sie sich zu öffnen begann und die ewig zu dauern schienen – auch wenn am Ende alles wieder viel zu schnell vorbei war.
Mit jedem Augenblick schien sie sich mehr zu entspannen, die Welt draussen zu vergessen. Stolz zeigte sie mir ihre üppigen Brüste. „Mein Herr, ich habe doch nichts falsch gemacht, warum wollen Sie mir wehtun?“, fragte sie mit Engelszunge, wohl wissend, dass dies meine späteren Handlungen nur verschärfen würde. Ohne abzuwarten, legte ich die Klammern, an denen ein Seil hing, das bis etwa bis auf die Höhe der Kniescheiben reichte, an ihre Brustwarzen.
„Aaatsch“, stiess sie kurz hervor, ertrug die Qual aber mit dem aufkommenden Wohlgefühl, das Masochistinnen eigen ist. „Jetzt entledige dich der restlichen Kleidung bis auf die halterlosen Strümpfe.“ Aus meiner Aktentasche zog ich den zweiten ihrer Pumps und warf ihn ihr vor die Füsse.
Bald stand sie so vor mir, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich drückte sie runter auf ihre Knie, öffnete meine Hose und liess ihre Zunge und ihre Lippen ihr Werk an meinem besten Stück verrichten. Die Eindrücke des Augenblicks, ihr Aussehen, ihre Lust, genau das zu tun und gleichzeitig den leichten Schmerz an ihren Brustwarzen zu spüren, versetzten meine Hormone in einen wunderbaren Aufruhr. Ein Kribbeln, eine leichte Benommenheit und der Beginn des männlichen Tunnelblicks, der wie eine sich immer weiter schliessende Vignette mein ganzes Dasein auf ein Ziel reduziert.
Dem Ziel.
Aber so weit wollte ich noch nicht gehen und schob sie weg. „Das Experiment steht kurz bevor, Frau Physikerin“, flüsterte ich. „Aber was ist mit dem Kuss?“, fragte sie. Diese Unverschämtheit, wieder als Forderung formuliert, überzeugte mich, sie heute spüren zu lassen, wie sehr ich bereit war, ihre Leidensfähigkeit zu testen. Ich griff grob unter ihre Achseln und zog sie wieder hoch.
Ohne weiteren Kommentar nahm ich einen der beiden Plastikbecher mit daran festgemachtem Metallbügel, die auf einer Bank standen, und befestigte ihn am unteren Ende der einen Schnur. Das gleiche tat ich mit dem zweiten am anderen Nippel.
„Jetzt beugst du dich vor, stützst dich mit den Händen an der Glaswand ab, so dass die beiden Becher, die mit Schnüren und Klemmen an dir befestigt sind, schön flach auf dem Boden stehen und du die Welt da draussen genau beobachten kannst.“
Ein bisschen mulmig war Marie schon. Irgendwie traute sie den blinden Spielgen noch immer nicht, und dass sie hier in so delikater Pose nur wenige Zentimeter von der biederen Öffentlichkeit entfernt war, beschleunigte ihren Puls. Und, wie ich bald bemerkte, auch den Ausstoss der Flüssigkeit, die zwischen ihren Beinen hervorquoll. Bald liess sie den Kopf nach unten hängen, um ihren Nacken zu entlasten und – so vermutete ich – dem Publikum nicht mehr ins Gesicht schauen zu müssen.
„Drückt der Kaffee noch nicht?“, fragte ich Marie, die sofort verstand, worauf ich hinauswollte. „Ich kann und will hier nicht pissen“, antwortete sie trotzig.
„Bist du sicher, du kleine Schlampe – die nur dank ihrer Absätze nicht unter die Kategorie Giftzwerg fällt? Lass es mich so sagen: Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder du füllst die beiden Becher unter dir und bestimmst, wie voll und schwer sie werden, oder ich mache das für dich. Wir testen hier die spezielle Relativitätstheorie des Kaffees und werden sehen, ob der Kaffee nicht nur theoretisch seine harntreibende Wirkung entfaltet. Und ob es für Dich relativ oder absolut schwierig ist.“
„Mistkerl“, begann Marie zu zetern.
„Oh, ich wusste nicht, dass Du es Dir so schwer machen würdest.“ Ich packte meinen Schwanz aus und hielt ihn ihr vor die Augen. „Letzte Chance, du germanisches Flittchen!“
Marie begann, ihren Unterkörper zu bewegen, versuchte, ihren Urin aus der Blase zu pressen. Es kamen nur ein paar Spritzer, von denen ein Teil auf ihren Beinen und Pumps landete und nur ganz wenig in den ihr angehängten Bechern. Verzweifelt bemühte sie sich, aber aus den Tropfen wollte sich einfach kein Strahl bilden, noch nicht mal ein Bächlein.
Als sie sich zu mir umdrehen wollte, um mir ihr klagendes Gesicht zu zeigen, hob sie den Kopf und erschrak: Auf der anderen Seite der Glasscheibe stand eine ältere Frau und starrte sie an!
Es sollte eine einfache, harmlose Verabredung zum Kaffee werden. Das war zumindest ihre Erwartung, auch wenn das Treffen kurzfristig anberaumt worden war. Marie hiess sie, mein deutsches Forschungsobjekt, die Physikerin von Beruf und noch immer rätselhaft war, obwohl wir schon einige Punkte in unserem Raum-Zeit-Kontinuum geteilt hatten. Blondes, gewelltes Haar, das in der Sonne immer fast weiss schimmerte und in den tiefen Kerkern unseres Zusammenseins einen wunderbaren Kontrast zum tiefen Schwarz meiner nicht gerade jugendfreien Begierden bildete.
Physische und psychische Grenzen waren regelmässig ausgelotet worden, wie es sich in einem anständigen und handelsüblichen Universum schliesslich gehört. Hin und wieder führte mein morgendliches Verlangen aber auch dazu, dass ich sie ausserplanmässig zur Mittagszeit oder an einem ganz normalen Nachmittag zu sehen wünschte. Sie war sich bewusst, dass diesem Wunsch bedingungslos nachzukommen war.
Es versteht sich von selbst, dass eine so kurzfristige Anweisung sie in einen Stresszustand versetzte, da sie damit aus dem Ordnungssystem des Alltags herausgerissen wurde. Heute erhielt sie meine Nachricht fünf Minuten, bevor sie ihr Haus in Richtung Uni verlassen wollte. Aber nicht nur die Umorganisation ihres Tagesablaufs versetzte sie in Aufregung, sondern auch die Tatsache, dass ihr Aussehen beim Treffen meinem Geschmack entsprechen sollte: In legerer Alltagskleidung vor meine Augen zu treten, hätte unweigerlich unangenehme Folgen gehabt. Sehr unangenehme.
Für sie.
„Für meine Morgenlatte kann ich nichts!“ hatte ich als letzte Messenger-Nachricht angefügt, mit einem Heiligenschein-Emoji. Eine wohlige Wärme rund um meine Mitte durchflutete mich, als ich mir ausmalte, wie ihre klaren, blauen Augen nach dem Lesen der Anweisung verzweifelt auf ihre in langweiligen Ballerinas steckenden Füsse blickten. Eigentlich bereit für den Tag, und nun in einem sonderbaren Gefühlsgemenge aus Ärger, Zeitdruck und… Erregung. Dessen war ich mir sicher. Sie sehnte sich nach meiner Anwesenheit, meinem wachen Auge und den unberechenbaren Abläufen dahinter. Aber manchmals wünschte sie sich mehr Logik, bessere Planbarkeit. Physikern war sie, hatte ich das schon erwähnt? Doch ich lachte sie immer aus und zitierte meine Romanfigur Dom G.: „Doms sind die einzigen Lebewesen im hiesigen Universum, bei denen Willkür und Unvorhersehbarkeit nicht nur erlaubt, sondern inhärenter Bestandteil des Charakters sind.“ So wie Quantensprünge.
Marie riss sich wohl die Kleider wieder vom Leib, um sich auf Befehl komplett umzuziehen. Schade, dass ich das nicht sehen konnte. Wie sie sich wohl gefühlt haben mag, als sie sich die Strümpfe über die Beine zog, wissend, dass sie es für mich tat? Ob ihre Gedanken darum kreisten, wie sie es bewerkstelligt, dass einem eventuellen Zugriff meiner Hände an ihren empfindlichsten Stellen nichts entgegenstünde? Bestimmt schloss sie in diesem Moment die Augen, visualisierte vor dem inneren Auge unser Date und liess schliesslich ihre schlanken Füsse in ihre Heels oder Stiefeletten gleiten.
Dieses Bild von ihr, dieser Ablauf, den ich ihr aufgezwungen hatte, begleitete mich bis zu unserem Treffpunkt in einem Café, mitten im hellen Atrium eines grossen Einkaufszentrums.
Von weitem schon sah ich sie kommen. Tatsächlich hatte sie sich für gepunktete Nylonstrümpfe und schwarze Pumps entschieden, deren laute Geräusche beim Gehen die Aufmerksamkeit der Familienväter links und rechts auf sich zogen und die wütenden Blicke ihrer Partnerinnen hervorriefen, die in ausgelatschten Turnschuhen versuchten, ihren Balg zu bändigen.
Abgekommen, setzte sich Marie mir gegenüber auf das Ledersofa des Cafés.
„Die dickbäuchigen Herren mit ihren sabbernden Zungen … wie ekelhaft – und das alles nur, weil du mich dazu verdonnert hast, in hohen Absätzen aufzutreten“, kommentierte sie leicht verärgert das Schauspiel, das ich im Gegensatz zu ihr mit einer gewissen, erotisch angehauchten Genugtuung beobachtet hatte.
Mit einer Geste wollte sie das gerade Erlebte und diese für eine unterwürfige Frau unangebrachte Kritik an ihrem Herrn wegwischen: „Was, lieber Forschungsleiter, ist denn das gewünschte oder besser erhoffte Ergebnis der laufenden Studie mit – oder besser an mir?“
„Wie Du besser weisst als ich: Würde ich das Ziel vorgeben, wäre ich befangen – das Ergebnis muss offen bleiben“, antwortete ich kühl. „Aber eines ist sicher: Die Krümmung deiner Raumzeit hat bereits gut funktioniert. Du bist jetzt hier, bei mir.“
„Na, Du hast ja auch mehr Masse als ich“, grinste sie frech und schielte auf meinen Bauch.
„Du bewegst Dich an der Grenze zur Beleidigung, unverschämtes Weib!“ antwortete ich gelassen, aber deutlich. „Wenn Du den Fettgehalt der Frustrierten von vorhin mit meinem vergleichen würdest, würdest Du nicht so einen unakademischen Unsinn von Dir geben.“
„Ich habe doch nur auf einen physikalischen Zusammenhang hingewiesen, mein lieber Oliver! Ausserdem seid ihr Schweizer immer gleich so empfindlich.“ Sie rollte ihren Augen. „Wie soll ich mich da als deutsche Brat überhaupt entfalten können?“ Nun richtete sie ihre Pupillen nach links oben und klimperte mit den Wimpern, als wolle sie sich einen unschuldigen Anstrich geben.
„Vergiss es. Ich kenne Deine Beweggründe genau, und jetzt …“, ich senkte meine Stimme, um die anderen Anwesenden um uns nicht zu sehr zu irritieren, „… meine verdorbene Schlampe, werden wir sehen, wie wir das wieder geradebiegen. Besser gesagt, wie du das wieder geradebiegen wirst. Wir werden hier eine Möglichkeit finden, die Reinigung Deiner Seele, oder besser gesagt den Exorzismus, zu praktizieren.“
„Hier, in aller Öffentlichkeit? Ich bin nicht wie Elly aus Ihren beiden Romanen, Herr Wolff“, antwortete Marie trotzig und fuhr sich mit der Hand durch ihr helles Haar. „Nein, das bist Du nicht, Du bist eine Blondine! Aber mach Dir keine Sorgen, Du lebst noch nicht so lange in der helvetischen Eidgenossenschaft, dass man Dich so prominent kennt wie Elly und mich damals.“
„Ich dachte, Elly sei eine fiktive Person?“
„Sie war eine fick-aktive Person, das meinst Du wohl.“ Mein Lachen erregte die Aufmerksamkeit, die ich eigentlich vermeiden wollte, den die sollte dem Einstieg in das heutige Experiment vorbehalten bleiben. Ein wohl geplanter Ablauf, der sie Schritt für Schritt immer mehr aus dem Hier und Jetzt reissen sollte.
„Ja, Du scheust die Öffentlichkeit für alles, was mit Deiner Libido zu tun hat. Und dazu gehört offensichtlich auch Dein Auftritt vorhin mit Deinen lauten Pumps. Aber, und dafür wirst Du mir huldigen, ich habe eine Versuchsanordnung gefunden, wie wir das in einem einigermassen geschützten Rahmen ändern können.“
Ihr schönes Gesicht verriet eine innere Anspannung. „In einem Club spielen? No way!“, protestierte sie. „Du kannst gerne ohne mich auf einen Schlampenball gehen. Einfach safe, Herr Wolff, wenn es zum Äussersten kommt, ja?“
„Ich bin nicht der cholerische Dom G., der sich so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Ich handle sofort. Los, spreize Deine Beine und rutsch nach vorne!“
Das Blut schoss ihr ins Gesicht. Schauten uns die Passanten und die anderen Gäste immer noch an? Als sie die Frage für sich verneinen konnte, öffnete sie langsam ihre Beine unter dem Tisch. Ich streckte meinen rechten Fuss in ihren Schritt, die glatte Ledersohle berührte ihre Vulva. „Du wirst genau das tun, was ich von dir verlange. Daran wird sich nie etwas ändern.“
Offensichtlich von Scham getrieben, leistete sie Widerstand und rutschte mit dem Hintern wieder in Richtung Rückenlehne, um sich dem Druck meines Beines zu entziehen.
„Das Versteckspiel ist zu ende. Du ziehst jetzt die Schuhe aus.“
Etwas irritiert folgte Marie meiner Anweisung. „Jetzt trinkst du deinen Cappuccino aus und folgst mir in gebührendem Abstand, wie es im Zweistromland üblich ist.“ Ich griff nach einem ihrer Pumps, steckte ihn in meine Aktentasche und erhob mich, um das Café zu verlassen.
Marie blieb kurz verdutzt sitzen, liess dann aber die Tasse stehen und folgte mir, nur auf ihren halterlosen Strümpfen, den anderen Schuh in der Hand. Kein lautes Klappern mehr, das ungebetene Aufmerksamkeit erregen könnte. Stattdessen war es nun der Anblick ihrer schuhlosen Füsse, der es tat. Wie gnädig ich doch war, lachte ich innerlich, ihrem Wunsch nachzukommen. Ihr unsicherer Gang war unglaublich sexy, und ich hätte jede Wette abgeschlossen, dass zwischen ihren Schamlippen bereits viel von ihrem Nektar hervortrat. Wie nützlich, denn der Nachmittag hatte ja gerade erst begonnen.
„Spieglein, Spieglein an der Ladenwand, bald spielst du die Hauptrolle im Shopping-Land“, flüsterte ich in Vorfreude vor mich hin und steuerte auf ein ganz bestimmtes Geschäft zu.