Birch me

von M. Brody


Wir sind nachmittags im Grunewald, mit Cathy nehme ich kleine Wege abseits der üblichen Joggingrouten. Zeitweise laufen wir Hand in Hand, sie hat meine irgendwann ganz vorsichtig ergriffen, und nachdem sie mir einen tiefen Blick in ihre Augen gewährt hatte, war das okay für mich. Sie braucht ein bisschen Nähe. Mir ist nach Entschleunigung, Natur, Cathy passt da irgendwie hinein. Das Mädchen ist aus der Gegend von Leeds und erst seit einem Monat in Berlin. Bei einem Jazz-meets-Kink-Abendhatte ich sie zu Let’s Get Lostzum Tanzen aufgefordert, weil ich diesen Song, in Detroit `78 oder vielleicht `79 von Chet Baker wahnsinnig gut eingespielt, wirklich liebe und sie zuvor sehr hübsch Lindy Hop gezeigt hat. Ich habe schon lange nicht mehr so heiß getanzt wie mit ihr. 

Unser Ziel ist die „Alte Liebe“, der antiquierte und letzte Berliner Kaffeekahn an der Havel. Natürlich könnte ich ihr mein eingebläutes Schulwissen zu diesem Dampfer präsentieren, nur ist mein Englisch eine absolute Peinlichkeit und so kommt von mir höchstens ein „Old ship, coffee and cake, nice beach“. Als ich Kind war, lag die „Alte Liebe“ schon an der Havelchaussee, war aber fast wie eine Strafe. Das Essen war Erwachsenenessen und die Eiskarte minimal. Wir Kinder wollten sowieso immer nur ins WienerWald, wegen der leckeren Brathähnchen und der Pommes. Für den Erwachsenen, für mich ist das heute fast schon ein Sehnsuchtsort, ein Überbleibsel des alten Berlin. Die sollen mittlerweile ein gutes Kaffeesortiment haben, hörte ich unlängst und danach richte ich sowieso meine Unternehmungen aus. Touristenbusse finden dort nicht hin.

Es ist sommerlich warm, ich weiß natürlich nicht, ob Cathy mit dem Fehlen der Stadtgeräusche hier im Wald, zwei oder drei Kilometer sind wir wohl schon hinein gewandert, der frischen, grünen Dichte des Unterwuchses und mit den uns umgebenden Düften von Holz und Erde etwas anfangen kann. Sie ist noch so jung, macht hier in Berlin ihren Master. Ich verbinde mit dieser Atmosphäre eine ganze Menge, doch momentan bin ich das stillste Ich überhaupt, Sprachbarrieren sind für einen Vielerklärer hart. Vielleicht ist das auch mal gut so. Sollen doch die Gesänge der Vögel, das gelegentliche Rauschen in den Baumkronen und das frühsommerliche Summen der Bienen, immer wenn wir an einer Lichtung mit Wildblumen vorbeikommen, alles erklären. Cathy jedenfalls sammelt fleißig Fundstücke, ein paar Blümlein, ein Stück Rinde, einen runden Stein, steckt alles in ihre große Umhängetasche und löst sich dafür jedes mal von meiner Hand, was das Zurückkehren zu einem kleinen Tastfest für mich macht. Überhaupt, das Hand in Hand Laufen hat was; wie ein Liebespaar.

Irgendwann, das Zeitgefühl hat mich längst verlassen, gelangen wir an eine Stelle, an der der letzte Sturm zugeschlagen hat. Der Pfad ist nicht mehr existent, überall liegen umgebrochene Bäume. Wir sind beide beeindruckt angesichts dieses naturgewaltigen Chaos. Ich schlage vor, den Platz zu umgehen, dessen einstige Kronenüberdachung handballfeldgroß kreuz und quer am Boden liegt, doch Cathy reagiert nicht auf diesen Gedanken. Freudig redet sie drauflos. „You could birch me, take a bundle of twigs because I was a naughty girl.“ Ich schaue mich um, habe höchstens die Hälfte verstanden. Ich weiß nicht, was sie meinen könnte. Sie grinst allerliebst, ziemlich frech, redet weiter. „I stole one of your cigarettes.“ Tatsächlich zeigt sie mir eine von meinen Zigaretten, meine Marke. Hatte ich nicht mitbekommen. „What means birch?“ Ich bin ratlos, bis sie es mir zeigt, ein paar dünne Zweige aus dem Astwerk einer Birke abbricht, das unmittelbar vor uns liegt und eine Rute daraus macht. Sie drückt sie mir in die Hand. Jetzt verstehe ich. Sie möchte bestraft werden, nur reicht mir dazu dieser kleine Streich nicht. Auch weiß ich nicht, ob das der Ort ist, an dem ich das tun möchte. Ich lehne ab. Ihre Augen sind erst ganz groß, dann fängt sie sich wieder. Für einen Moment tauschen wir beide gar nichts miteinander aus, sprechen nicht und ich setze mich auf einen Baumstamm, während Cathy wenige Schritte entfernt stehen bleibt.

„You could show me your titties“, breche ich die Sprachlosigkeit und stelle für mich fest, wie sehr es mich reizt, ihre Brüste zu sehen. Sie ziert sich, in ihrem Gesicht erkenne ich, dass das andere, den Hintern herzuhalten, ganz leicht gewesen wäre, die Brüste aber zeigt sie nicht gerne. Sie hat eher eine kleinere Größe, das war mir längst aufgefallen. „Come on, show me!“ Sie quält sich, schiebt ihr Shirt langsam hoch bis unter das Kinn. Mit einer Handbewegung fordere ich das Ablegen des BH`s, doch sie schüttelt den Kopf. Ich trete an sie heran, flüstere, spreche Deutsch mit ihr und erkläre, wie sehr ich will, dass sie mir ihre Brüste zeigt, bis sie meint, ich müsste ihr dabei helfen, es wäre nicht einfach. Vor ihr stehend fasse ich um ihren Oberkörper herum, öffne den Verschluss, ziehe ihr das Shirt über den Kopf und streife den BH ab. Und dann schaue ich sie mir an.

Der Moment ist fast surreal, weil Umgebung und ihre derzeitige Lage nicht zueinander zu passen scheinen. Ich bekomme einen Schwall von Cathys Emotionen ab und reiche ihr nach allerhöchstens einer Minute den BH, damit sie ihn wieder anziehen kann. Vermutlich müsste ich etwas sagen, der Anblick war hübsch, Mädchenbrüste halt, eine Handvoll, doch etwas hindert mich daran. Stattdessen lächle ich, streichele ihren Arm und animiere zum Weitergehen. Der Moment war wundervoll, sehr intensiv und ungespielt und trotzdem oder gerade deswegen kommt mir der Altersunterschied in den Sinn. Es erregt mich schon, gegen die Zweifel, die mir das verbieten wollen, noch mehr Intimes mit ihr anzustellen. Aber ich mag es als potentielle Untat noch etwas länger in Gedanken behalten. Sie ist ja verfügbar, wie es scheint und der Himmel zieht sich gerade zu, ich fürchte, es könnte regnen.

Wir gelangen alsbald an die Havelchaussee, die wenig befahrene Straße, die über viele Kilometer die Trennlinie zwischen Wald und Fluss ist und extrem kurvig jede Ausbuchtung mitmacht, überqueren sie auf Höhe von Schildhorn, umgehen aber die stadtbekannte Halbinsel mit dem Gedenkstein. Ich versuche nicht, die dazugehörige Geschichte aus dem 12. Jahrhundert von Jacza, dem letzten Wendenfürsten in der Mark Brandenburg, zu erzählen, denn der Regen setzt gleich ein. Ich schleife Cathy regelrecht hinter mir her an den Havelstrand und gleich weiter flussaufwärts durch den Sand, obwohl sie die Weite der Flusslandschaft erst einmal fassen will, die mir seit Kindertagen vertraut ist. Wir kommen vielleicht 100 Meter weit, da löst sie sich aus meiner Hand. Eine uralte Weide ragt sehr flach und weit in den Fluss hinein. Sie liegt fast waagerecht über dem Wasser. Cathy läuft hinüber und erklimmt die Stammoberfläche, balanciert in Richtung der Krone, die wie ein nasser Haarschopf mit den Spitzen in der Strömung hängt. Sie geht langsam, erst geduckt dann aufrecht, während sie sich an den beinstarken Ästen festhält, die in unregelmäßigen Abständen gerade oder schräg nach oben ragen und dabei einen Laubengang bilden. Ich befürchte, sie könnte ins Wasser fallen, aber das geschieht nicht. „It`s amazing“, ruft sie mir zu. „What is the name of the river?“ Hatte ich gar nicht erwähnt, deshalb rufe ich zurück; „Havel“. Es beginnt zu regnen, doch ich merke, dass es mir nichts ausmacht und dass ich auch nicht mehr zur Eile drängen mag. Uns ist seit eineinhalb Stunden niemand begegnet. Die Stadt ist knackevoll mit Besuchern; hier sind nur Cathy und ich.

Es sind noch gut zwanzig Minuten, in denen wir uns nicht unterhalten, Cathy nur einmal anmerkt, dass ihr ein Stück Kuchen jetzt sehr gelegen käme. Der Regen will nicht aufhören. Ich hoffe still, dass der Kahn nicht längst zugemacht hat. Zumindest ist er nach einer sanften Flusskurve zu sehen. Am Steg angekommen, an dem die Alte Liebe festgemacht ist, deuten vor dem Schiffseingang aufgestellte Tische und Stühle darauf, dass Betrieb ist. Als wir eintreten, duftet es nach Kuchen. Ich war hier seit etwa 20 Jahren nicht mehr, es ist gemütlich, anders als in meiner Erinnerung. Wir werden von einem Kellner begrüßt und er fragt, wo wir sitzen möchten, erwähnt, dass das Gulasch aus sei, dafür aber fangfrischer Zander auf der Tageskarte stünde. Ich lächle, kann meine Freude über das Glück, ein gastronomisches Angebot vorzufinden, nicht verbergen. Als Berliner bin ich dahingehend Kummer gewöhnt, umso leichter aber zu begeistern. Wir finden die schönsten Plätze für uns am Heck, das der Flussmitte zugewandt, wie ein Séparée überdacht, ansonsten offen ist. Wie es scheint, sind wir die einzigen Gäste, es hat sich aber mittlerweile auch eingeregnet.

Cathy entscheidet sich für Rhabarber-Baisertorte und ich nehme ein Stück Aprikosen-Ricotta-Tarte. Wir haben uns nebeneinander gesetzt und lassen uns gegenseitig kosten. Der Kaffee ist toll und obwohl die Sonne heute wohl nicht mehr auftauchen wird, der Regen auf dem Fluss bereits Blasen schlägt, ist die friedvolle Stimmung hier etwas ganz Zartes, sie umhüllt uns. Ich lege meinen Arm um Cathys Schulter und sie lehnt ihren Kopf bei mir an. Nach vielen Augenblicken, während derer das Prasseln des Regens und die Flussgeräusche die einzige Unterhaltung sind, bestelle ich noch einmal Kaffee und Cathy holt die Birkenrute aus ihrer Tasche, schaut mich vielsagend an. Ich nehme sie ihr aus der Hand, bewege sie vorsichtig hin und her, als würde ich jemandes Hintern damit verhauen. Tatsächlich habe ich keine Vorstellung, wie effektvoll dieses Bündel biegsamer Reiser sein kann. Beinahe unbemerkt ist der Kellner an unseren Tisch gekommen. „Darf`s noch was sein?“ Ich bitte um die Rechnung. Er verschwindet und kehrt kurz darauf mit unserem Zettel und einem Tablett zurück. Zwei kleine Schnäpse sind darauf, er stellt sie uns hin. „Dit geht auf`s Haus, Haselnusslikör, den mach ick selber. Wohl bekommt`s!“ Ich bin aufrichtig gerührt. Cathy schaut mich fragend an, doch ich proste ihr zu und kippe den aromatischen Likör hinter. „Ich habe nachgedacht“, sage ich zu ihr auf Deutsch, als der Kellner abkassiert hat und bemühe mich, dabei böse zu schauen. „Das mit der Zigarette ist doch eine ernste Sache“. Wir blicken uns an. „Arme Cathy“, flüstere ich, „… du bist ein böses, böses Mädchen.“ Sie lächelt, denn sie versteht, wie ich das meine.

Gravitation

von Oliver G. Wolff


Es hatte weh getan. Ganz klar. Eine Trennung tut fast immer weh, auch wenn sie in den meisten Fällen auch mit einer Erleichterung, der Erlösung von einer Situation verbunden ist, die nicht länger haltbar war. Und war sie noch so ehrlich, sachlich und von beiden Seiten als die beste aller schlechten Möglichkeiten bezeichnet worden: Bei einer Trennung gibt es keine Gewinner, nur Verlierer. Die Emotionen, die grausamen Spielverderber, sie bestimmen immer mit. Das Hadern mit dem Unausweichlichen. Das Schicksal anschreien will man, warum es das alles mit einem tut, wohl wissend, es nie blind ist, sondern schlau und witzig. Nur sieht man das in diesem Moment natürlich nicht – weil man selbst derjenige ist, der blind ist.

Die Scheidung hatte sie endlich hinter sich gebracht und nun, so erfuhr ich, als wir uns nach ihrem Geburtstagsgruss an mich via Chat kurz austauschten: Sie hatte sie bereits wieder einen neuen Mann zur Seite. Gleiches Muster wie früher? Sich sofort in die Hände von jemandem stürzen, einfach, um nicht allein sein zu müssen? Ich stellte die Frage nicht. Aber man könne sich ja mal wieder sehen, einfach so, nach vielen Monaten der Funkstille?

Die Spiele – unsere Spiele – waren für sie offenbar vergessen. Oder sie waren einfach zur Seite geschoben, als wir uns wenige Wochen später zu einem schmerzhaft belanglosen Kaffee trafen. Warum hatte sie die Haare wieder dunkel gefärbt? Ja genau, Frauen, neue Beziehung, Haare – jetzt fiel es mir wieder ein. «Weisst Du,» sagte sie, «mein Ex hatte mir nie gut getan. Es war keine sinnvolle Unterhaltung mit ihm möglich – und ich weiss gar nicht, warum ich damals auf ihn reingefallen bin?»

Was für eine törichte Frage, dachte ich für mich selbst. Denn sie wusste es doch ganz genau: Dass sie nur Erfüllung findet bei den Männern, die sie schlecht behandeln. Die wilden Tiere, die sie auf ihren Platz verweisen. Nur wenn sie zu knabbern hätte, nur, wenn die Aufmerksamkeit ihres Partners jeden Tag neu gewonnen werden müsste und sie diese am Ende auch bekäme, selbst nur für eine kurze Zeit, dann konnte sie glücklich sein.

Schlecht behandeln.Die Erinnerung, wie die Gerte auf sie niedersauste, unzählige Male, und wie sie mich dafür geliebt hatte. Oder wenigstens begehrt. So präsent, gerade jetzt, in meinem Kopf. Doch ich schwieg.

«Mein neuer Partner ist so anders, er ist wirklich lieb und nimmt mich ernst, trägt mich auf Händen!» Ihr glücklicher Gesichtsausdruck: Gemalt wie eine Fassade. War es nur meine Interpretation, mein Wunsch, oder war die Dissonanz, die ich spürte, wirklich da?

Ernst nehmen. Die Erinnerung, wie sie mir gesagt hatte, dass sie einer tief eingeführten Hand zwischen ihren Beinen nichts abgewinnen könne, denn mehr sei nicht einfach besser. Und wie ich sie hinterher fistete und ihr Ejakulat meinen Unterarm duschte. Sie schrie. Wilde Harmonie, in Einklang mit sich selbst.

«Jenny, ich bin so glücklich darüber, dass Du wirklich jemanden gefunden hast, der zu Dir passt und der Dich glücklich macht.» Ich verwünschte diesen Typen. Er, der mich nicht kannte. Den ich nie kennenlernen wollte. Bestimmt hatte sie ihm nichts über die kleinen und grossen Perversionen erzählt, die sie mit mir geteilt hatte; dennoch trampelte er auf mir rum, ohne, dass er es wusste. Jenny war frei gewesen, als er sie kennenlernte, nach unserem Ende. Wie konnte ich ihm einen Vorwurf machen? Aber es ist jedem schon mal so ergangen, zum Beispiel wenn die Ex oder der Ex heiratet: Es trifft einen wie eine Urzeitkeule, egal, wie lange alles her ist. Das hätte er doch bedenken müssen, fand ich. Und Opfer haben immer Recht.

Beruflich laufe es ihr hervorragend, sie sei wirklich finanziell unabhängig geworden und arbeite in einem Umfeld, welches ihr sehr gefalle. Lauter ältere, nette Herren, schmunzelte sie – als wäre es ein sozialer Akt von ihr, sich den Greisen im Vor-Renten-Alter, die keine Häschen mehr schiessen, als junge, hübsche Frau zu präsentieren.

Ältere Herren.Die Erinnerung an unser MMF. Sie hatte es sich so gewünscht, und wir beiden Männer, doch etwas älter als sie, hatten sie fertig gemacht. Den ganzen Körper gerötet. Geöffnet. Gefüllt und sie deswegen hinterher verhöhnt. Sie kam. Und wie.

Die Trivialitäten unserer weiteren Unterhaltung eignen sich nicht zur Niederschrift. Als würden wir absichtlich um den wirklich heissen Brei tanzen, ihn aber nie nur mit einer Silbe erwähnen. Denn der Brei, auch wenn er uns zerstören könnte mit seiner Hitze, hatte eine übernatürliche, extragalaktische Gravitation. Ich war mir so sicher, dass diese Gravitation nicht nur auf mich wirkte. Schliesslich wirkt eine Anziehungskraft nie geschlechtsspezifisch. Schon gar nicht, wenn sie beide schon mal verspürt haben.

Gravitation.Die Erinnerung, wie wir, erschöpft von unserem Liebesspiel zu später Stunde einschliefen, eng ineinander verschlungen. Wärme. Duft überall. Nie wollten wir uns loslassen, niemand sich vom anderen wegbewegen, aus Angst, das Flüchtige des Moments könnte so schnell wie der Nebel verschwinden, wenn die Sonne aufgeht.

Die Sonne ging auf.

«Kann ich Dich mit dem Wagen nach Hause fahren?» fragte ich sie beim Abschied. «Nein, ich hab das e-Bike hier. Du weisst, etwas gesünder leben ist mir wichtig, in meiner neuen Situation.»

«Klar!» murmelte ich. Drei belanglose Wangenküsse später stieg sie auf, winkte so freundlich und unverbindlich wie eine Verkäuferin jeden Kunden verabschiedet. Aufgesetzt.

Ich fuhr nach Hause. Sie konnte sicher nicht ohne diesen Sex sein, den sie mit mir hatte. Und nie zuvor, und sicher nicht mit dem freundlichen, zuvorkommenden neuen Mann, der ihr alle Wünsche von den Augen abliest – ausser den perversen. Nein, das war ausgeschlossen.

Oder vielleicht doch nicht? 

Der Ärger machte sich breit, der Wutteufel sprang mir in den Nacken. Wozu war dieses Treffen gut gewesen? Wunden aufreissen, die nicht verheilen, allerhöchstens etwas vernarben? Warum hatte sie sich überhaupt darauf eingelassen, mich zu treffen? Musste sie ihren Sieg über mich, über unsere Affäre, demonstrieren? Sich vergewissern, dass ich inzwischen nichts weiter war als eine verblassende Fotografie, sicher verwahrt hinter Panzerglas? Oder war etwas ganz anderes dahinter? Der Schmerz in meiner Brust – er war physisch, nicht eingebildet. Hätte ich ihr sagen sollen, dass sie die einzige Frau ist, von der ich regelmässig träume? Hätte ich??

Es ist das Schicksal eines Herrn, dachte ich, dass er nur für gewisse Zeiten da ist. Der treusorgende Ehemann, das ist nicht seine Rolle. Und er liebt die Abwechslung, das ist sein Lohn dafür, dass er nach dem Akt streunend in die Nacht verschwinden kann. Muss.

Eigentlich.

Sechs Tage liess mich die Begegnung mit Jenny nicht los. Sechs Tage später ging ein fürchterliches Gewitter über meinem kleinen, bescheidenen Heim nieder. Als hätten sich meine Gedanken zu elektrisch geladenen Säulen aufgetürmt und wollten sich durch ihr Niederprasseln in Form von Regen noch einmal dafür an mir rächen, dass ich sie von der Leine gelassen hatte. Ich Idiot. Ein letztes Mal würden sie mir schaden wollen, ja, mich vielleicht sogar mitreissen in ihrem Strom, bevor sie im Dunkel der Kanalisation in den Schlund der Meere fliessen. 

Völlig unerwartet klingelte es an der Türe. Wer konnte bei diesem Weltuntergangswetter noch unterwegs sein? Zu mir? Als ich die Person erblickte, die vor meinem Eingang stand, musste ich mich am Türrahmen festhalten. Sie war es, Jenny, mit kaputtem Regenschirm, ein Rollkoffer an ihrer Seite. «Bitte…» begann sie, ohne den Satz weiter zu führen. «Komm rein!» antwortete ich. Aber sie blieb stehen. Jetzt erst merkte ich: Die Tropfen in ihrem Gesicht, sie stammten gar nicht vom Regen. Ich öffnete meine Arme. «Nein, ich kann nicht. Ich muss zurück! Ich gehöre nicht zu Dir – ich gehöre zu ihm! Wie, verdammt…!» klagte sie verzweifelt und drückte ihre Augen zu.

«Dein Kartenhaus stürzt gleich ein, Jenny. Mach den Schritt zu mir, bevor es Dich verletzt!» Mit einem fatalistischen Lachen fiel sie in meine Arme.

Die Ketten des Cerberus

von Oliver G. Wolff


Ich sah diese Frau klar vor meinen Augen, obwohl ich sie geschlossen hielt. Vielmehr, ich konnte sie nicht öffnen. Schwer wie Blei lag ich in meinem Bett und war gefangen in diesem berüchtigten Halbzustand, auf den weder der Begriff des Wachseins noch des Schlafes zutrifft. Nein, ich wollte nicht aufstehen – es war zu früh. Aber zurück in diesen fürchterlichen Albtraum von vorhin, das wollte ich definitiv auch nicht. Nicht nochmals in diesen Kampf, die Mühen, die Abwehr einer monsterhaften Realität, welche keine war, sondern nur die Laune meiner inneren Gespinste. 

Der Schweiss, in welchem ich mich gebadet fühlte, war inzwischen kalt geworden. Langsam verflüchtigte sich die Angst vor dem Nachtmahr, der mir den Verlust eines geliebten Menschen vorgegaukelt hatte. Mein Selbstbewusstsein erwachte und mit ihm meine Fähigkeit, wieder klar denken zu können.

Wie hatte das nur passieren können? Diesen geliebten Menschen kannte ich gar nicht. Es war eine rein zufällige Begegnung mit dieser Frau gewesen, deren Namen ich nicht mal kannte, am gestrigen Abend, und diese Szene hatte mich eingeholt, ohne, dass ich es gewollt hätte. Sie war mir aufgefallen, als ich am Hauptbahnhof im Chaos der verspäteten Vorortszüge Orientierung suchte. 

Ihr Gang auf durch die Massen der Pendler war auffällig – weiblich, aber gekonnt und offenkundig mit klarem Ziel. Ihre sorgfältig komponierte Erscheinung triggerte meinen Sinn für Erotik wie eine perfekte Akupunktur: Dunkle, nicht zu sehr geschminkte Augen, wilde, schwarze Haare, enger Rock, Netzstrümpfe, Business-Pumps. Unter dem hellen Regenmantel schimmerte eine lila Bluse durch. Nichts Aufregendes für sie, nichts Aufsehenerregendes für die Masse. Nur für mich. Sie lenkte meine Gedanken auf sich, ohne, dass sie es wusste oder beabsichtigte. 

Oder etwa doch?

Verdutzt stand ich in der Halle des Bahnhofs, vor der riesigen Tafel mit den Abfahrtszeiten, als ich bemerkte, dass sie tatsächlich auf mich zukam. Sie ignorierte mich, schien beschäftigt in ihren Gedanken, nahm mich wahrscheinlich nicht mal wahr. Dennoch steuerte sie auf mich zu, beinahe auf Kollisionskurs. Mein Herz begann zu rasen. Was wurde hier gespielt?

Sie lief direkt vor mir durch und dann weiter, Richtung Bahngeleise. Ihr Duft stieg mir in die Nase. Oh welch wunderbares olfaktorisches, betörendes Kunstwerk! Ihre Pheromone schlichen sich in meinen Leib und beraubten mich der Fähigkeit, die Kontrolle über mich zu behalten. Ehe ich mich versah, war ich nicht mehr bei mir. Meiner Sinne entrückt, taumelte ich in eine andere Welt.

Es war gar keine Frage, kein Abwägen von Für oder Wider. Mein Unterbewusstsein setzte meinen Körper in eine Laufbewegung und liess ihn der Frau folgen, hin zu den Perrons. Beinahe blind war ich, so sehr verzehrte ich mich nach diesem Wesen, welches ich gar nicht kannte. Nur kurz, als ich einen anderen Passanten streifte, dem ich unter normalen Umständen bestimmt ausgewichen wäre, meldete sich die Vernunft zurück und artikulierte ein «Verzeihung!». Genau in diesem Bruchteil von Sekunden traf mich wie ein Blitz diese Erkenntnis, dass ich gerade dabei war, zu stalken, zu nötigen. Jemanden zu verfolgen, sexuell getrieben wie ein Tier. Jedoch dauerte dieser luzide Moment, in welchem ich erkannte, wie unmöglich ich mich gerade anstellte, kaum länger als dieser metaphorische Blitz. Meine Beine hatten mich inzwischen viele Meter weitergetragen, ohne, dass ich ihnen bewusst einen Befehl dazu erteilt hätte.

Eine innere Stimme flüsterte zu mir: «Ketten!» Das Wort drehte sich in meinen Hirnwindungen, im Takt meines Schrittes. «Ketten!»

Das Objekt meiner Begierde – durfte ich sie so bezeichnen? – bestieg einen Zug. Ich kannte nicht mal dessen Destination, bemühte mich auch nicht, sie zu erfahren; sie spielte auch keine Rolle, denn völlig unabhängig davon stand der Entschluss fest, dem ich nachlebte: Ebenfalls einzusteigen. In einer Vierer-Sitzgruppe nahm sie Platz. Was für ein Glück: Der Platz gegenüber war frei. Beinahe hektisch, bevor mir jemand anders zuvorkommen konnte, stürzte ich mich auf den Sitz. Sie würdigte mich und mein komisches Benehmen keines Blickes, sondern vertiefte sich in das Blinken der farbigen Punkte ihres Smartphone-Bildschirms. 

War ich denn völlig verrückt geworden? Ich starrte sie an und blendete aus, dass es noch andere Leute im Zug gab. Doch ich nahm sie nicht wahr. Waren sie überhaupt da? Die schwarzhaarige Schönheit überwältigte mich immer mehr, alleine durch ihre Nähe. So sehr, dass es mir unheimlich wurde. War sie eine Hexe? Bestimmt war sie das! Sie sandte Wellen ihres Körperduftes mit mystischer Wirkung zu mir. Es war völlig offensichtlich, dass sie es absichtlich und hinterlistig tat, und mein limbisches System damit auf einen Höllenritt jagte. Nicht in tausend Jahren hätte ich von ihr ablassen können, jetzt, wo ich ihr so nah war. 

Mit jeder weiteren Minute, in welcher ich sie anstarrte, reifte die Einsicht, dass diese Frau eine Gefahr darstellte. Ihre Sogwirkung war es, welche bestimmt die gesamte Männerschar der Welt in einen Strudel hineinziehen und wie in einem schwarzen Loch in sich verschlingen wird. Es musste etwas geschehen. Dieses Risiko für den Fortbestand der Menschheit musste gebannt werden, und zwar unbedingt und sofort; und der einzige Mensch, der diese heroische Leistung erbringen konnte, war ich. 

«Ketten!» hörte ich die Stimme in mir wieder flüstern.

Der Zug setzte sich in Gang. Ich musste den richtigen Moment abwarten, um ihrer Habhaft zu werden, auf irgend eine Weise. Doch das toxische Gemisch aus Photonen und feinstofflichen Essenzen, welches diese Frau aussandte, drohte mich meiner Sinne vollends zu berauben. Es kostete mich meine ganze Energie, nicht über sie herzufallen, und gerade auf dem Höhepunkt meines inneren Kampfes blickte sie unvermittelt zu mir auf. Direkt ins Mark traf sie mich damit, ohne, dass ich darauf eine sinnvolle Antwort gehabt hätte. Als hätte sie die ganze Zeit gewusst, dass ich sie mit meinen Augen fixiert hatte, lächelte sie verständnisvoll. Nein, es war mehr als das. Vielmehr liess sich aus ihrer Mimik schliessen, dass sie dieses Verhalten erwartet hatte, mehr noch, sogar gewollt.

Ihre bisher übereinandergeschlagenen Beine nahm sie nun auseinander, ohne ihre Augen von mir deswegen abzuwenden. Sie zog ihren Rock hoch, um mir den Blick auf das freizugeben, was jede anständige Frau verbirgt. Die Netzstrümpfe waren halterlos. Slip trug sie keinen. Ihre Pussy war blank und in den Schamlippen trug sie vier Ring-Piercings, welche miteinander verhakt waren. Siegesgewissheit in ihren Augen. Hatte sie denn gar keine Angst, dass wir beobachtet wurden? 

«Ketten!» durchfuhr es mich erneut. 

Der Zug steuerte auf die erste Haltestelle zu und verlangsamte seine Fahrt. Diese Schamlosigkeit, verdammt! Das konnte ich nicht durchgehen lassen. Bevor Schlimmes passieren konnte, fast in Panik, fasste ich ihre Hand, zerrte sie hoch aus ihrem Sitz und eilte mit ihr dem Gang entlang und hinaus aus dem Waggon. Beobachteten uns die anderen Fahrgäste? Ich weiss es nicht. Widersetzte sie sich? Es wäre mir in diesem Rausch, der wie in Agonie übermenschliche Kräfte in mir freisetzte, nicht aufgefallen.

Eine verlassene, unbedeutende Bahnstation mit nur einem Gleis war der Ort, an dem wir gelandet waren. Die anderen paar Fahrgäste, welche den Zug ebenfalls hier verlassen hatten, an diesem gottvergessenen Ort, verflüchtigten sich in der Abenddämmerung wie Staub, und das innerhalb von Sekunden. Nur noch ich stand dort, als der Zug sich wieder in Bewegung setzte. Und sie. Der Ruck, der durch die Waggons ging, liess die metallenen Kupplungen zwischen ihnen rasseln.

«Ketten!» Immer wieder sprach die innere Stimme zu mir.

Die Frau war noch immer nicht schockiert. Nicht mal erstaunt. Als wäre alles ihr Plan gewesen, von Anfang an und ich nur ihre Marionette. Es musste passieren, jetzt. Dieses drohende Verbrechen musste verhindert und das Überwältigen meiner Person durch diese Venusfalle durfte nicht ungesühnt bleiben. Wieder fasste ich ihre Hand und suchte ziellos nach einem Raum, einer Destination, wo ich ihrer vollständig habhaft werden könnte. Meine Nervosität wich, als ich das leicht verfallene Bahnwärterhaus neben dem kleinen Empfangsgebäude erblickte. Sein Zugang war zwar fast zugewachsen, doch wie magisch zog mich diese kleine Holzbarracke an, mit einer für mich unerklärlichen Klarheit, dass es dort geschehen müsse. Dass dies der Ort der Bestimmung sei, ein Imperativ des Universums, dem ich zu folgen hatte.

Wir traten durch die unverschlossene Türe ein, und kaum drin, erlangte ich die Gewissheit: Es war der Raum, dessen Stimme zu mir gesprochen hatte. Seine Wände waren voll mit Ketten behangen, der Verputz darunter durch sie fast vollständig verdeckt. Unterschiedliche Längen und Stärken. Schlösser. Haken. Geruch von Karrenschmiere.

Mit tiefer, ruhiger Stimme begann sie, mich nun auch akustisch zu vereinnahmen. «Du glaubst nicht wirklich, dass Du mich bändigen kannst, unbekannter Mann, der die Dominanz angeblich so sehr beherrscht?» Was wusste diese Frau von mir? Ich schluckte leer, bevor ich ihr etwas entgegnen konnte: «Ich muss und werde es tun!» War es Übermut? Meine Intuition zwang mich, zu versuchen, die Wirkung ihres Zaubers in erträgliche Bahnen zu lenken. Ich musste wissen, ob ich, mein Mund und meine Hände das geeignete Gegengift wären, um sie endlich zu kontrollieren. Entweder ich würde es schaffen, oder dabei untergehen.

Ganz nahe zog ich sie an mich heran. Meine Lippen trafen die ihren, ihre Augenlider senkten sich in unendlichem Genuss, und kurz darauf schloss auch ich meine Augen. Unsere Zungen vollführten ein Ballett höchster Akrobatik. Ihr Speichel wirkte auf mich wie eine Essenz aus Honig und Chili, beinahe schmerzhaft, aber zu unwiderstehlich, um sich zu lösen. Zärtlich war ich zu ihr, fast zahm für dieses verdorbene Weib. Meine Hände zogen ihren Mantel langsam aus, dann ihr Hemd, zogen am Reissverschluss ihres Rockes, welcher zu Boden segelte. Sie liess mich gewähren, versunken in meiner Innigkeit, meiner Nähe. Sie war weich, weich wie flüssiges Wachs. 

«Wachs!» hörte ich die innere Stimme zu mir sagen.

Als ich meine Augen öffnete, war das ganze Innere des Bahnwärterhaus plötzlich von duzenden Kerzen erleuchtet. Es erstaunte mich mehr, dass mich all dies nicht mehr erstaunte. Die Szene war so unreal, dass auch dieses Phänomen keiner Erklärung bedurfte. Sie entledigte sich selbst dem Rest ihrer Kleidungsstücke, dann legte ich sie sanft mit dem Rücken auf den mittig im Raum gestellten Tisch und begann mein Werk.

Die Ketten. 

Ich nahm die ersten davon von der Wand und fuhr mit dem kalten Metall sachte über ihren nackten Körper, beginnend bei der Schulter, hinab über ihre Brüste. Dort liess ich es kreisen, holte damit aus und streifte die Knospen mit etwas Härte, was mir einen leicht empörten Blick einbrachte. Doch ich liess mich nicht abbringen und lenkte die Kette weiter bis zu ihrem wohlgeformten, rechten Fussknöchel, gleich oberhalb der Lederkante ihres Schuhs. Diesen küsste ich sanft und mehrere Male, beinahe fanatisch, bevor ich die erste Kette daran befestigte. Sie liess es zu, es gefiel ihr sogar offenkundig. Und so wiederholte ich das gleiche Prozedere dem linken Bein, mit der zweiten Kette. Im Anschluss zog ich die dritte, stählerne Gliederreihe über ihre Hüfte, dort, wo die kleinen Einkerbungen des Rocks auf ihrer Haut noch sichtbar waren. Die beiden Enden des Metalls verschloss ich an der Unterseite der Tischplatte. Die vierte Kette zog ich leicht über Brusthöhe unter den beiden Achselhöhlen durch und sicherte sie ebenfalls. Jetzt hatte ich sie vollständig in meiner Macht. Endlich.

Ich wollte sie so lieben wie nie ein Lebewesen zuvor, so sehr vergötterte ich sie. Wie die Erfüllung einer Prophezeiung. Gleichzeitig musste ich es tun, denn es war die einzige Möglichkeit, den Rest der Welt vor ihr zu schützen, vor dem Unheil, dass sie anrichten könnte. Der Drang, diesen gefallenen Engel durch mich, meine Aktionen so sehr zu absorbieren, zu befriedigen, dass er nie mehr die Lust verspüren würde, andere Männer auf seine teuflische Weise zu verführen und zu zerstören: Er war unbändig.

Für die Fortführung meines Werkes hatte ich einen klaren Plan. Woher hatte ich diese Klarheit, in diesem obskuren Moment voller aneinandergereihten Unwahrscheinlichkeiten? Wie ein Jüngling sprang ich auf den Tisch, zwischen ihre Beine und begann sie an ihrer intimsten Stelle zu liebkosen. Es war meine Strategie, um sie zu vereinnahmen. Sorgfältig löste ich ihre Piercing-Ringe, welche so warm waren wie ihr Fleisch – beinahe noch heisser – und öffnete ihre Vulva. Mit meiner Zunge drang ich tief ein und fühlte mich auf einmal wie benommen, von ihrem Duft wie von einer Rose, so wohltuend frisch. Sie begann zu stöhnen, nein, es war bereits mehr… es waren laute Lustbekundungen, eine Freude, welche durch kleinste Bewegungen in ihrem Unterleib ihre Fortsetzung fanden und mich weiter aufputschten, ihr diese unendliche Lust zu verschaffen, die die Gefahr, die von ihr ausging, für immer auslöschen würde.

Als ich einen Finger in ihren Anus stiess, zwei weitere in ihrer Pussy bewegte und ihren Kitzler mit kombiniertem Effekt aus Auf-und-Ab-Bewegungen Lippen und Zunge in bearbeitete, explodierte sie innert kürzester Zeit. Die Ketten rasselten, es schüttelte ihren Leib durch, als wäre er von tausend Skorpionen gleichzeitig gestochen worden. Minutenlang wurde ihr Körper nur von den Ketten noch auf dem Tisch gehalten.

Stolz war ich, und fuhr kühn fort: «Du wirst keinem anderen Mann je dienen, keinen verführen!» Doch sie verstand nicht. Oder wollte es nicht verstehen. «Gib mir nur einen Grund, warum ich das unterlassen sollte? Lecken kann mich jeder, auch ohne Ketten.» spottete sie. 

«Wachs!» durchfuhr es mich. 

Ich folgte meiner inneren Führung und holte zwei der Kerzen, um sie neben ihr auf den Tisch zu stellen. Unerwartet schnell war sie entsetzt und äusserte beinahe zornig ihren Einwand: «Nein! Das darfst Du nicht! Das sind heilige Kerzen! Lass das Feuer dort, wo es hingehört!»

Also doch, es waren dunkle Mächte im Spiel. Sie hatte sich verraten, mein Verdacht wurde zur Gewissheit. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht griff ich wieder zwischen ihre Schamlippen und begann, sie zu massieren. «Ach, wie der Teufel das Weihwasser? Schauen wir doch, ob der Teufel, der in Dir wohnt, auch mit gesegnetem Feuer umgehen kann.» Während dem ich ihre Lust weiter mit der einen Hand stimulierte, hielt ich in der anderen Hand die erste Kerze und träufelte deren heisses Wachs über ihren Unterleib. Sie begann zu keifen, über diese Mischung aus manipulierter Lust und den Schmerzen, welche doch so schlimm gar nicht sein konnten? Erbarmen jedenfalls hatte ich keines, denn ich wusste, dass ich sie so sehr schnell zu einem zweiten Höhepunkt bringen könnte. Das Wachs erreichte über einen Bogen zuerst die Oberschenkel, dann den Venushügel und am Ende die Klitoris. «Bettle um ihn, bettle um den Orgasmus, kleiner Satansbraten!» rief ich ihr zu. Doch sie schnaubte, gurgelte und wand sich in den Ketten. Ihre Spucke lief ihr aus dem Mund, beinahe wie bei einem tollwütigen Tier. Sie wollte den Orgasmus nicht – nein, vielmehr wollte sie oder was immer in ihr wohnte mir diesen Triumph nicht gewähren. Doch ich war stärker, wie ein Exorzist fühlte ich mich. Kurz vor dem zweiten Höhepunkt schrie sie: «Beim Luzifer!!! Ich will!!!». Erneut rasselten die Ketten so heftig, als würde Cerberus versuchen, sich aus der Hölle zu befreien.

Als die Anspannung von ihr gewichen war und sie ihre Augenlider wieder öffnete, grinste ich sie an, sie, wie sie völlig von der Rolle da lag. «Und?» fragte ich sie, «Wirst Du es jetzt unterlassen, andere Männer zu verführen?» 

Sie nickte, aber fast unmerklich. «Schwöre es!» Sie verneinte. Ihr Widerstand war noch nicht ganz gebrochen, der Teufel offensichtlich noch nicht von ihr gewichen. «Es scheint, als sei das Lodern der Flammen in Deiner Hölle nur mit Flüssigkeit zu stoppen!» Ich begab ich mich auf ihre Kopfhöhe, kniete auf den Tisch und holte meinen Prügel aus der Hose. «Los, blas ihn!»

Und wie sie das tat! «Wie viele Meter Schwänze hast Du schon so befriedigt?» fragte ich sie. Doch es kam keine Erwiderung. Sie widmete sich voll und ganz meinem Schwanz, als sei dies ihr einziger Lebenssinn, etwas, was sie auf eine höhere Ebene bringen würde. Die Gefühlsströme in meinen Nervenbahnen wurden stärker und stärker, bis mein gesamter Unterleib von diesem unbeschreiblichen Gefühl umfasst wurde und ich ejakulierte. Diese Menge! Es war zu viel für sie, sie konnte nicht alles aufnehmen. Am Ende sprudelte aus ihrem Mund hinaus und tropfte schliesslich an ihren Wangen runter. Was für eine Wucht! 

Wie hübsch, wie entspannt, ja beinahe unschuldig sie auf einmal aussah. Sie hatte dieses Sternenglitzern in den Augen, als hätte sie tief in ihrer Seele die Erlösung gefunden, den Weg aus einer Verdammnis, die sie gefangen gehalten hatte. Alles an ihr war unwiderstehlich, aber nicht mehr so bedrohlich wie zuvor. Die Hitze meines animalischen Verlangens hatte sich verwandelt in eine Wärme, tief in meinem Herzen. Ich musste sie einfach küssen, und mit ihr den Geschmack meines Saftes teilen. Sie sollte mein sein, für immer.

Auf einmal hörte ich das Signalhorn einer Lokomotive. Wiederholt. Es kam näher. Doch ich wollte mich von ihr nicht lösen, um nachzusehen, der Moment war so kostbar, so innig, wir zwei gegen die Welt. Doch das Horn klang in immer kürzeren Abständen. Urplötzlich durchfuhr es mich: Es war nicht ein normales Signal, es war eine Warnung. Diese Kadenz, diese Intensität konnte nur auf eine sich anbahnende Katastrophe hindeuten. Eine, in deren Mitte wir uns befanden. Irgendetwas lief fürchterlich schief. 

«Ketten!» hörte ich die innere Stimme sagen. 

Tatsächlich, die Ketten an den Wänden klirrten, klapperten aufgrund von Vibrationen, die das ganze Gebäude zu erfassen begannen. Doch die Stimme meinte etwas anderes. Mörtel fiel von der Decke. Die Erschütterungen konnten unmöglich von einem normalen Zug herrühren! Doch mein Mund klebte fest an meiner Geliebten fest. Dabei wollte ich uns retten, es ihr sagen: Es rast ein Zug auf uns zu, ich muss Dich befreien, aus den Ketten, meine innere Stimme hat es mir befohlen! Doch ich konnte nicht. Sog sie zu fest an meinen Mund? Oder hatte ich auf einmal die Kraft verloren, mich ihr zu entreissen? Wie gelähmt war ich, wie in diesem Zustand, in welchem man sich selbst als wach wahrnimmt, aber doch schläft. Als ich sah, wie das Licht immer näher kam, erkannte ich sie: Eine Dampflokomotive! Woher verdammt eine Dampflokomotive?? Sie fuhr neben den Geleisen und auf dem direkten Weg auf uns zu, um das Bahnwärterhäuschen und uns mit ihm zu zerstören. Dann endlich liess meine Geliebte mich los und lachte, sie lachte schallend und aus ganzem Herzen. «Warum nur, warum nur lachst Du? Ich liebe Dich, ich will Dich losbinden, los, hilf mir!» schrie ich im aufkommenden Getöse und zerrte an den Metallgliedern, auf dass sie meine Dulzinea bitte in die Freiheit entlassen würden. Die Geister, die ich rief – die Ketten, die ich nicht los wurde. Doch sie antwortete mit einer Seelenruhe: 

«Die Realität weicht,

aber die Erinnerungen bleiben.

Auch wenn die Liebe weint

alle guten Dinge sterben.»

Das letzte, was ich registrierte, waren die Wände, wie sei einstürzten, die Ketten von sich warfen, quer durch den Raum, der durchbohrt wurde durch die rohe Gewalt eines riesigen, metallenen Ungeheuers.

Schweissgebadet wachte ich auf, Tränen in meinen Augen. 

Die Frau im Käfig

von M. Bordy


Ich wusste nicht, wie es sich anfühlt, auf einem Käfig zu sitzen, in dem eine Frau nackt hockt und dabei zu Boden schaut. Wobei ich, als ich den Raum betrat, kurz den Eindruck hatte, sie hätte ganz zaghaft zu mir geschaut. Ihr Besitzer, ihr Herr und Meister oder wie auch immer er sich bezeichnet, er hatte sich dahingehend nicht vorgestellt, lud mich freundlich ein, auf der schwarzen Kunstlederauflage Platz zu nehmen. Und ich nahm an. Wir unterhielten uns über dies und das und ich gebe zu, dass ich mich fragte, was sie dabei gerade dachte und ob sie in diesem Augenblick wirklich zu Boden blickte.

„Wie ist das so, wenn sie sie in den Käfig stecken?“, fragte ich unversehens, weil es mich interessierte und weil ich das Gefühl hatte, diese Frage stellen zu können. Er schaute mich dabei nicht an, sein Blick ging eher in die Leere der Raummitte und an seiner Mimik konnte ich nicht erahnen, ob ihm diese Frage vielleicht zu intim war. Er ließ sich Zeit und so rechnete ich fast schon nicht mehr mit einer Antwort, als er zu erzählen begann. „Sie hasst es, vorgeführt zu werden. Sie schämt sich dabei fürchterlich und im Stillen hofft sie ein jedes Mal, dass niemand herein kommt. Es gab schon Tage, da hatte sie Glück und es waren nur Paare hier, die mehr mit sich selbst beschäftigt waren, als dass sie ihr Aufmerksamkeit schenkten.“ 

Mehr wollte er von sich aus dann wohl nicht erzählen und so schaute ich nach einer kleinen Weile einfach unter mich, denn ich war neugierig und ich nahm in Kauf, dass ich ihr damit schon Unbehagen bereitete. Ich konnte ihre linke Hand sehen und einen Teil ihres Beines; für mehr fürchtete ich, von der Sitzauflage zu fallen. Somit wollte ich es vorerst dabei belassen, da setzte er erneut an. „Gehen sie ruhig näher heran, das muss sie abkönnen. Nehmen sie sich Zeit, sie ist doch auch ein hübsches Ding, das einen ausgiebigen Blick lohnt“, meinte er ermunternd zu mir. 

So wie ich eine Antwort in der Art erhofft aber nicht unbedingt erwartet hatte, brauchte ich Sekunden der Besinnung und ließ mich dann geruhsam von dem Käfigdach herab. Ich ging in die Knie und hockte so ihrem Hintern gegenüber, der wirklich schön war und mich ein Alter höchstens um die Dreißig herum erahnen ließ. Sie hatte welliges, schulterlanges braunes Haar, das keinen Blick auf ihr Gesicht von der Seite her zuließ. Ihre Brüste waren nicht sehr groß, aber auch keinesfalls klein und sie hingen leicht und zauberhaft herab. Beide Brustwarzen waren beringt und zierlich in einem dunklen Braun, das nur unwesentlich heller war als die Farbe ihres Haares. Sie schien wirklich nach unten zu schauen, wovon ich mich aber noch überzeugen wollte, in dem ich an die Stirnseite des Käfigs wechselte.

Oh, was hatte ihr Herr sogar noch untertrieben, denn als ich ihr Gesicht sehen konnte, zeigte sich mir die blanke Schönheit einer Frau von vielleicht vierzig Jahren; soweit hatte ich mich geirrt, als ich sie jünger geschätzt hatte. Ihre Haut war makellos bis auf kleinste Fältchen um die geschlossenen Augen herum. Sie wagte es offensichtlich nicht, sie zu öffnen, solange ich ihr nahe war und ich konnte mich nicht abwenden, atmete geradezu ihren Anblick. Alles an ihr, besonders ihre Haltung im Hündchenstil, reizte mich auf fast schmerzhafte Art und ich konnte meine Erregung längst nicht mehr unterdrücken, war sie doch keinesfalls nur körperlich. Da nahm ich wahr, dass er sich ebenfalls hinab begeben hatte und dass er soeben dabei war, ihr einen schwarz glänzenden Plug anzutun. Ich wollte etwas sagen, sie warnen, doch hielt ich inne, wie es vernünftig war, konnte ich mich doch keinesfalls in das Spiel der beiden einmischen. 

Ich wendete gerade noch rechtzeitig meinen Blick wieder auf ihr Gesicht, als sich ihre Augen vor Schreck und wohl auch aus Schmerz weit öffneten und ihr Mund aufging, ohne dass sie auch nur einen Ton von sich gab. Als würde sie nur mich ansehen, starrte sie mit Augen, die in einem unglaublichen Graublau waren, das mich niederzuschmettern drohte, denn sie waren das, was mir an ihrer unglaublichen Schönheit nur gefehlt hatte. Ihr Mund blieb geöffnet, bis der Speichel aus ihm herausrann und sie ihn langsam wieder schloss und mich nun tatsächlich anblickte. Ich konnte nichts sagen, hätte zumindest meine Lippen lautlos Worte formen lassen wollen, doch es fielen mir keine ein, die meine Gefühle in diesem Moment hätten ausdrücken können und die für sie irgendeine Bedeutung gehabt hätten. Ich fühlte den Neid auf diesen Mann in mir, denn sie schien ein so liebenswertes Wesen zu sein und sie gehörte ihm, was ich für unerschütterlich hielt. Als ich mich aufrichtete und dabei auf die Sitzunterlage stützte, war er bereits aufgestanden. Er lächelte, was keinesfalls verächtlich wirken sollte, vielmehr drängte dieses Lächeln mich dazu, jede Verstellung zu unterlassen. Er dankte mir, weswegen ich meine Rührung nicht verbarg und ging.

Wenig später saß ich allein bei einer Tasse Kaffee und ich dachte darüber nach, dass ich wohl Teil eines Spiels geworden war. Ich bereute meine Neugier und tat es auch wieder nicht, weil ich mir nicht sicher war, ob ich auf diesen Moment hätte verzichten wollen, der mich so berührt hatte. Ich würde ihren Blick nicht vergessen können. Das war der Schmerz, den er mir zugefügt hatte.

Sappho-Mädchen

von Oliver G. Wolff


«Sieben Jahre?» wiederholte ich ungläubig. Schon seit so langer Zeit habe sie in einer Frauenbeziehung gelebt, und jetzt dürste es sie auf einmal nach einem Mann? «Na, hast Du noch immer Lust auf ein Kennenlernen, oder willst Du unser Telefongespräch gleich beenden?» fragte sie mit einem Ton, der ihre Frage als Herausforderung demaskierte. Natürlich hatte ich Lust. Estelle hiess sie. Was für ein hübscher Name!

Sie wollte mir kein Foto von sich senden, angeblich habe sie kein gutes. In meinem Kopf komponierte ich aus Stimme und ihren Schilderungen ein buntes Bild von ihr. Aber ich war etwas verwundert, sie über dieses Erotik-Portal kennenzulernen. An diesem Ort, wo es um die heftigeren Spielarten zwischen erwachsenen Menschen ging.

Es war das erste Gespräch, das erste Mal, dass ich ihre Stimme gehört hatte, nachdem wir schon Nachrichten ausgetauscht hatten. Sie war auf der Suche nach Erotik der speziellen Art. Wohin die Reise gehe, wisse sie nicht und überhaupt, ihre Sexualität sei zu unbändig, zu generell, zu umfassend, als dass sie in irgendwelche Raster von Homo, Bi oder Hetero zu passen würde. Sie sei jetzt Mitte Dreissig, Zeit, das Leben zu geniessen. Ins dunkelste Schwarz abzutauchen, weg von der Langeweile, die sich in ihrer Beziehung eingeschlichen hatte, das wolle sie.

«Aha…», bemerkte ich, «…ich war immer davon ausgegangen, dass die gleichgeschlechtlichen Paare sexuell aktiver sind als die Heten, wie ihr sagt, und sich die Aktivitäten auch weniger rasch abnutzen?» Der Luftstoss, den sie durch die Nase bliess, war gut zu vernehmen. «Du bist reichlich naiv. Bei den Männern geht das nur, weil sie häufig promiskuitiv sind – bei Frauen gar nicht, die bleiben sich ein Leben lang treu.» So in etwa hatte ich ihre Antwort vermutet, aber sie liess eine Flanke offen, die ich umgehend nutzte. «Ach, so treu wie Du?» 

Treffer. Sie schwieg. Aber ich wollte sie gar nicht lange provozieren und ergänzte: «Ich kann Dir Schwarz in allen Schattierungen liefern. Von Nachtschwarz, Kohlenkellerschwarz über Kerkerschwarz bis hin zu Rabenschwarz. Welches darf es denn sein?»

Estelle überlegte nicht lange: «Allesamt»

Ein Gentleman bleibt zurückhaltend, bis er sich ganz sicher ist. Bestimmt hätten andere Männer die Gelegenheit ausgenutzt und sie gleich in einen Raum bestellt, welcher für harte Spiele ausgerüstet ist. Eigentlich waren ihre Signale ja auch eindeutig. Doch ich hörte weiter zu. «Ich hätte gerne, dass Du mich fesselst. Mit Tüchern vielleicht, damit es nicht so weh tut – ich bin schliesslich nicht maso».

Auch wenn sie eine frühere Männerbeziehung mit jemandem aus der LGBT-Community am Rande erwähnte, war ich doch sicher, dass diese wohl nicht in der Form war, wie ich sie mit dem weiblichen Geschlecht pflegte. «Fesseln ist für mich nur ein Mittel zum Zweck. Und, dass Du nicht masochistisch bist, nun – wir werden sehen. Ich bin fast sicher, dass ich Dich das Gegenteil lehren kann.»

Nach einer kurzen Denkpause antwortete sie: «OK, aber nur gegen Sex. Deal?»

Unser erstes Treffen fand an einem warmen Sommertag statt, an einem Fluss, welcher beidseitig von einem Wald gesäumt war. Als Zeichen dafür, dass ich über sie und ihre Lust verfügen dürfe, wäre das Überreichen ihres Slips – so, wie ich es immer hielt. Estelle bog auf den Parkplatz am Waldrand ein, etwas verspätet. Die Frau, die einem schnittigen Coupé entstieg, war mittelgross, hatte sehr dunkle, teilweise braun aufgehellte Haare mit einem seitlichen Undercut und Augen, deren Pupillen man durch deren Schlitze kaum richtig erkennen konnte. Sie war nicht jemand, an dem Rubens seine Freude gehabt hätte, aber sie wies Rundungen an den richtigen Stellen auf. Faszinierend. Ein dunkelblauer, einfacher Rock, ein helles Hemd und blaue Mary Janes vervollständigten ihre Erscheinung, die definitiv nicht die klassische Betonung von damenhafter Weiblichkeit zeigte; eher war es eine Mischung aus burschikosem Auftreten und doch etwas Mädchenhaftem. «Individuell» hatte sie ihren Stil genannt; ganz zutreffend, wie ich fand.

Sie bemerkte meine nicht zu kaschierende Überraschung und errötete. Mit einem halblauten «Hallo!» und einem Lächeln überspielte sie ihre Nervosität. «Hallo ebenfalls» grüsste ich sie und bemühte mich, galant und nicht einschüchternd zu wirken. Für jemand, der so lange Zeit nicht mehr gedatet hatte, schon gar nicht einen Mann, war es bestimmt eine sehr aufregende Situation. Für das, was ich mit ihr vorhatte, war sie eine zarte Pflanze. Aber eine, die kurz davor war, zu blühen.

Meinem Kofferraum entnahm ich eine Aktentasche, dessen Inhalt sie wohl erahnte, und zwinkerte ich ihr zu. Erneut errötete sie. Was für eine süsse Versuchung sie war! Innerlich bauten sich Bilder auf, wie sie, geschändet von mir, regungslos auf dem mit Laub bedeckten Boden liegt. Ihre Augen geschlossen, ihr Körper gezeichnet, unsere Flüssigkeiten angetrocknet. Ihr Mundwinkel, der eine tiefe, innere Befriedigung zeigt.

Ich musste mich beherrschen und zurück vom Kopfkino in die Realität.

«Komm, lass uns ein paar Schritte gehen. Hast Du den Bogen ausgefüllt?» Wortlos reichte sie mir das Papier, und ich begann zu lesen. Ein Eindringen in ihren Hintereingang: Das wolle sie unbedingt ausprobieren. «Ausprobieren? Du hattest noch nie Analsex?» fragte ich etwas verblüfft. «Ich dachte, Dein früherer Freund sei bisexuell gewesen?»

«Du hast schon recht. Aber irgendwie war es zwischen uns nie ein Thema gewesen. Obwohl ich auch mal beiwohnen durfte, als er und ein zweiter Mann zur Sache gingen, hatten wir nie welchen.»

«Aber Du hast Dich dabei gerieben, oder?» sprudelte es beinahe vorwurfsvoll aus meinem Mund. «Ja», bestätigte sie und richtete ihren Blick verschämt auf den Weg vor uns. Wieder erwischt, freute ich mich. «Du wirst Dich an eine ganz andere Offenheit über Dich gewöhnen müssen, Estelle. Auch in dieser Hinsicht.»

Nachdem wir einige Meter auf dem Weg zwischen Wald und Uferböschung zurückgelegt und den Inhalt des Neigungsbogens durch hatten, fragte ich sie: «Du hast keine Skrupel, Deine Partnerin zu hintergehen?» Estelle war schnell: «Nein – denn solange der Sex die Penetration eines Männerschwanzes beinhaltet, ist es ja kein Fremdgehen!» Beide lachten wir laut heraus. Mit einer so frechen Antwort hatte ich nicht gerechnet. «Nun, wir wissen noch nicht, wie das heutige Date enden wird…»

Estelle blieb stehen und schaute mir das erste Mal tief in die Augen und griff meine Hand. Wortlos. Diese Wärme, diese Zuversicht. Ihr Lächeln. Ihre kurzen, rot lackierten Fingernägel: Alles war so faszinierend, mein Entschluss stand fest: Ich wollte sie unbedingt und ganz.

Hand in Hand spazierten wir weiter, bis wir zwischen den Bäumen und Gebüschen eine Stelle mit Zugang zum Fluss fanden und uns niederliessen. Wir breiteten eine Decke aus und sie entnahm der mitgebrachten Tüte die von ihr mitgebrachte Verpflegung: Eine frische Melone und Rohschinken. «Ich dachte, rohes Fleisch ist nach Deinem Gusto!?» kommentierte sie keck, mit leicht geneigtem Kopf und Blick von unten.

«Roh und feucht!» antwortete ich schlagfertig. Estelle errötete ein weiteres Mal. Dieses Pendeln zwischen Scham und Gier, es machte mich unglaublich an. Wie sehr, wie plötzlich ich die Frau begehrte, die ich erst gerade erst, vor weniger als einer halben Stunde, das erste Mal getroffen hatte!

Wir assen, ohne weiteren Wortwechsel, wobei ich sie kaum aus den Augen liess. Das letzte Stück Melone symbolisierte das Verrinnen der Galgenfrist, die sie noch hatte, um das vereinbarte Signal zu geben. Sobald sie sie verspeist haben würde, musste die Entscheidung her. Sie wusste es genau und bewegte ihren Po immer etwas nervöser. Die Unsicherheit spiegelte sich auch in ihren Augen: Als würde sie sich auf einmal, wie mit einer grossen Wucht der Konsequenz, die sich aus ihrem Entscheid ergeben würde, plötzlich gewahr.

«Ich muss mal Pipi», sagte sie. «Prima! Ich werde Dich begleiten!» Leicht irritiert stammelte sie… «ähm, eigentlich…», doch brach ab, als ich ruhig und bestimmt mit dem Kopf schüttelte, um ihren Einwand zu zerfetzen. Noch hatte ich ihren Slip nicht erhalten, aber es war für beide doch irgendwie klar, dass es kein Zurück gab. Der Augenausdruck, die Stimme, die Körperhaltung – nichts davon konnte lügen.

Sie richtete sich auf und unternahm ein paar Schritte ins Unterholz, zog ihren Slip bis zu den Knien runter und ging in die Hocke, um Wasser zu lassen – alles unter meiner aufmerksamen Beobachtung. «Überleg Dir gut, ob Du den Slip nochmals hochziehen willst. Wenn Du es tust, hat unser kleiner Sommerspaziergang ein Ende. Wenn Du es nicht tust, wirst Du es in meiner Gegenwart nie mehr tun. The choice is yours, wie der Gentleman zu sagen pflegt.»

Estelle blickte kurz zu Boden, dann erhob sie sich… und zog den Slip aus. Es beginnt, freute ich mich. «Von jetzt an bist Du mir und wirst mir gehorchen. So, wie Du es schon immer wolltest, tief in Dir. Zieh Dich ganz aus, auf der Stelle. Wir werden mit den ersten Lektionen sofort beginnen». Sie folgte meiner Anweisung ohne Widerrede. «Die Schuhe auch?» fragte sie. Ich verneinte.

Kaum hatte sie sich der Kleider entledigt, schien sie auf einmal weniger beunruhigt als zuvor. Die leichte Angst, die sie eben noch gezeigt hatte, war wie weggeblasen. Vielleicht, weil sie einen Entscheid getroffen hatte? Oder weil sie grundsätzlich kein Problem hatte, sich nackt zu zeigen? Doch eine gewisse Nervosität, eine Anspannung, eine Art Vorfreude auf etwas, dessen Verlauf sie nicht vorhersehen konnte, blieb. Das Zucken ihrer Augenbrauen verriet sie.

«Mach die Beine breit, damit ich Dich mustern kann, und halte die Hände hinter Deinen Kopf!». Langsam prüfte ich ihren Körper mit meinen Argusaugen, als sie umkreiste. Aber ich fasste sie nicht an. Wie sehr sie sich bestimmt danach sehnte: Der ganze Körper dieser Göre sprach zu mir. Doch ich liess sie schmoren. «Das Intim-Piercing, welches ich an Deinem Schamhügel entdeckt habe, zeigt, dass Du ja doch mit Schmerzen umgehen kannst! Folge mir!» 

Wir begaben uns an einen Ort, der noch etwas weiter abseits vom Weg war. «Da! Stell Dich an den Baum!» Aus meiner Aktentasche holte ich zuerst ein paar weisse Tücher. «Die hattest Du doch gewünscht?». Ich nutzte sie jedoch nicht, um Estelle am Baum zu befestigen, sondern um ihre Augen zu verbinden. Für die Fesselung, mit ihrem Rücken zum Stamm, griff ich nach geeigneten Seilen. Ihr Körper zitterte vor Aufregung, Stirnschweiss nässte ihre Augenbinde. Doch das reichte mir noch nicht. Um die Situation noch weiter zuzuspitzen, fragte unschuldig: «Oh, welches Schwarz war es denn schon wieder, welches Du wolltest?»

«Allesamt», antwortete sie leise. «Wie bitte?» Sie wiederholte, etwas lauter: «Allesamt!» Doch ich war nicht zufrieden. «Sag, dass Du es wirklich willst. Welche? «Allesamt, Allesamt!». Eine Ohrfeige folgte. «Du wirst nicht ernsthaft glauben, dass das genügt? Ich will Dich schreien hören!» Und dann brüllte sie es heraus, so laut, als würde ihr Leben davon abhängen: «Allesamt!»

«Psst, nicht so laut!» tadelte ich sie mit höchstem Vergnügen der Ironie. «Nie wirst Du sicher sein, ob Du meinen Anforderungen gerecht wirst. Ob Du ausreichend sein wirst für das, was ich von Dir verlange, so wie ich Dich will, damit Du meiner Lust uneingeschränkt dienst. Einzig und allein darum geht es.» 

Ich trat ganz nahe an sie heran; sie konnte meinen Atem spüren, in hören, aber ich blieb stumm. Es sollte ein ewig scheinender Moment für sie sein, denn mein kleiner Vortrag sollte wirken und nicht gleich sofort durch neue Empfindungen verwässert werden. Estelle zitterte nicht mehr mehr nur leicht, jetzt schüttelte es sie beinahe.

Dann griff ich direkt in ihre Pussy. Nach dem ersten Schreck huschte ein Lächeln über ihr Gesicht, als wäre der Moment der Erlösung in Griffweite. Zeigefinger und Mittelfinger bohrten sich in sie hinein und fanden die innere, empfindlichste Stelle sofort; die erste Welle der Empfindungen komplettierte ich mit leichten Klapsen auf ihre Knospen. Estelle gab ein wohliges, tiefes Stöhnen von sich. Meine zwei Finger bewegten sich immer schneller, und gleichzeitig begann ich, zusätzlich den Venushügel mit der Handfläche zu massieren. Ihre Stimme wurde lauter, ihre Knie wurden weicher.

«Dreckige Lesbenfotze!» demütigte ich sie. «Heute wirst Du erfahren, wie es ist, wenn Du einen richtigen Mann zur Seite hast.» Ich fuhr fort, mit Süssem und Saurem im Gleichtakt. Schon rasch wollte sie kommen, die Sekrete kamen in kürzeren Intervallen. Um einen Orgasmus zu verhindern entfernte sofort meine Hand aus ihr, schlug aber umso heftiger auf ihre Brüste. Dann jedoch geschah das, was selbst mich staunen liess: Die abgebrochene Stimulation hatte gereicht, um alleine durch die spätere Misshandlung ihrer Brüste zu einem Höhepunkt zu kommen. Verdammt.

«Schlampe!» schimpfte ich und riss ihr die Augenbinde vom Kopf. «Das hatte ich nicht genehmigt! Und zudem: Wie war das mit den Schmerzen und Deiner Furcht davor schon wieder genau?»

Estelle musste sich erst erholen, bis sie wieder Worte formulieren konnte, und blinzelte: «Ich kann es mir selbst nicht erklären…es… tut mir leid». Aber irgendwie besann sie sich eines lästerhaften Stolzes, und in einer «Jetzt erst recht»-Attitüde sagte sie: «Bis jetzt, mein Herr, ist alles noch Fremdgehen!»

Ich liess Estelle stehen und diese Provokation ins Leere laufen, denn mein Programm war noch längt nicht zu Ende: Die mitgebrachten Werkzeuge warteten schliesslich auf ihren Einsatz.

Fein säuberlich legte ich starke und lange Heringe bereit, einen Gummi-Hammer, einen Dildo, Gleitgel, Foldback-Klammern. «Was hast Du vor?» fragte sie besorgt, die nur Geräusche vernehmen konnte. Ich trat zurück an sie heran. Meine flache Hand traf sie an der linken Wange. «Diese Fragen stellt man als Sub nicht.»

Ich löste die Baumfesselung. «Geh auf die Knie, Hände wieder hinter dem Kopf!» Estelle, als hätte sie es in der Schule gelernt, kam der Aufforderung sofort nach und senkte den Blick, Handflächen nach oben. Wie anbetungswürdig sie war, genau weil sie mir dienen wollte, und es mit grösster Selbstverständlichkeit zeigte.

«Gerade», murmelte ich etwas grübelnd vor mich hin, «überlege ich mir, ob es für Salziges noch zu früh ist, jetzt, wo Du in der perfekten Position dafür bist.» Estelle hatte den goldenen Regen nicht als Hard Limit angegeben, also stellte ich mich vor sie hin und öffnete meine Hose. Sie musste davon ausgehen, dass ich handeln würde, doch ich besann mich anders. «Gold musst Du Dir erst erarbeiten, das bekommt niemand geschenkt. Blas!» Leicht peinlich berührt warf sie ein, dass sie möglicherweise etwas aus der Übung sei. «Unfug! Willst Du Deinen Herrn zufriedenstellen?» Sie senkte den Kopf und nickte dabei. «Also!»

Noch immer ohne etwas sehen zu können, versuchte sie, meinen Schwanz mit ihrer Zunge zu erwischen, was ihr aber nicht richtig gelingen wollte. Mit meinen Händen griff ich ihre Brustwarzen und lenkte sie auf diese Weise zu mir, an die Stelle, wo sich mein Schwanz befand. Das «Aua», welches sie von sich gab, verstummte halb durch das Stopfen ihres Mundes mit meinem besten Stück. «Rohfleisch, nicht wahr, Fräulein Estelle?»

Doch ihre Befürchtung war nicht ohne Grund gewesen: Die Stimulation war in der Tat enttäuschend. «Ich hätte Dir wohl besser meinen Arsch hingehalten, mit Rimming wirst Du Dich ja wohl auskennen. Los, auf den Boden, leg Dich flach hin und strecke Deine Arme und Beine weit weg von Dir!»

Mit dem Gummihammer schlug ich jeweils ein Paar der mitgebrachten Heringe, je ein Paar durch eine starke, kurze Schnur miteinander verbunden, jeweils links und rechts ihrer Hand- und Fussgelenke in den lehmigen Gund. «Auf den Boden genagelt, wie ein eingesacktes Zelt. Was für eine Scham.»

Nun begann ich, feinsäuberlich in einer Reihe, auf ihren beiden Arschbacken Foldback-Klammern anzubringen. Estelle klagte leise, aber doch bemüht, tapfer zu sein. Dann griff ich zum Gleitgel, welches ich für ihre Hinterpforte mitgebracht hatte. Mit dem Finger tastete ich mich langsam vor, massierte sie. «Entspann Dich, Mädchen!» säuselte ich auf liebevolle Weise in ihr Ohr. Es gelang ihr nicht sofort, weshalb ich ihren Rücken liebevoll zu streicheln begann; dann fuhr ich seitlich hinunter zu ihren Beinen, an deren Innenseite wieder hoch, bis zu ihrer Pussy. «Du kannst das. Für mich.»

Auf einmal öffnete sie sich – die ganze Spannung war weg. Mit dem Dildo bahnte ich behutsam den Kanal in ihren Anus. Mit noch mehr Gleitel unterstützte ich meine Bewegungen, bis Estelle endlich zu stöhnen begann. Jetzt war sie bereit: Das Loch klaffte offen, als ich den Dildo ganz rausgezogen hatte. Ihr Arsch buhlte förmlich um mich. Und ich liess mich nicht lange bitten.

Ich entkleidete meinen Unterkörper, kniete hin und stiess zu, langsam, aber bestimmt. Mit jeder Bewegung lösten sich wieder ein paar der Klammern, spickten weg, immer von einem süssen Quieken aus ihrem Mund begleitet. Mit der einen Hand stützte ich mich auf, mit der anderen umfasste ich ihren Hals, drückte ihn leicht. Nach wenigen Minuten kam sie erneut, und ich wenig später ebenfalls, tief in ihr.

Zufrieden und erlöst lag ich auf die Seite, in ihr Sichtfeld. Das wunderbare Laub der Bäume über mir vollendeten Entspannung auf magische Weise. Als Estelles Kräfte zurückkamen und das Sprachzentrum im Kopf wieder ausreichend mit Blut versorgt war, sagte sie: «Dass wir von 0 auf 100 starten, ich hätte es nicht für möglich gehalten.» Ich lachte schallend. «Estelle! Wir haben erst begonnen! Das war noch nicht mal 20!»

Die Glut, die ich dann in ihren Augen sah, versprach noch viele Feuer zu entfachen. Und sie hielt das Versprechen.

Entschleunigung

von m. brody


Es ist früher Abend, ich habe Blumen dabei, die mich stolz machen. Herbst in schönsten Farben. Ein alter Gärtnermeister, der sich zur Rente etwas dazu verdient und der sein Handwerk versteht, hat sie mir an seiner Straßenbude verkauft. Meist verquatsche ich mich mit ihm, wenn ich bei ihm einkaufe, hin und wieder fragt er sogar, für wen die Blumen sind, während er fast blind in diverse Häufchen mit Schmuckgrün greift und Stängel für Stängel dem Strauß hinzufügt. Wir kennen uns schon lange, er macht das wirklich sehr hübsch. Und du hast jetzt noch geschätzte 25 Sekunden Zeit, selbst auch alles hübsch zu machen, vom Summen des Türöffners an, denn ich warte nicht auf den Fahrstuhl, laufe lieber gleich die Treppen hoch bis zu Dir. An der Wohnungstür funktioniert es aber noch nicht. Wir küssen uns, tauschen liebe Worte aus, du freust dich über die Blumen, als ich etwas Vereinbartes von dir will, geht es dennoch nicht. Du schüttelst kaum merklich den Kopf, es ist dir unangenehm. Ich lächle mild und trete ganz nahe an dich heran, fast schon berühren meine Lippen dein Haar. „Bitte, tu es. Es ist wichtig.“ Wir schauen uns in die Augen. Ich gehe nicht von ab, eher bleibe ich nur für einen Kaffee und verschwinde wieder. Und so setzt sich ein Prozess in Gang, während wir uns im Flur noch gegenüber stehen, ich sehe dir das deutlich an. Nach für mich spannenden Sekunden gehst du zögerlich nach unten, kniest endlich, sodass ich deinen Kopf an meinen Bauch drücken kann und sanft über dein Haar streichle. Ich spüre, wie deine Anspannung sich allmählich auflöst, deine Hand sucht meine und drückt sie fest. 

Wir kommen gerade beide an und halten das aus, bis ich dich wieder zu mir hochhole und du mir von dem Kuchen erzählst, den du extra für diesen Nachmittag gebacken hast. Ich esse zwei Stücke, genieße den Kaffee dazu, deine leisen Worte, deine Berührungen mit dem Fuß an meinem Bein. Du fragst, ob es mich stört, wenn du den Blumenstrauß teilst, er gäbe das her, meinst du und ich habe nichts dagegen, freue mich, deinen Geschmack getroffen zu haben. Seltsamerweise muss ich jetzt an ein altes Lied denken, wobei mir wie ziemlich oft genau die passende Zeile des Textes in den Sinn kommt. „Wenn ich deine Nähe spür, dann fällt die Zeit wie Laub von mir …“ Ich behalte es für mich und nehme deine Hand, um sie zwischen meine Hände zu legen. Der Moment ist wundervoll und so leicht. Wir ziehen auf dein Sofa um, das heißt, du nimmst zu meinen Füßen Platz. Jetzt gelingt uns alles, du folgst ohne zu zögern, als ich möchte, dass du den Rock ausziehst, die Yogahose darunter aber anbehältst. Es dauert ein wenig, bis wir es uns passend zueinander bequem gemacht haben. Mal liegst du und ich setze meine Füße auf dir ab, dann mag ich dich näher bei mir haben und ich lasse dich am Boden sitzend, dicht an mich heran rutschen, damit ich mit deinem Haar spielen kann, während wir uns unterhalten. Wir reden über alles Mögliche, doch ich denke immer wieder darüber nach, wie mich dieser schöne Moment gerade berührt. Irgendwann machst Du einen weiteren Kaffee, wir haben Zeit für alles. Endlos lange spielen wir sanft aneinander herum und ich stecke dir meine Finger in den Mund, damit du daran saugst. Es ist reines Fühlen.

Später dann, mittendrin, sprichst du die Kabelbinder an. Natürlich habe ich welche dabei, nur schon länger nicht mehr benutzt. Alles spricht dafür, besonders du weckst in mir das Wollen und ich tue es. Wir gehen in dein Schlafzimmer, haben sofort eine andere Stimmung und ich fessele dich auf dem Bett mit den Industrieverschlussbändern, nur noch mit BH und Yogahose bekleidet, die ich aber nicht an ihrem Platz lasse, weit herunter ziehe für die Dinge, die ich mit dir sonst noch tun will. Die Kabelbinder sind unerbittliche Verbindungen; Handgelenke vorne, Füße über Kreuz, Beine an mehreren Stellen und ich mache auch noch eine unzerreißbare Fixierung zwischen deinen Händen und der gefesselten Stelle knapp oberhalb der Knie. Irgend etwas machen die Dinger mit mir. Ich drehe dich schon jetzt zurecht, denke nach, schiebe die Schalen deines BH`s hoch, berühre alles, was ich seit Tagen nicht mehr in den Händen hatte und ich liebe das Bild, das du abgibst. „Hey, mein Kleines, was hat dieser üble Einbrecher mit dir nur gemacht. Wirklich grob …“ Es ist der Teil, der vielleicht noch als Spiel durch geht. Ich spreche leise, du sagst seit Minuten nichts mehr. Einmal um das Bett herumgegangen, nehme ich mir den besonderen Anblick, der dir sicherlich momentan noch unangenehm ist. Dein Hintern, deine unverdeckte Scham, der zarte Glanz. „Oh, und wie heiß es diesen Kerl nur machen muss.“ Ich weiß zumindest, wie es mich gerade erregt. Doch es ist noch Zeit. Ich suche und ich weiß sogleich etwas, um dich für eine Weile ruhig zu halten. Dafür geht der Rock, der noch auf dem Sofa liegt. Ich lege ihn über deinen Kopf und gebe dir Gelegenheit, erst noch für dich zu bleiben und die Fixierung zu spüren. Mir reicht sogar die Sicht aus der Ferne auf dich als sexualisiertes Kabelbinderopfer, durch den Flur hindurch aus dem Wohnzimmer, in das ich zeitweise zurückkehre. Ich bin leise, auch als ich das Bücherregal inspiziere, mich fast mit jedem Buch beschäftige.

Es ist ein starker Genussmoment gerade, weil Wichtiges erledigt ist und ich nun nach Lust und Laune von dir kosten kann. Einige weitere unnütze Beschäftigungen später bin ich wieder bei dir und nehme den Rock von deinem Kopf und hebe die Dunkelheit für dich auf. Du öffnest die Augen, siehst dass ich bereits ein Kondom in der Hand halte. Ich mache mich wortlos mit dem Gummi besamungsbereit, wie wir das seit einiger Zeit so nennen und ich es jetzt auch nicht anders verstehen mag, auch wenn das gute Zeug nicht wirklich in dich gelangen wird. Irgendwann mal. In meiner Lieblingsposition für dich, in der Seitenlage, in der ich dich ohnehin belassen habe, berühre ich von hinten mit der Hand deine Möse, reibe mit zwei Fingern in dem Feuchtgewebe und bin noch sanft dabei, tue Gutes, um dich bereit zu machen. Es versetzt mich in Schwingungen, da die Berührungen an deinem Kitzler dich in Schwierigkeiten bringen. Ich koste jede Sekunde aus, deine Reaktionen in ihrer Dezenz bewirken, dass sich in mir ein kribbelnder Schauer ausbreitet. Meine Gefühlsmitte ist jetzt da unten, während ich mich an dir liegend, um Langsamkeit bemüht, in deine enge Röhre hineinpresse und am Anschlag erst einmal nicht weiter bewege. Mein Körper klebt regelrecht an deinem und mein Schwanz lässt wie ein Fühler in deinem Innern es mich als Inbesitznahme empfinden. Es ist der Moment, an dem mich die Machtfülle sehr aufgeilt, ich aber zu gerne auch eine Ahnung von deinem Gefühl hätte, ob es in dir nach Benutzung klingt, weil ich das nämlich bis in meine hintersten Winkel hinein zu meiner Überzeugung mache. „Halt still, du kleines Fickstück“, sage ich, während ich mit beiden Händen nach deinem Hals greife, mit passender Kraft zudrücke und mit härter werdenden Fickstößen deine körperliche Nutzbarkeit für mich erfahre. 

Ich bin berauscht, als bekäme ich mein persönliches Gelée Royal auf die Zunge getropft, dich durchzuvögeln und gleichzeitig die Gnade des Atmenlassens erteilen zu können. Die Geräusche, die das schnelle Reinraus meines Schwanzes aus dem Mösenkanal treibt und das körperliche Aufbegehren gegen mein wiederholtes Hinauszögern der Luftgaben triggern mich unbeschreiblich. Die ganze Zeit über hole ich fremdartig zynisches Gefühl aus mir hervor, während ich dich wie meinen Schatz an mich gepresst halte, schwungvolle Rammstöße in dich hinein führe, bis es soweit ist. Fast schon zu spät reiße ich mir das Kondom herunter und komme auf die Knie hoch, muss gar nicht richtig mehr wichsen, denn nichts hält das Abspritzen jetzt noch auf. Ich schaue nicht einmal wirklich hin, treffe dich gut, obwohl ich gerade zu überschwemmen drohe, als die puren, warmen Energieströme von unten kommend in meinem Kopf landen. Ich erwische dich hoch bis in dein Haar und es ist viel zu schnell vorbei, das, was sich längst wie Beutemachen angefühlt hat. Jeden Spritzer meines Spermas lasse ich Ausdruck dafür sein, dass du mir gehörst, in diesem Augenblick und für später ist es mir noch keinen Gedanken wert.

Ich setze mich auf die Bettkante, bin dicht bei dir. Deine Augen sind geschlossen und du fühlst dich warm an, als ich meine Hand an deine Schulter lege. Im Grunde denke ich an nichts, auch nicht als ich selbst kurz die Augen schließe und meine Atmung sich langsam beruhigt. Ich wünschte, ich würde jetzt schon eines besonderen Gefühls habhaft werden. Ist wohl noch zu früh. Du siehst schön aus, als ich dich betrachte. Auch die schwarzen Kabelbinder gefallen mir noch immer an dir und ein wenig fasziniert mich ein kompakter Spermaspritzer, der sich von deiner Flanke auf den Weg macht, nach unten zu laufen und dabei über deine kleine Tätowierung rinnt. Ich lege mich noch einmal an dich heran, stelle soviel Hautkontakt her wie möglich und du lässt mich spüren, wie sehr du diese liebevolle Berührung magst.

m.brody
2018

Erdbeermädchen

von m. brody


Das Erdbeermädchen ist wieder da. Sie ist das Licht dieser Frühsommertage. Solange es bei mir noch Erdbeeren gibt, taucht sie zweimal in der Woche bestimmt auf. Sie kommt aus der Stadt, mit dem Fahrrad und der Bahn. Was nach der Erntezeit sein wird, weiß ich nicht. Ihr Name ist Ella, wir kennen uns noch nicht lang. 

Mein vom Vorgänger angelegtes Erdbeerfeld misst etwa 150 Quadratmeter, da lässt sich immer wieder etwas herausholen. Es ist im Übrigen der einzige vorzeigbare Gartenbereich, weil ich ansonsten gerne die Kräfte der Natur wirken lasse. Das wiederum hat mehrere, durch kurz gemähte Schlangenwege abgegrenzte, farbenfroh blühende Inseln als Rückzugsgebiete für was auch immer zum Ergebnis. Das Erdbeermädchen Ella packt dann auch mal an und zupft in den Erdbeerreihen Unkraut weg, wie ich es nur nicht nenne, wenn sie dabei ist. Dann heißt dieses Grünzeug Wildkraut, wovon sie glaubt, mich überzeugt zu haben. Ich meine, das war Zeit meines Lebens Unkraut, für das es zwei Kategorien gab; nur grün und bunt und so leicht gebe ich Gewohnheiten nicht weg.

Jetzt huschelt sie in Jeans und Turnschuhen im Beet umher und trägt ein kleines Körbchen, in das sie nur die besten Früchte hinein tut. Die Bluse hat sie am Bauch verknotet und das lange dunkelrote Haar unter einem alten Strohhut aus dem Werkzeugschuppen verborgen. Marmelade hat sie mir versprochen, ohne wissen zu können, dass Erdbeermarmelade im hohen Alter mein Sexersatz sein wird, was ich jetzt schon weiß. Auf frischer Schrippe mit Butter, jeden Tag dann zweimal oder öfter. Ich bete seit dem Frühjahr, seit dem Tag, an dem sie mich zum ersten Mal hier besucht hat, für eine reiche Ernte. Ich durfte mittlerweile einige, von ihr fabrizierte, Erdbeererzeugnisse genießen. Kuchen, Torten, Kaltschalen, total leckeres Zeug. Natürlich werde ich sie auch heute für ihre Mühe entschädigen, wir lernten uns ja über eine zauberhafte Gemeinsamkeit kennen. Da wird sich wohl was machen lassen. 

Vorerst aber gönne ich mir im kühlen Schatten am Tisch unter dem Kirschbaum eine Weiße mit Himbeerschuss und behalte die fleißige Pflückerin im Auge. Mich beruhigt das ein jedes Mal auf sonderbare Weise, wenn ich ihr zusehe, wie sie in meinem Garten geschäftig unterwegs ist. Manchmal bringt sie mir auch ein kleines Pflänzchen und erklärt etwas dazu, weil sie sich offensichtlich aus Kindertagen daran erinnert. Zwei Korbfüllungen lang bleibe ich so an meinem Platz und sauge genüsslich das herb-süße Getränk durch den Strohhalm. Es ist spannend zu erleben, wie dieses kleine Fleckchen meines Gartens etwas bietet, das ein so bezauberndes Stadtwesen zu mir lockt. 

Als sie erneut an meinem Ruheplatz vorbei kommt, um den vollen Korb in meine Küche zu tragen, wir uns dabei schweigend anlächeln, schaue ich ihr noch hinterher und der Anblick ihres fraulichen Hinterns in der engen Jeans bringt mich auf eine schöne Idee. Beim Wiederkommen mit leerem Korb lasse ich sie erst passieren, springe dann von hinten an sie heran und packe mit beiden Händen ihre Hüften. Ich habe richtig Spaß dabei und sie erschrickt, lässt sich in Tippelschritten zum Gartentisch schieben, mein Unterleib fest gegen ihren Hintern gepresst, bis ich ihren Oberkörper darauf ablege. Der Hut fällt herunter und ihr Haar verteilt sich auf dem kleinen Tisch.

Wie aus Übermut ficke ich sie, besser ich tue so als ob, wir sind ja beide bekleidet und denke noch, wie das auf einen zufälligen Beobachter wirken müsste, während ich es krachen lasse und Angst um den Tisch habe. Bestimmt ist sie davon schon feucht. Dass das schnell bei ihr geht, weiß ich seit der ersten Tuchfühlung. Ich greife nach ihrem Hals, beuge mich dabei zu ihr herab und flüstere ihr ins Ohr, dass ich sie jetzt in der Küche brauchen würde. Sie ahnt wohl, dass die Pflückerei für heute zu Ende ist. Jedenfalls stellt sie keine Fragen.

Gleich darauf suche ich Etwas in einer Küchenschublade und ich werde fündig. Sie steht wie ein Schulmädchen da, mit großen, erwartungsvollen Augen und staunt nicht schlecht über den mit Lederriemen versehenen Penis Gag, dessen Stopfen in etwa so groß ist wie mein natürlich gewachsener. Wahrscheinlich denkt sie an eine Fesselnummer, doch danach ist mir gar nicht. Ich wische das Ding mit einem Feuchttuch ab. Sie zögert, den Mund zu öffnen, hat wohl Respekt vor der Größe. Ich ermuntere sie und verspreche, dass es irgendwann später auch noch mehr von mir gibt, aber jetzt müsste sie schon den Gummipenis hineinlassen. Sie gibt sich noch ein bisschen trotzig, dann verzieht sie das Gesicht und macht den Mund weit auf. Ich bin ganz vorsichtig, schiebe ihn nur millimeterweise hinein, ab der Mitte seiner Länge fängt sie an zu röcheln und zu würgen. Mich bringt das ganz schön in Fahrt. Sie reißt die Augen weit auf und bekommt trotzdem ihre Atmung unter Kontrolle. Ich schiebe nach, bis er komplett drin ist. Das Würgen geht noch weiter, doch ich kann den Lederriemen verschließen und der Gag sitzt. Was für ein schöner Anblick das ist!

„Fang an. Marmelade kochen.“ Sie hat noch mit dem Stopfen zu tun, kommt aber irgendwie klar. Ich suche ihr mein bestes Gemüsemesser heraus und frage sie ernsthaft, was sie weiter noch brauchen würde, worauf sie wieder zu würgen anfängt und ich grinsen muss. Sprechen geht natürlich nicht, noch nicht einmal Grunzen. Es amüsiert mich. Dann legt sie los, muss aber den Kopf immer gerade halten, weil es sonst mit dem Atmen nicht klappt. Es gefällt mir sehr, sie bei Küchenverrichtungen zu beobachten. Bei ihr sitzt trotz der zugefügten Einschränkung jeder Handgriff, sie ist so geschickt. Schnell entscheidet sie, wo sie etwas von einer Erdbeere abschneiden, wie sie das Messer ansetzen muss, um etwa gleich große Würfelchen zu erhalten. Ich lasse sie erst einmal machen und schaue weiter nur zu, bis alle Erdbeeren gewaschen und klein geschnitten sind. 

Sie sieht sich um, wo der benötigte Topf zum Einkochen ist, da bin ich schon wieder an ihr dran und greife von hinten zu, schiebe meine Hand zwischen ihren Pobacken hindurch nach vorn und reibe sie kräftig. Sie presst total süße Luftlaute am Gummistopfen vorbei, will vornüber kippen und droht auf der Arbeitsplatte zu landen, doch schafft sie es gerade noch, sich an der hölzernen Kante abzustützen. Mit beiden Händen wandere ich durch den Stoff ihrer Bluse, gleite über Haut an den Flanken entlang höher, bis ich unter den BH gelange und Brüste fasse, dann mit ganz vorsichtigen Fingern ihre Nippel befühle. Meine Gier ist groß. Die rechte Hand muss nach unten. Ganz flach schiebe ich sie an ihrem warmen Bauch über den Nabel hinab und dann durch den engen Bund ihrer Hose, bis ich in der Nässe ihre Möse spüre. Mein linker Arm umklammert sie, gibt ihr den Halt, den sie nötig hat. Jedenfalls ist sie zitterig. Ich mag es sehr, wenn dieses Erdbeermädchen zitterig ist. Und ich liebe die Vorstellung, wie sie innerlich hin und her springen muss, weil der Gummipenis sie noch immer beschäftigt, während von ganz woanders hitzige Gefühlsmeldungen eintreffen, die meine Hand in ihrer Hose verursacht.

Mir ist nach Weitermachen, aber ich will auch nicht, dass die Arbeit zu kurz kommt. So trete ich zurück und schaue mir ein wenig die Not an, die sie damit hat, sich zu sortieren, bis sie sich aufrichtet, den von mir herangereichten Topf nimmt und die Marmeladenfertigung fortsetzt. Ich glaube, sie hält mich gerade für irre, doch den verzweifelten Blick von ihr, der mich zu dieser Annahme bringt, fange ich gelassen ein. Die weitere Marmeladenherstellung geht ihr dann auch nicht wirklich schnell von der Hand, obwohl sie weiß, was sie tut. Sie spart nicht mit Zucker und nimmt frisch gepressten Bio-Zitronensaft, was mich freut, weil ich mir einbilde, dieser wäre aromatischer als der konventionelle. Sie hat einige Zutaten in einer Tüte mitgebracht und gibt aus einer kleinen Flasche Holunderblütensirup dazu. 

Doch jetzt sucht sie etwas und scheint es in ihren Mitbringseln nicht zu finden. Sie schaut mich fragend an und deutet mit der Hand, will mir wohl erklären, dass noch etwas heran gerieben werden muss. Ich denke an Muskat, spreche es aus, worauf sie nur den Kopf schüttelt. Ella versucht wieder zu sprechen und verschluckt sich fast dabei. Ich komme nicht darauf, aber sie findet auf der Fensterablage meinen Einkaufszettelblock und den dazugehörigen Stift. „Ingwer“, schreibt sie und ich muss wieder lächeln. Darauf wäre ich niemals gekommen.

Ich bin froh, ein Stück Ingwer vorrätig zu haben, was nicht immer der Fall ist. Mich hätte das anderenfalls wirklich geärgert. Als ich noch mit einer passenden feinen Reibe dienen kann, strahlen ihre Augen und sie legt letzte Hand an das bereits leicht blubbernde Erdbeermus im Topf, reduziert die Hitze und deutet mit einer Hand, wie lange wir nun zu warten hätten. Da es sich nur um Minuten handelt, ziehe ich mir einen Küchenstuhl heran und hole sie mir auf den Schoß. Der Raum ist bereits gefüllt mit verdampften fruchtigen Aromen. Ich glaube sogar, ganz leicht die verkochte Holunderessenz heraus zu riechen. Ella wendet ihren Kopf und schaut mich an. Ich ziehe sie noch dichter an mich heran, lege dafür meine Arme um ihren Bauch. Es fühlt sich gut an und ich halte sie so lange fest, bis sie sich aus meiner Umarmung heraus windet. 

Ich weiß, dass sie jetzt die Gläser braucht und ich hole eines nach dem anderen aus dem Schrank und stelle sie ordentlich vor sie hin. Sie spült sie mit heißem Wasser aus und beginnt, mit einer kleinen Kelle Marmelade einzufüllen und sie sofort zu verschließen. Ich gehe ihr zur Hand, wische kleinere Kleckereien weg. Kurz bevor der Topf leer ist, schnappe ich mir mit einem Teelöffel eine Kostprobe, puste lange und schlürfe das Mus. Ich bin begeistert, es schmeckt um Längen besser als meine eigenen früheren Experimente und besser als die gekaufte Marmelade sowieso. Zehn Gläser kommen zusammen. Ich ertappe mich, wie ich über die gerechte Verteilung in meinem Sinne nachdenke.

Das arme Erdbeermädchen Ella steht irgendwie verloren da. Vielleicht würde sie etwas sagen wollen, wahrscheinlich macht es sie nervös, dass sie selbst nicht abschmecken konnte. So aber haben wir eine Pause, während der uns die fast schon familiäre Atmosphäre des Einkochens umgibt. Hätte Ella nicht noch immer diesen Gag im Mund, könnte sie sich und mir nach getaner Arbeit ein Gläschen Weißwein eingießen. Wenig später würden wir vielleicht gemeinsam auf der Terrasse mit Blick in den Garten die Beschaulichkeit und Ruhe der dörflichen Ortslage genießen, um danach ganz sanft den Abend einzuleiten. Mir aber schwebt Anderes vor.

Mit der antrocknenden Nässe von ihrer Möse an meiner Hand und ihrer Augensprache, die das Lichterloh der Gefühle verrät, lasse ich mich darauf nicht ein. Noch will ich ihren Mund nicht befreien. Ich packe sie am Haar und zerre sie in mein Schlafzimmer. Das ist keinesfalls zu grob, es ist das, was sie nun braucht, weshalb es mich auch so erregt. Sie soll sich einfach ausziehen, ich will nichts Geziertes haben. Nackt und bereit soll sie sein. Ich muss hören, wie sie ihre Lust mit dem Stopfen im Mund herausbringt. 

Irgendwie bin ich stolz auf mich, diesen Punkt mit ihr erreicht zu haben. Sei es, weil es diese ganze Erdbeerenverarbeitung eigentlich nicht gebraucht hätte, um uns in mein Bett zu bringen, es aber so komplett wird. Sei es aber auch, dass ich merke, wie gut es ist, das alles mit jemandem zu teilen, ohne etwas zu verlieren. Ich schaue auf Ella, die gerade in sich gekehrt ist und denke an die Marmeladengläser in meiner Küche. Mir ist, als könnte ich die Bezeichnung „Wildkräuter“ von ihr übernehmen. Klingt auch viel schöner.

m.brody
© 2016

Unschuldiges Weiss

von Oliver G. Wolff

Die Sommerzeit war mir gewogen. Noch nicht einmal wirklich aktiv hatte ich sie gesucht, die Kontakte, die sich nun plötzlich ergeben hatten. Wie durch Magie hatte ich sie angezogen, die Damen, für die das heisse Spiel zwischen Dominanz und Submission genauso ein steter Quell neuer Lebensenergie war wie für mich. Und das alles hatte unbewusst just in dem Moment stattgefunden, als ich mir selbst auf die Schulter geklopft hatte: Stolz war ich über das Einhalten meines Prinzips, mich nicht in Aktivismus und hektische Suche zu stürzen. Vielmehr liess ich mich von inspiriertem Tun und meiner Überzeugung lenken, dass das Universum mir liefern würde, was mein Herz begehrt – wenn ich es nur will. Und ich wollte. Kaum hatte ich den Wunsch formuliert, war jemand in mein Visier geraten, nur Wochen nach dem nüchternen Ende der letzten Beziehung mit einer anderen Sub. Es war eine attraktive Frau, Mitte Vierzig. Schwarze, schulterlange Haare hatte sie, dunkle Augen und eine üppige Oberweite. Ihr himmlischer Schmollmund war wie vom Schöpfer persönlich gepinselt und liess meine Augen darauf verweilen. Wie wunderbar er aussehen würde, träfen die flüssigen Essenzen meines Körpers seine Lippen…

Wir hatten uns noch nie getroffen, kannten uns nur von Fotos und einigen Sprachnachrichten via Messenger. Und doch waren wir uns schnell sicher, dass wir es tun würden. Es. Das Böse. Das Intensive. Das Spiel, welches seiner Bezeichnung spottet, weil es zu heftig ist, um als solches durchzugehen. 

Ihre dunkelsten Fantasien kannte ich. Ihre Keds Schuhe, mit welchen sie ihre abendlichen Jogging-Runden im Freien absolvierte, ebenfalls. Und wo sie es tat, war mir ebenfalls bekannt… sie hatte ihre Runden mit GPS-Gerät absolviert und ins Internet gestellt. Die Kombination aus alledem konnte nur eine logische Konsequenz für mich haben: Ich musste hin, in das weitläufige Gebiet mit Feldern, gesäumt von einem Wald. Ein perfekter Ort für mich, für mein Vorhaben.

Meinen Lieferwagen in Unschuldsweiss, welcher keine Seitenfenster und nur verdunkelte von aussen nicht einsehbare Heckscheiben besass, parkte ich unauffällig auf dem Waldweg, welcher nur wenige Meter danach in die Laufroute meines Opfers mündete. 

Nachdem ich ausgestiegen war, lief ich zur Hinterseite des Wagens und öffnete das Schloss der Hecktüren, liess diese aber angelehnt. Das letzte Stück des Weges legte ich zu Fuss zurück und setzte ich mich auf einen gefällten Baumstamm, der unweit und entlang des Laufroute lag. Was für ein schöner Abend, die Sonne schon leicht rötlich, aber noch sicher zwei Stunden vor dem Untergang. «Untergang», schmunzelte ich. Wenn sie wüsste!

Ich kramte mein Handy hervor, schaute mir ihre Bilder nochmals an und begann leise vor mich her Bruce Springsteens Song zu singen. «Hey, little girl, is your daddy home? Did he go and leave you all alone? I got a bad desire. Oh-oh-oh, I’m on fire». Es waren kaum Leute unterwegs, und sie konnte mich unmöglich hier erwarten – wohnte ich zu weit weg, als dass sie mit mir rechnen würde. Der Überraschungsmoment war auf meiner Seite.

Eine halbe Stunde verstrich, ohne dass mehr als zwei oder drei Leute vorbeigekommen wären. Doch dann erblickte ich sie: Gedanklich abwesend joggte sie, die weissen Ohrhörerkabel wippten über ihre Brüste. Graue Jogging-Hosen, pinkfarbenes Hemd. Das musste sie sein. Ja, sie war es. 

Als sie auf meiner Höhe war, sprang ich auf und attackierte sie von hinten. Mit der einen Hand verschloss ich sofort ihren Mund, um sie am Schreien zu hindern, mit mir der anderen umfasste ich ihren Bauch und hob sie hoch, um sie rückwärts in das Waldstück hinein zu zerren. Sie schnaubte laut zwischen und Nase durch, aber der Schock war offenbar so tief, dass sie sich kaum anderweitig zu wehren vermochte. Sie strampelte zwar zuerst ein wenig mit den Beinen, doch dann liess sie mich, in Anbetracht meiner körperlichen Überlegenheit, gewähren. Erst als wir uns dem Lieferwagen näherten und sie realisierte, dass die ganze Sache wohl nicht so schnell ausgestanden sein würde, wollte sie sich durch immer stärkeres Winden aus meinen Fängen befreien. Noch wusste sie nicht, wer ihr Peiniger war. Doch das änderte ich jetzt.

«Psst, Tanja!» flüsterte ich ihr ins Ohr. «Du wirst unser erstes Treffen doch nicht gleich mit unartigem Benehmen beginnen wollen?»

Als wäre es ein Zauberspruch gewesen, wirkte das Gesagte. Sie hatte meine Stimme sofort erkannt. Langsam dämmerte ihr, wer ihr Entführer war. Der Schweiss, der von ihrer Stirn perlte, war aber längst nicht mehr der sportlichen Aktivität von vorhin geschuldet.

«Du weisst doch», fuhr ich fort, «wie es Konfuzius ausdrückte: Wenn Du eine Vergewaltigung nicht verhindern kannst, lehne Dich zurück und geniesse sie!». Als ich die Sicherheit erlangt hatte, dass sie nicht sofort losschreien würde, nahm ich die Hand von ihrem Mund und öffnete die Hecktüren zum Lieferwagen. Kaum war diese offen, drückte ich Tanja grob, mit ihrem Oberkörper voran, auf die blanke, metallene Ladefläche, so dass sie sich dort mit den Händen auffangen musste.

«Es ist immer gefährlich, sich etwas zu wünschen. Es könnte tatsächlich wahr werden!» lachte ich überlegen. Dann ergriff ich ihre Beine und bugsierte mein Opfer ganz hinein.

«Los, dreh Dich auf den Rücken!» befahl ich ihr. Etwas zögerlich, sichtlich verunsichert, drehte sie sich und legte sich hin. Noch immer hatte sie kein Wort gesagt, und als sie die Inneneinrichtung meines Gefährtes langsam mit ihren Augen erfassen konnte, blieb sie erst recht stumm. Stumm vor Staunen. In den Seitenwänden eingelassen waren Ösen, daran befestigt befanden sich Karabinerhaken, links und recht auf Kopfhöhe. An diesen wiederum angebracht waren Ledermanschetten, bereit, um ihre Hände in Haft zu nehmen. Am Plafond, unweit der Scharniere der Türen, hingen deren Pendants für die Fussgelenke an Ketten hinunter. Vollständig bekleidet, wie sie war, setzte ich mich auf ihren Oberkörper und fixierte ihre Hände. Sie wehrte sich nochmals kurz, ein letztes Aufbäumen, doch dann gab sie auf – es war aussichtslos. Dann fesselte ich ihren Füsse und hing sie so weit nach oben, dass Tanjas Gesäss den Wagenbogen gerade nicht mehr berührte. Sie liess mich gewähren. Erst ganz am Ende holte ich mein Klappmesser aus der Werkzeugkiste.

In Tanjas Gesicht kehrte der Schrecken, der erst gerade etwas gelegt hatte, sofort zurück. Sie war ausgeliefert, einem fremden Mann, der doch so viel über sie wusste. Dem sie sogar gebeichtet hatte, von ihren Rape-Play-Fantasien. Und offen gewesen war zu ihm, obwohl sie ihn noch nie getroffen hatte. Und jetzt kniete genau dieser Mann vor ihr und hatte ein Messer in der Hand. Und sie, sie lag da, wehrlos, ohne auch nur eine Chance, zu entkommen. Ein Tagtraum im Gewand eines Albtraums – oder umgekehrt?

Ich fuhr mit dem geöffneten Messer vom Nabel her unter ihr Shirt, bis ich die Klingenspitze oben, unterhalb ihres Kinns, wiedererkennen konnte. Mit der scharfen Klinge gegen oben gerichtet zerschnitt ich es der ruckartigen Bewegung zurück zu mir. «Billiger Stoff!» verhöhnte ich ihre Garderobe. «Ich hoffe, Du hältst mehr aus als diese Fetzen!» Noch einmal näherte ich mich ihrer Oberweite und zerschnitt auf gleiche Weise den Sport-BH, um ihn zu entfernen. «Als Sex-Sklavin wirst Du dieses Textilstück nicht mehr benötigen!» Endlich fand Tanja ihre Stimme und bestätigte leise mit fatalistischem Ton: «Ja, natürlich.» Sofort erhielt sie eine Ohrfeige von mir dafür. «Es heisst ‘Ja mein Herr’ und das laut und deutlich!» massregelte ich sie. «Sag es!» herrschte ich sie an. «Ja, mein Herr!» wiederholte sie.

Nun machte ich mich daran, ihre Hosen mit dem Messer ebenfalls zu zerteilen, inklusive dem Slip darunter, bis sie bis auf die Füsse nackt vor mir lag. Was für einen schönen Körper sie hatte – ihre Bilder hatten nicht gelogen, und die süssen Schuhe und Socken wie die eines Schulmädchens, unschuldig weiss wie mein Wagen. Ich fasste in ihren Schritt, um mit meinem Mittelfinger ihre Feuchtigkeit zu prüfen. «Na, vom Schweiss wird es dort wohl nicht so feucht sein!» stellte ich mit einem süffisanten Lächeln fest und dachte: Wir sind on Track. «Los, Tanja, nimm Deinen ekligen Mösensaft!», wies ich sie an, meine Hand zum Ablecken reichend, und öffnete meine Hose.

Mein Prügel stand wie eine eins. Er war es, der mein Verlangen von nun an steuerte und mich ohne weitere Vorwarnung und mit einem heftigen Ruck in sie eindringen liess. Tanja verzog ihr Gesicht. «Ach, doch noch nicht ganz so feucht?» Eine weitere Ohrfeige klatschte auf ihre Wange. «Du hast es zu geniessen, wenn ich in Dir bin, merk Dir das!», schalt ich sie. Und diesmal antwortete sie wie aus der Pistole: «Ja, mein Herr!» «Brav», antwortete ich und verpasste ihr gleich danach die dritte Ohrfeige. Verwundert blickte sie mich an, doch ich fickte sie weiter. «Wa…warum?» stammelte sie, was ich nur mit einem verständnislosen Blick quittierte. Soviel zum Thema Erfahrung, dachte ich für mich. Hatte sie noch nie einen Dom gehabt, der seiner Willkür freien Lauf liess?

Ich zog mich aus ihr zurück, kniete mich wieder über ihren Oberköper und liess sie zuerst meinen Luststab sauberlecken, danach dirigierte ich meine Eier in ihren Mund, welche sie innig und mit viel Kreativität balancierte, liebkoste. «Gar nicht mal so schlecht machst Du das, für eine sprichwörtlich dahergelaufene Schlampe!» demütigte ich sie. Aber ihr Augenausdruck verriet mir, dass sie die Situation genoss. So ein Miststück. Sie hatte nicht gelogen.

Nun erhob ich mich wieder, um über ihrem Gesicht in die Hocke zu gehen, ihr meine Rosette präsentierend. Sie verstand auch ohne Anweisung. Das, was die Franzosen «Feuille de Rose» nennen, praktizierte sie mit einer Hingabe, die ich noch selten erlebt hatte. Sie hatte eine unglaubliche Technik, ihre Zunge so steif werden zu lassen, dass sie mühelos sehr weit in meine Öffnung hineinkam. «Du Nutte!» schimpfte ich mit wohligem Gestöhne «Hast das wohl mit anderen Männern oder gar Lesben schon geübt?» Tanja gab nur die Schmatzlaute von sich, liess meine Beschimpfung unkommentiert. Unweigerlich musste ich an meinen Schwanz fassen, welcher kribbelte und leicht zuckte, sich nach einem weiteren Einsatz sehnte. Dieses Gefühl, der Blick auf ihre baumelnden, angeketteten Beine, die ganze Situation und, was sich gerade hier zutrug – es machte mich unendlich scharf und führte dazu, dass ich unkontrolliert abzuspritzen drohte. «Du willst mich wohl möglichst rasch zur Explosion bringen, damit Deine Sklaverei ein rasches Ende hat? Vergiss es, Drecksweib! Für diesen hinterhältigen Plan wirst Du büssen!» Es war genug, fast zu viel. Ich befreite mich aus meiner Position.

Zurück bei den Hecktüren zog ich meinen Ledergürtel schwungvoll und absichtlich mit lautem Geräusch aus der Hose. Es brauchte für sie nicht viel Fantasie, um zu erkennen, was nun folgen würde. Und ich war hart. Der erste Hieb traf sie an der linken Brust, welche sich sofort rötete und bestimmt blau färben würde. Tanja klagte laut, aber es folgten weitere Schläge, denn ich wusste: Dieses harte Spanking war genau das, was sie von mir wollte. Am Ende war ihr ganzer Leib übersäht mit Striemen und Flecken, und der Rausch der Wollust erklomm neue Höhen. Es war meine Markierung, mein Reich, mein Wesen, meine Sklavin. Ich keuchte, meine aufgestaute Lust musste durch alle Poren meines Körper dringen und sie, meine Gespielin, würde es, wenn schon sehen, dann mindestens riechen. Wie TNT, kurz bevor die Zündschnur ihr Ziel erreicht, so heiss und explosiv kam mir unsere Situation vor. Jetzt war die Zeit gekommen, mir ihren Arsch zu nehmen. Es gab gar keine Diskussion, kein Weg daran vorbei – ich nahm mir das, was mir gehörte – egal ob sie darauf vorbereitet war oder nicht. Mit ein wenig Spucke auf der Eichel drückte ich diese gegen ihren Anus, wodurch sich ihre Pussy, beinahe sich darüber beschwerend und anbietend, leicht öffnete und einen Fluss an milchigem Sekret freigab. Der letzte Beweis ihrer angestauten Erregung.

Ihr Fleisch leistete nur wenig Gegenwehr – rasch war ich tief drin in ihrem Anus, bis zum Anschlag, und begann, sie dort zu ficken. «So mühelos? So ausgeleiert, Dein Nuttenarsch?» kommentierte ich und begann, ihre Klitoris mit der flachen Hand zu schlagen. «Aua!» schrie sie laut. «Du hast es nicht anders verdient!» Meine Hand traf ihre Vulva immer häufiger, in immer schnellerer Folge, während dem ich meine Rein-Raus-Bewegungen an ihrem Hintereingang langsam fortführte. Jetzt wurde Tanja richtig laut: Es war eine Mischung aus Stöhnen, Seufzen, Klagen und Lust. Sie blickte in meinen Augen, als wollte sie sagen, «Was tust Du mit mir, was tust Du mir an, was um Himmels Willen!!?» Und dann, als wollte sie ihr Becken noch mehr heben, noch mehr von mir in sich spüren, bäumte sie sich auf, schloss ihre Augen… und kam, mit lautem Gebrüll. Eruptionen zeichneten ihren Körper wie Stromschläge, sie zitterte am ganzen Leib, die Beine schwankten in den Ketten und beinahe riss sie dadurch die Ösen aus ihren Verankerungen. Ihr Wesen war im Shangri-La der Lust – weit weg von dieser Welt.

Als ihre letzten Zuckungen sich gelegt hatten, gewährte ich ihr eine kurze Pause. Langsam kam sie zurück, ihr Atem war wieder entspannter geworden. Doch nun hielt ich ihr meinen Prügel wieder hin. «Jetzt bin ich dran! Los, öffne Deinen Hals für mich!» Und tatsächlich, sie schluckte ihn tief, bis zum Anschlag, und das mit Bravur, Würgereflex unter Kontrolle. Wenige Tiefenbewegungen später kam ich. Es war nicht mehr zu stoppen. Alles, was ich in mir hatte, gelang in ihren Rachen. Sie nahm alles auf, mit einer lüsternen Gier, deren Anblick meinen Höhepunkt fast schmerzhaft in die Länge zu ziehen schien. Erschöpft sank ich zur Seite, stützte mich mit den Armen auf, beugte mich über ihren Kopf und küsste sie. Unser erster Kuss. Endlich. «Hallo Tanja!» schmunzelte ich, «Schön, hat es mit unserem Treffen endlich geklappt!» Sie lachte – ihr Mund, ihre Augen. Ihr dunkler Wunsch war in Erfüllung gegangen.

«Aber», bemerkte sie kurz danach, «wie komme ich jetzt nach Hause? Nackt wohl kaum?» Ich überlegte einen Moment. «Du bist nicht völlig nackt, Du hast Deine süssen, stinkenden Keds! Ich binde Dich los und Du bist so frei wie nie!» 

Tanja verdrehte die Augen. «Das kannst Du nicht machen! Ich brauche Kleidung!» begann sie, zwischen Besorgnis und leichter Verärgerung. Dafür liebte ich sie schon jetzt. «Ach, eine Wunschzettelsub hab ich mir da eingehandelt? Davon war bisher aber nicht die Rede und hätte meinen Entschluss, Dich hier einzufangen, vielleicht beeinflusst! Aber nun gut», seufzte ich, «als Dom ist man ja stets auf alle Subbie-Unwägbarkeiten vorbereitet.»

Ich stand auf und öffnete das kleine Fenster in der Trennwand zwischen Laderaum und Steuer und fischte ein auf dem Beifahrersitz liegendes Bündel mit Stoff, welches ich aufschnürte. 

Es war eine grau-weiss gestreifte Häftlingsbekleidung. Tanja schaute mich beleidigt an: «WFT! Du glaubst wohl nicht im Ernst..?» Doch ich nickte nur, löste ihre Fesselungen und öffnete die Hecktüren, um ihr freundlich, aber nicht minder bestimmt den Weg nach Draussen zu weisen. 

Etwas benommen richtete sie sich auf, griff mit lautem Schnauben das Stoffbündel und stieg aus, um sich damit anzukleiden. «Wie undankbar!» lachte ich, auf der Ladekante meines Wagens sitzend. Ich musterte sie eingehend und fühlte mich fast etwas verliebt.

Ohne ein weiteres Wort drehte sie mir ihren Rücken zu und unternahm trotzig ihre ersten wackeligen Schritte zurück zum Weg, von welchem ich sie wegentführt hatte. Auf halbem Weg rief ich ihr hinterher: «Ich denke, das wird der Beginn einer langen Haftstrafe – egal, ob ich bei Dir bin oder nicht!». 

Sie blieb unvermittelt stehen, drehte ihren Kopf zurück zu mir und sagte mit einem Lächeln: «Ich glaube auch».

Über BDSM-Erotik

Die Geschichte mit Elly war das erste Werk von Oliver G. Wolff aus der Schweiz und ist als eBook wie auch als gebundene Ausgabe erschienen. Das Projekt für das zweite Buch ist im Moment auf Eis – dafür gibt es weitere, kleine Geschichten des Autors selbst, aber auch von M. Brody aus Deutschland.

*Oliver G. Wolff’s erstes Werk, „Elly – Dunkle Geheimnisse“ ist als eBook und als Hardcover 2018 erschienen.

Hinweis: Alle Fotos sind entweder lizenzfrei von pixabay.com oder von Oliver G. Wolff selbst.